Alois Herger ist eidgenössisch diplomierter Bildhauermeister. Er ist eine der Fachpersonen, die vom Amt für Denkmalpflege beigezogen werden, wenn es darum geht, denkmalgeschützte Brunnen zu sanieren. Und deren hat es viele im Wasseramt. Ein grosser Teil der Brunnen wurde in den 1940er-Jahren unter Schutz gestellt. «Das war die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Man hat sich auf die eigenen Werte und Qualitäten besonnen und wollte diese bewahren», erklärt Benno Mutter (Kunsthistoriker, Amt für Denkmalpflege), dieses Phänomen. Jede Unterschutzstellung müsse heute individuell abgeklärt und begründet werden. «Oft gehören die Brunnen zu einem Ensemble, bei dem auch die Umgebung geschützt wird.» Im Wasseramt stehen fast ausschliesslich Nutzbrunnen. «In den Städten ist dies anders. Dort sind die Brunnen oft mit Figuren verziert», so Mutter.

Einen alten Brunnen zu restaurieren braucht Fingerspitzengefühl. Zudem ist jeder Brunnen anders. Im Jahr 2012 hat Alois Herger den Brunnen beim «Sommerhus» (reformiertes Pfarrhaus) in Subingen restauriert. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Zierbrunnen, der in die Erde eingelassen ist. Der Brunnen ist monolithisch, das heisst er besteht aus einem Block. Mit einem Durchmesser von gegen drei Metern und einer Dicke von 65 cm wiegt das schalenförmige Brunnenbecken ungefähr 6 Tonnen. Für die Restaurationsarbeiten musste der Brunnentrog zuerst abgegraben und freigelegt werden. Damit wurden die Risse am Brunnenbecken sichtbar, die Herger sorgfältig gesucht, angezeichnet, später verklebt und mit dem Naturstein angepasstem Restauriermörtel geflickt hat.

Gut zu bearbeiten

«Der Brunnen ist aus Solothurner Kalkstein gehauen. Dieser Stein lässt sich sehr gut mit Spitzeisen und traditionellen Werkzeugen bearbeiten», erklärt Herger. Solothurner Kalkstein ist ein Ablagerungsgestein mit kleinen tektonischen Rissen. Wenn der Stein frisch gebrochen ist, sind diese Risse verzahnt und geschlossen, mit der Beanspruchung durch Sonne, Feuchtigkeit und Frost öffnen sich diese, weiss Herger. Der Stein eignet sich deshalb gut zur Herstellung von Brunnentrögen. Mit den Jahren können die Risse aber grösser werden, und dann kann ein Brunnenbecken lecken.

«Das Ziel einer Sanierung ist, dass man am Schluss nichts von meiner Arbeit sieht.» Jeder Brunnen werde anders saniert. So belasse man heute oft Algen und Flechten auf dem Stein und putze diesen nicht blitzblank. «Damit trägt man auch einen Teil des Steins ab und die ursprüngliche Bearbeitung durch den Steinhauer vor vielleicht 300 Jahren ist nicht mehr erkennbar.» Sicher würden alle Risse verschlossen. Oft hätten die Becken auch Ausbrüche, die man wieder ergänze. Je nach Situation, Grösse und Gewicht wird ein Brunnen vor Ort belassen und auch vor Ort saniert. Kleinere Brunnentröge kann man auch in die Werkstatt zügeln. «Das hat den Vorteil, dass man in den kalten Monaten daran arbeiten kann.» Wenn die Temperatur unter plus fünf Grad sinkt, arbeitet Herger nicht mehr draussen. «Dann sinkt das Thermometer nachts unter den Gefrierpunkt und das verhindert den Abbindeprozess von Mörteln und Klebstoffen.»

Viel Handarbeit nötig

Grosse Brunnentröge würden heute leider kaum mehr gehauen. Das ist teuer in der Anschaffung und vor allem summieren sich die späteren Kosten von Frischwasser, Abwasser und Unterhalt. Herger konnte aber in den letzten Jahren diverse Zierbrunnen gestalten. Einer davon bereichert die Schulanlage in Halten und lädt die Kinder zum Spiel mit Wasser ein. Zudem hat er in den letzten Jahren immer wieder Brunnentröge saniert. Die Auftraggeber sind oft Architekten, aber auch Privatleute und Gemeinwesen. Einen Brunnen zu sanieren bedeutet viel Handarbeit. 60 Stunden hat er für den Brunnen beim «Summerhus» aufgewendet. In aller Regel wird die Arbeit zudem mit der Denkmalpflege abgesprochen. Diese sichert meist einen gewissen Beitrag zu, wenn ein wertvolles Objekt saniert wird.