Buchegg
Das wird teuer: Die Grossgemeinde erhält endlich eine öffentliche Wasserversorgung

Das Hauptproblem in der Gemeinde Buchegg ist die mangelnde Versorgung mit Löschwasser. Wenn es brennt, greift die Feuerwehr auf das Schwimmbad und diverse Bachstauungen zurück, in Gossliwil sogar ausschliesslich auf Bachwasser. Dies entspricht nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben.

Christof Ramser
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Das in Hessigkofen gefasste Wasser wird künftig vom Pumpwerk (unten) in das Reservoir Schöniberg gefördert.

Das in Hessigkofen gefasste Wasser wird künftig vom Pumpwerk (unten) in das Reservoir Schöniberg gefördert.

Oliver Menge

Es ist ein Grossprojekt, das Buchegg in Angriff nimmt. Noch immer verfügen die Dörfer Mühledorf und Gossliwil der weitverzweigten Gemeinde nicht über eine öffentliche Wasserversorgung. In Mühledorf ist die Mehrzahl der Liegenschaften an Privatquellen angeschlossen, wovon die meisten über keine Schutzzonen verfügen. Auch die Quelle des öffentlich genutzten St. Margaretenbrunnens hat keine Schutzzone. Gemäss dem Gesetz über Wasser, Boden und Abfall besteht aber eine Anschlusspflicht an eine öffentliche Versorgung, wobei Ausnahmen möglich sind.

Das Hauptproblem ist die mangelnde Versorgung mit Löschwasser. Wenn es brennt, greift die Feuerwehr auf das Schwimmbad und diverse Bachstauungen zurück, in Gossliwil sogar ausschliesslich auf Bachwasser. «Dies entspricht nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben», sagt Pascal Guillod vom Ingenieurbüro Emch und Berger, das für Buchegg die Generelle Wasserversorgungsplanung erarbeitet hat.

Widerstand ist zwecklos

«Wir haben uns lange gegen eine öffentliche Wasserversorgung gewehrt», sagt Bucheggs Gemeindepräsidentin Verena Meyer. Sie war zuvor Gemeindepräsidentin von Mühledorf und bezieht ihr Wasser ebenfalls aus einer Privatquelle. «Doch nun hat uns der Kanton in die Knie gezwungen.» Dies sei ärgerlich, weil die St. Margaretenquelle eine optimale Qualität hervorbringe. Diese darf aber nicht weitergenutzt werden, weil in der Nähe die Zufahrtsstrasse zum Wolftürli führt. «Das tut vielen Leuten weh, weil das Wasser so gut ist.» Die Befürchtung gehe um, dass die Qualität künftig abnehme. Mängel weist dagegen die ebenfalls öffentlich genutzte Rotenmattenquelle auf, wo es etwas zu viel Nitrat gebe. «Nun müssen wir das Dasein als gallisches Dorf halt aufgeben», so Meyer.

An einer gut besuchten Informationsveranstaltung vom Mittwochabend in Mühledorf waren denn auch viele Mühledörfer anwesend. Weil es sich bei der geplanten öffentlichen Wasserversorgung um einen Neubau handelt, müssen sie einen Anteil der Erschliessungskosten übernehmen. In Mühledorf gibt es 60 Privatquellen.

So soll Mühledorf an den Zweckverband Wasserverbund Schöniberg angeschlossen werden. Dieser versorgt Lüterswil-Gächliwil und Aetigkofen aus der wasserreichen Grabenöliquelle und der Moosquelle. Der Leitungsbau in Mühledorf und Aetigkofen wird in Koordination mit Strassenbauarbeiten 2019 und 2020 erstellt. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Franken. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird als zweite Einspeisung eine Wasserleitung zwischen Mühledorf und Tscheppach erstellt.

«Schöniberg» wiederum wird an die benachbarten Wasserversorgungen angeschlossen. Unter anderem wird das im Grundwasserpumpwerk Hessigkofen gefasste Wasser künftig in das Reservoir Schöniberg gefördert, das vergrössert wird. Auch Gossliwil soll öffentlich versorgt werden und sein Wasser vom Schöniberg beziehen. Bibern, das aus den Jörhüsliquellen ebenfalls nicht ausreichend versorgt wird, schliesst sich an die Wasserversorgung Hessigkofen-Tscheppach an. Die Bauten für den Wasserverbund «Schöniberg-Hessigkofen-Tscheppach-Mühledorf» allein kosten 2,6 Millionen Franken.

Stellt sich die Frage, ob genug Wasser vorhanden ist? «Wenn im Endausbau alle Liegenschaften angeschlossen sind, reicht es nicht», sagt Guillod. Das zusätzlich benötigte Wasser wird von der Wasserversorgung Kyburg beschafft, die derzeit Brügglen, Kyburg-Buchegg und Küttigkofen speist und ihrerseits an die Gruppenwasserversorgung Grenchen angeschlossen ist. Dazu wird in Brügglen für 1,6 Millionen Franken ein Pumpwerk gebaut.

«Steuerfuss wird nicht steigen»

Insgesamt kosten die Bauarbeiten 9,2 Millionen Franken. Nach Abzug von Beiträgen des Kantons, der Gebäudeversicherung und Grundeigentümerbeiträgen verbleiben der Gemeinde Restkosten von 3,8 Millionen. Der Befürchtung, dass aufgrund der Millioneninvestitionen die Steuern steigen, nimmt Meyer den Wind aus den Segeln. «Die Wasserversorgung ist eine Spezialfinanzierung und gebührenfinanziert.» In einigen Dörfern dürften die Gebühren steigen, in anderen sinken. «Der Steuerfuss wird deswegen nicht steigen», verspricht Meyer. Ausserdem seien die Gebühren in der Gemeinde Buchegg derzeit moderat.

Noch bis am 10. November läuft die Mitwirkung der Generellen Wasserversorgungsplanung. Danach werden die Pläne öffentlich aufgelegt, dann sind auch Einsprachen möglich. Erst wenn der Regierungsrat die Pläne genehmigt hat, kann mit den Bauten begonnen werden. Bis 2022 sollen die Abschnitte von Aetigkofen bis Tscheppach erstellt, bis 2023 der Anschluss via Brügglen erstellt werden. Später werden die Anschlüsse Hessigkofen, Gossliwil und Bibern gebaut, schliesslich die Resterschliessung von Mühledorf.

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