Im Dezember hatte der Gemeinderat vom Oberdorf beschlossen, das grosse Wasserrad im Wildbach, welches für das Dorf zum Wahrzeichen geworden ist, für 17 000 Franken zu sanieren. Anfang Jahr bekam die Bellacher Späti Holzbau AG den Auftrag, das Wasserrad instand zustellen. In früherer Zeit drehten sich in Oberdorf bis zu neun Wasserräder. Nach und nach sind diese aber verschwunden.

So auch das sechs Meter hohe Rad, welches aus Eichen- und Tannenholz besteht und mit Zugstangen aus Metall stabilisiert wird. Bis 1966 trieb es die Ischermühle mit Wasserkraft an und war anschliessend für fast zwanzig Jahre eingelagert. «In den 80er-Jahren wurde es dann durch den Oberdörfer Fritz Linder in Fronarbeit zusammengebaut und anschliessend reaktiviert», erzählt Brunnmeister Simon Adam. Die Gemeinde kümmerte sich um die Befestigung, damit sich das Rad zukünftig als «Schmuck» im Wildbach drehen konnte.

Trotz allem in gutem Zustand

Nach nun fast 30 Jahren mussten die Schaufeln ersetzt und zum Teil auch der Ring aus Tannenholz repariert werden. Die am Projekt beteiligten Zimmermeister staunten: «Dieses Wasserrad wurde sorgfältig gebaut und restauriert. Es ist trotz seines Alters in einem sehr guten Zustand», so Projektleiter Simon Schneider.

Am meisten Kopfzerbrechen bereiteten darum nicht die Revisionsarbeiten, sondern vor allem die Demontage und der Transport des Rades. Mit einem Durchmesser von rund sechs Metern und einem Gewicht von gegen drei Tonnen war von Anfang an klar, dass die Reparaturarbeiten nicht in der Werkstatt in Bellach vorgenommen werden können. Zuerst wollte man es vor den Werkhallen aufrichten. «Das wäre mit viel Aufwand verbunden gewesen und an gewissen Verkehrspunkten wäre der Transport von den Dimensionen her sogar kritisch geworden», so Schneider.

Die Einwohnergemeinde Oberdorf stellte darum einen Standplatz ganz in der Nähe des Baches zur Verfügung: Mithilfe eines Pneukrans wurde das Rad zwischen dem Ernst-Burren-Haus und der Kächschür aufgestellt. Um dies zu ermöglichen, musste eine spezielle Halterung aus Holz angefertigt werden.

Bevor die in der Werkstatt vorgefertigten Schaufeln montiert werden konnten, musste das Rad von Moos befreit werden. Das Rad wurde für die Revisionsarbeiten auf der Transporthalterung aufgebockt. So konnte es gedreht und die Schaufeln nach und nach ausgewechselt werden.

«Dieser Auftrag ist wohl einmalig», ist sich der Zimmermeister Simon Schneider bewusst, «zwar ist die Arbeit an und für sich nichts Aussergewöhnliches, das Objekt aber umso mehr.» Die Zimmerleute arbeiteten im Freien, unter einer Blache. Das Rad war gut befestigt, was bei dem regnerischen Wetter mit Sturmböen vonnöten war.

Wahrzeichen steht wieder

Sobald die Reparaturarbeiten abgeschlossen waren, musste das Rad noch ausgewuchtet werden. Zuerst im Trockenen, dann aber auch noch im Wasser, da es mit dem Druck des Baches anders reagiert als ausserhalb. Gestern wurde das Rad nun wieder montiert. Die Dorfbewohner wird es freuen: Immer wieder kriegen die Handwerker Besuch von Passanten, die zum Teil viel über die Geschichte des Rades zu erzählen haben. Für die Zimmerleute ist klar: «Die Oberdörfer vermissen ihr Wasserrad.»