Zuchwil

Das Theater Rampeliecht übersetzt britischen Humor auf schweizerisch

Die Theatergruppe Rampeliecht unterhält mit der Komödie «Verruckts Gäld».

Die Theatergruppe Rampeliecht unterhält mit der Komödie «Verruckts Gäld».

Die Zuchwiler Theatergruppe Rampeliecht begeistert mit «Verruckts Gäld» in der Pisonihalle.

Was würden Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, machen, wenn Sie ganz zufällig ohne kriminelle Umtriebe in den Besitz von 2 Millionen Franken kämen? Die diesjährige Theaterproduktion von «Rampeliecht» gibt eine Antwort. Für den biederen Buchhalter Heinz Binder (Urban von Arx), der textsicher und spielerisch brillant seine anforderungsreiche Hauptrolle in «Verruckts Gäld» spielt, ist die Sache sofort klar: den Geldsegen behalten und stehenden Fusses ins Ausland verschwinden. In den Besitz des Koffers ist er durch Verwechslung im Bus gekommen. In einer nahen Kneipe realisiert er den monetären Schatz durch mehrfaches Nachzählen auf der Toilette, was ihm ein überirdisches Glänzen in die Augen zaubert.

Das bleibt nicht unbeobachtet. Der zivil in der Bar anwesende Wachtmeister Rüfenacht (Peter Wiederkehr) vermutet unsittliche Handlungen. Binder beginnt ihn zu interessieren. Der versucht inzwischen seine Frau Jeannette (Irene Schluep) umzustimmen, um gemeinsam die Chance ihres Lebens zu ergreifen. Doch sie will nicht überstürzt weg und stärkt ihren Widerspruch mit viel Cognac. Das Gesöff bleibt nicht ohne Auswirkung, wie Jeannette das Publikum glaubhaft mit verwischter und dennoch verständlicher Sprache und schwankendem Gang miterleben lässt.

Fantastisches Lügengeflecht

Als Erster taucht Polizist Rüfenacht auf mit ewig lächelndem Gesicht. Befindet er sich bereits in polizeilicher Recherche, oder verfolgt er eigene Geschäfte bis hin zur Erpressung? Ungeduldig wirbelt immer wieder die für den Trip zum Flughafen bestellte Taxichauffeuse (Daniela Imbach) durch die Wohnung. Dann kommen die Gäste Bettina und Rolf (Esther Wiederkehr, Peter Elsener), die eigentlich zu Binders Geburtstagsfeier eingeladen waren.

Plötzlich überbringt Kommissarin Schlatter die Nachricht, dass der mittels Adresse im Koffer identifizierte Heinz Binder ermordet aufgefunden worden sei. Und jetzt beginnt ein fantastisches Puzzle-Spiel mit einem Lügengeflecht, in dem Identitäten szenenweise wechseln. Denn begründet werden muss, dass der leibhaftig anwesende Heinz inzwischen sein Bruder Freddy ist. Die Dialoge springen hin her wie Pingpongbälle und elektrisieren mit den vielen «alternativen Wahrheiten» das Publikum, das sich über die absurd-grotesken Einfälle in Text und Handlung schräg lacht. Die Bühnenstory verfügt noch über einen dritten Akt, der alles wieder umkrempelt. Wer das erfahren will, muss im Pisoni erleben, ob sich ein solch irrer Lebenstraum erfüllen lässt.

Britischer Humor

Der Dialektfassung von Rico Spring liegt die Farce des englischen Erfolgsautors Ray Cooney zugrunde, die 1994 unter dem Titel «Funny Money» in London uraufgeführt wurde. Sie gilt seither als Beispiel für britischen Humor und ist ein Kassenschlager. Conny Studer, die erstmals bei «Rampeliecht» die Regie übernahm, hat erkennbar an der Charakteristik der einzelnen Rollen gefeilt. «Man spürt bei dieser diszipliniert zusammenarbeitenden Theatergruppe deren 30-jährige Erfahrung», so Studer. Wie es Tradition bei der Laienbühne ist, bietet sie bei ihren diesmal fünf Aufführungen Restaurantbetrieb und Geselligkeit.

Mehrzweckhalle Pisoni, Zuchwil: Premiere Samstag, 17. 11., 20 Uhr; weitere Aufführungen: Sonntagnachmittag, 17 Uhr, Mittwoch, 21., Freitag 23. und Samstag 24. November, je 20 Uhr.

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