«Ein Blick in die Zukunft» schreibt die New York Times. Vom «Aufstieg der Maschinen» berichtet die britische Tageszeitung Daily Mail. Von einem «Eimer auf Rädern» die deutsche «Zeit» – «tumb in der Anmutung, aber grandios unterschätzt». Die Rede ist von den Robotern, die künftig vollautomatisch auf den Trottoirs Pakete zustellen sollen. Getestet werden die Geräte aus einer estnischen Ideenfabrik in England, Deutschland und der Schweiz.

Bis Ende Dezember kurvten diese durch die Strassen von Biberist und Zuchwil. Neben der Post lieferte die Zuchwiler Spezialapotheke Mediservice rezeptpflichtige Medikamente an langjährige Patienten aus. Eine Kundin zeigt sich entzückt über den kleinen Helfer. «Die Belieferung ist ausgezeichnet. Könnte ich denn jetzt ab sofort auch mein Insulin regelmässig via Roboter nach Hause bekommen?».

Massengeschäft unrentabel

Das ist zwar Zukunftsmusik, aber möglicherweise nicht mehr allzu ferne. Schon in zwei bis drei Jahren rechnet die Post mit konkreten Einsätzen von Lieferrobotern. «Jedoch auch dann insbesondere für die Zustellung von Spezialsendungen», sagt Sprecherin Jacqueline Bühlmann. Anwendungsmöglichkeiten sehe man bei Sendungen, die flexibel, schnell und günstig in einer lokalen Umgebung befördert werden müssen.

Das Massengeschäft der Paketzustellung mit der neuen Technologie abzuwickeln, sei indes «ökonomisch nicht sinnvoll». Den Paketboten aus Fleisch und Blut will die Post also auch künftig nicht durch den Helfer auf sechs Rädern ersetzen.

Bei Mediservice zeigt man sich nach den Tests ebenfalls ermutigt, den Roboter künftig loszuschicken. «Der Einsatz für Patienten, Praxen, Heime oder auch Spitäler in ausgewählten Einsatz-Nischen könnte bisherige Logistik-Konzepte optimal ergänzen», so ein Sprecher. Dabei sollen vor allem teure Kurierdienste oder Taxifahrten ersetzt werden.

Sicherheitsbedenken gibt es kaum: «Die Zustellsicherheit ist dank der neuen Technologie sehr hoch und zusätzlich elektronisch dokumentierbar.» Ebenso kann man sich bei Mediservice vorstellen, verbrauchtes Material wie Pumpen, Spritzen, abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente zur Entsorgung durch den Roboter abzuholen. Dies sowohl bei Einzelpersonen zu Hause wie auch in Arztpraxen, Heimen und Spitälern.

«Gewöhnungsbedürftig»

In Biberist sorgte der Roboter für erstaunte Blicke. Autofahrer bremsten ab und sahen dem Gerät auf dem Trottoir verdutzt hinterher. Auf der Gemeinde trafen dagegen keine Reaktionen ein, «weder positive noch negative», sagt Stefan Hug-Portmann. Der Verwaltungsleiter freut sich aber, dass Biberist als Pilotgemeinde ausgewählt wurde: «Dieser Test ist zukunftsweisend.»

Mehr Aufsehen erregten die Roboter in Zuchwil. Gemeindepräsident Stefan Hug erhielt während der Testphase diverse Reaktionen. Von «He, gehts noch!» bis zu «tolle Sache» sei alles dabeigewesen. «Die negativen und positiven Einschätzungen hielten sich die Waage», so Hug. Er hatte dem Gesuch der Post für die Pilotfahrten zugestimmt unter der Voraussetzung, dass die Genehmigungen für den Einsatz auf der Strasse eingeholt sind und die Bevölkerung informiert wird. Man kann ja nie wissen, was sich in so einem fahrbaren High-Tech-Kübel verbirgt.

Positiv überrascht wurde der Gemeindepräsident gleich selber. Als Dank für die Bewilligung zum Testeinsatz überbrachte ihm die Firma Mediservice ein «Päckli». Eines Tages stand der Roboter vor dem Eingang des Gemeindehauses. Auf Englisch befahl ein Begleiter, die Klappe zu öffnen. Im Bauch hatte er eine Flasche Wein transportiert.

Danach drehte das «Sternenschiff» noch eine Runde um das Gemeindehaus und zuckelte schliesslich davon. Ein «gewöhnungsbedürftiges» Erlebnis für den Empfänger. «Doch diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten», glaubt Hug. Ohne Roboter hätte die Industrie nie heutige Produktivitätsstandards erreicht.

Und doch stelle sich die Frage, ob die Automatisierung nicht in eine weitere Anonymität führe, wo ein Mensch weniger gelte. «Man könnte doch für solche Lieferdienste auch Arbeitslose einsetzen», schlägt Hug vor.

Unfallfrei unterwegs

In Biberist und Zuchwil sowie den beiden anderen Testorten Bern und Köniz absolvierten die Roboter übrigens fast 200 Zustellungen und legten rund 1000 Kilometer zurück. «Unfallfrei», wie die Post betont. Allerdings wurden die Geräte während der Testphase von einer Person «Gassi» geführt.

Diese Begleiter seien künftig nicht mehr nötig. Damit es im autonomen, operativen Betrieb zu keinen Kollisionen kommt, kann an heiklen Stellen ein Operateur aus der Distanz zugeschaltet werden. Dieser stoppt den Roboter oder leitet ihn um Hindernisse. Und über einen Lautsprecher kann sogar mit Personen im Umfeld des Roboters kommuniziert werden. Dannzumal bestimmt auch auf Deutsch.