Geoimpact

Das Software-Start-up will die Energiewende mit künstlicher Intelligenz planen

Das versammelte Geoimpact-Team bei der Arbeit (v. l.): David Suter, Gründer Leo Sasso, Thilo Weber, Peter Robineau und Giuseppe Caponetto.

«Die Energiewende beginnt bei dir zu Hause. Wir wollen dich dabei unterstützen, deine Energiezukunft zu gestalten.» So empfängt das Solothurner Start-up-Unternehmen Geoimpact potenzielle Kunden auf seiner Homepage.

«Wir denken, dass der liberale Ansatz der richtige ist», erklärt Gründer und CEO Leo Sasso. «Damit die Energiewende 2050 gelingt, müssen ökologisch sinnvolle Projekte auch wirtschaftlich rentieren. Unser Ziel ist es deshalb, dass die Kunden nachhaltige Projekte realisieren und dabei auch noch Geld sparen können.»

Ein hoher Anspruch, den die kleine Firma mit fünf Mitarbeitern und Sitz in Lüterkofen an sich selber stellt. Wie soll das gehen? «Wir haben extrem viele Informationen über die Immobiliensituation in der Schweiz gesammelt und kartografiert. Mit unserer Plattform SEP, das steht für Swiss Energie Planning, ist nun eine automatisierte Planung möglich. Wir helfen bei der Suche nach dem idealen Standort für eine Anlage. Wir erkennen die Potenziale in Gebäudeparks und in der bestehenden Infrastruktur. Wir decken das Synergiepotenzial auf. Wenn zum Beispiel jemand ein Gebäude saniert, dann klären wir ab, ob es sinnvoll wäre, gemeinsam mit den Nachbarn eine neue Heizung zu bauen, eine Solaranlage zu betreiben oder eine gemeinsame Erdsonde für eine Wärmepumpe zu bohren.»

Begonnen hat Geoimpact im Bereich des elektrischen Stroms, aber auch Heizung und Kühlung werden immer wichtiger. «Ein grosses Potenzial eröffnet sich mit der Elektromobilität. Die verschiedenen Sektoren konvergieren», meint der 38-jährige Firmengründer, der in Recherswil aufgewachsen ist, in Solothurn die Kantonsschule besucht hat und danach Informatik in Biel studierte. Gearbeitet wird hauptsächlich im Homeoffice, und das Team trifft sich ab und zu in Bern oder im Uferbau in Solothurn – jeder mit seinem Laptop setzen sie sich dann an einen runden Tisch. Rund ein Jahr habe es so gedauert, bis im vergangenen Oktober die Apps online gehen konnten. «Finanziert haben wir den Start selber. Der Kunde zahlt nun für den Zugang zu den Informationen über die Apps. Wir schauen, was finanziell möglich ist. Es steckt viel Enthusiasmus in der Firma. Uns ist es wichtiger, ein relevantes Projekt auf die Beine zu stellen.»

Von unten betrachtet

Seit vergangenem Jahr sind in der Schweiz Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch erlaubt. Man darf also quasi dem Nachbarn den auf dem Dach produzierten Strom verkaufen. «Das sind neue Ansätze, mit denen wir den Cleantech-Gedanken weiter verbreiten möchten», sagt Leo Sasso. Das Forschungsprojekt Sologrid in Riedholz, das in eine ähnliche Richtung zielt, bezeichnet er als «spannenden Ansatz». Aber die intelligente Vernetzung lokaler Stromproduzenten und Endverbraucher werde bisher nur von oben nach unten, also aus der Sicht des Stromversorgers betrachtet. Das bringe dem Endverbraucher zu wenig Vorteile. «Wir haben einen anderen Ansatz. Bottom-up, also von unten nach oben, aus der Sicht des Endverbrauchers, der seine Immobilie auf nachhaltige Art und wirtschaftlich sinnvoll sanieren möchte.» Das sei wegen der Negativzinsen derzeit die bestmögliche Investition.

Nachbarn schliessen sich zusammen

Mit der EVG-App können Eigenverbrauchsgemeinschaften geplant werden. «Als Erstes muss der Besitzer einer Immobilie wissen, ob das Potenzial für eine Kooperation vorhanden ist. Mit der App finden Endverbraucher den Weg zu einer möglichen Gemeinschaft, zu geeigneten Produkten, Dienstleistern und Stromproduzenten. Die App macht unsere Partner zu Pionieren der Energiewende 2050, und sie sparen erst noch Geld.»

Der Firmengründer liefert ein Beispiel: «Ein kleiner Schweizer Batteriehersteller muss für jedes seiner Projekte mit der Offerte eine Energieplanung und eine Investitionsrechnung vorlegen. Da gilt es, die Photovoltaik, das Mobilitätsprojekt, die Wärmepumpe und weitere Komponenten zu berücksichtigen. Mit unserer Software haben wir den Verkaufsprozess optimiert und vereinfacht. Das ist vor allem für kleine Unternehmen eine grosse Chance.»

Auf den Karten, die Geoimpact entwickelt hat, ist ein Sanierungsindex eingetragen, damit man die Gebiete erkennt, wo in in den nächsten Jahren Investitionen zu erwarten sind. Als Nächstes sollen mit künstlicher Intelligenz und grosser Rechenleistung Potenziale für die Zukunft aufgedeckt werden, auf die ein Fachmann alleine nicht stossen würde.

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