Die Szene wiederholt sich, jeden Morgen vom Mai bis im September. Um 8.50 Uhr stehen sie auf dem Asphalt vor dem Schwimmbad Eichholz und warten, bis das Tor öffnet. «Manchmal rütteln sie fast an den weissen Gitterstäben», sagt Thomas Jenni.

Punkt 9 Uhr gewährt der Badmeister Einlass. Das Drehkreuz rattert, und ein paar Augenblicke später ziehen sie ihre Bahnen, die unerschrockenen Schwimmer vom Eichholz.

«Einmal war es saukalt, das Thermometer zeigte 4 Grad an», erinnert sich Clara Minder. Am liebsten wäre sie mit einer Nebellampe über das Badi-Grün getapst, das Wetter war schauderhaft. «Das war schön.» Am Bassinrand streifte sie sich die Taucherbrille über, glitt ins Wasser und zog ihre Bahnen. Der Tag war gerettet.

«Nie mehr krank»

Clara Minder schwimmt seit über 20 Jahren im 50-Meter-Becken in Gerlafingen. Wenn heute Samstagmorgen die Saison losgeht, ist sie da, und wenn am 18. September die Badi schliesst, wird sie wahrscheinlich da sein. In der Zwischenzeit schwimmt die aktive Rentnerin jeden Tag einen Kilometer. Für sie ist es eine Sucht. «Kann ich nicht schwimmen, ist es ein verlorener Tag.»

Seit dem regelmässigen Schwimmtraining sei sie nie mehr krank. Schwimmen härtet ab. «Ich habe weder Schnupfen noch Husten.» Die Bewegung sei wichtig für das körperliche Wohlbefinden, ergänzt Ursula Mathys. Zusammen mit Clara Minder ist sie seit über 20 Jahren eine eiserne Schwimmerin. Es fing an, als die beiden an einem kalten und windigen Frühlingstag vor der Badeanlage vorbeispazierten. «Wenn wir heute nicht gehen, gehen wir nie mehr», sagten sich die beiden Gerlafingerinnen. Seitdem schwimmen sie jeden Tag.

Sie sind nicht allein. Manchmal sind es zehn, zwölf, zwanzig Saisonkartenbesitzer, meistens Pensionierte, die sich morgens im Eichholz treffen. So wie Dora und Alfred Portmann aus Obergerlafingen. Auch er macht es für die Gesundheit. Schwimmen sei gut für den Muskelaufbau im Rücken, gerade nach einer Operation. «Das hat mir eine Physiotherapeutin geraten.» Doch warum immer frühmorgens, wo die Rentner doch den ganzen Tag Zeit haben? Dann sei es ruhig und ordentlich in der Badi Eichholz.

Kein Geschrei von Heranwachsenden, die sich gegenseitig ins Bassin werfen. Ausserdem sei das Wasser noch klar und nicht von trüben Sonnencreme-Schmieren durchzogen. Deshalb mögen es alle in der Gruppe ganz gern, wenn es regnet. «Dann haben wir das Becken für uns.»

Lieber Kaffee als Coiffeur

Neben der Gesundheit pflegt die Gruppe die Freundschaft. «Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander», sagt Dora Portmann. Jede nehme im Wasser auf die andere Rücksicht. «Manchmal jagen wir uns auch ein bisschen», wirft Clara Minder ein und lacht heraus. Viel gelacht wird beim gemeinsamen Kaffeetrinken im Badibeizli nach dem Schwimmen. Es ist ein fester Bestandteil des Morgenprogramms. Dafür verschieben manche schon mal einen Termin. «Dann verzichte ich halt auf den Coiffeur», sagt Clara Minder. Um 11 Uhr sind alle wieder daheim. Ausser sie beginnen schon mit «apéröle», dann kann es länger dauern.

Den letzten Tag der Badesaison zelebriert die Gruppe mit Kuchen, und sie vereinbart bereits die Termine zum «Trockenschwimmen». Um die kleine Gesellschaft im Winter zu pflegen, treffen sie sich einmal im Monat zu Kaffee und Gipfeli, meist beim Felber Beck in Gerlafingen. Zum Schwimmen gehen sie dann ins Hallenbad in Zuchwil.

Sicher keine «Gfrörli»

Ursula Mathys freut sich, dass das Schwimmbad Eichholz heute endlich die Saison eröffnet. Einen besseren Ort zum Schwimmen in der Region kann sie sich nicht vorstellen. «Es ist die schönste Badi weit und breit, mit den Rosenzeilen und der gepflegten Anlage.» Die derzeit noch eher tiefen Wassertemperaturen prallen an ihr ab. «Ein Gfrörli bin ich nicht.» Höchstens auf dem Weg von der Garderobe an den Beckenrand schlottert sie ein wenig. Nach zwei Bahnen im Wasser spürt sie von der Kälte nichts mehr.