Wer dieser Tage durch Derendingen fährt, staunt nicht schlecht. Da und dort sind plötzlich Skulpturen im öffentlichen Raum zu sehen. Etwa eine Wasserspringerin auf der Emmenbrücke oder Waggonpuffer vor der Kirche. Noch ist es nicht so weit, aber schon am nächsten Sonntag erfolgt die Vernissage einer besonderen Dorfausstellung. «Ich habe dann mal alle Künstler aufgeschrieben, die in Derendingen künstlerisch tätig sind, musste mich aber bald einmal beschränken», erklärt Rolf Walker, der Kurator der Dorfausstellung.

Eine Skulptur von Christof Cartier

Eine Skulptur von Christof Cartier

Beschränkt hat er sich auf Künstler, die Skulpturen erschaffen. Davon hat es viele, auch in den Räumen der alten Fabrik namens «Scolari», wo Walker selber ein Atelier hat. Nicht weniger als 15 Kunstschaffende hat er in Derendingen gefunden. Sie haben nun im Dorf über 40 Objekte und Bilder aufgestellt. Zudem werden zehn Brunnen von Reto Emch gestaltet.

Ausgangspunkt war «Das Ding»

«Kurt Hostettler hat vor Jahren die Skulptur ‹Das Ding› geformt», erzählt Rolf Walker. «Ich schuf die Skulptur im Auftrag des Schweizerischen Bildhauervereins zu dessen Jubiläum», ergänzt Kurt Hostettler. «Die Zeit wurde immer knapper, und ich beschwichtigte die Auftraggeber mit dem Hinweis, ich mache das Ding dann schon noch. Plötzlich fiel mir der Zusammenhang mit dem Ortsnamen Derendingen auf. Da hatte ich das Ding.»

Heute steht «Das Ding» in der Eingangshalle der Derendinger Verwaltung. Gemeindepräsident Kuno Tschumi habe dann später die Kunstschaffenden aufgefordert, etwas für Derendingen zu machen. «Eines Tages, es regnete, habe ich mit Rolf Walker diesen Aufruf erörtert, worauf er ein Konzept schuf, woraus eben nun diese Ausstellung entstand.» Inzwischen ist der Verein «d!ngkult» seit einem Jahr mit der Organisation dieser Ausstellung beschäftigt.

Der Verein wurde im Übrigen erst einige Zeit nach der Idee zur Ausstellung auf Anschub des Gemeindepräsidenten gegründet. Der Verein soll auch künftig Kultur in der Gemeinde unterstützen, ermöglichen und veranstalten. «Der Verein hat bereits gegen 40 Mitglieder und ist nun Auftraggeber für diese Ausstellung», so Rolf Walker.

Objekte zum Kaufen

Das Budget für die Ausstellung Kunst im Dorf, die im wahrsten Sinne des Wortes ein reichhaltiges Menü aufweist (siehe Kasten), umfasst gegen 60'000 Franken. Dies ohne den Katalog, welchen die Organisatoren publizieren wollen und der unabhängig von der Ausstellung finanziert werden soll. Zum Budget trägt die Gemeinde 15'000 Franken bei. Weitere Gelder stammen von Kanton, Industrie und Gewerbe.

Den Künstlern wird der Transport finanziert. «Und es ist eine Verkaufsausstellung, für welche wir keine Prozente einfordern. Wir haben bereits erste Anfragen. Zudem erhalten die Kunstschaffenden mit dem Katalog ein weiteres Geschenk.»

Die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Pflege und Betreuung beschreibt Rolf Walker als eine Win-win-Situation. «Wir wollten unser Zentrum zur Ausstellung beim Blockhaus an der Emme erstellen, was aber nicht möglich wurde. Dann kamen wir auf das Tharad. Es ist zentral gelegen, hat Parkplätze und eine passende Infrastruktur.» Das Zentrum profitiert vor allem mit der Belebung des Restaurants. Etliche Veranstaltungen finden im Restaurant der Altersheims statt.

Besucher stimmen ab

«Die Frage ist, was bleibt in den Köpfen der Besucher zurück?», überlegt Kurt Hostettler. Rolf Walker hat eine Antwort. So sollen nach der Ausstellung zwei, drei Kunstwerke auf Leihbasis an ihrem jetzigen Standort verbleiben. «Wir fordern die Besucher auf, uns ihre Lieblingsskulptur auf unserer Homepage zu nennen. Die Skulpturen mit den meisten Stimmen versuchen wir über die Ausstellung hinaus an ihren Standorten zu belassen.»