Obergerlafingen
Das sind die Lösli-Drucker der Region – sie kämpfen gegen deutsche Preise

Wer kennt sie nicht: Die Tombola-Lose, die an Gewerbemessen und Dorffesten den grossen Gewinn versprechen. Dagegen kaum bekannt ist, dass viele der kleinen Glücksbringer bei derf3 Loszentrum AG in Obergerlafingen produziert werden.

Franz Schaible
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Sie sind die «Löslimacher» in Obergerlafingen (v.l.): Walter Dubach, Hans Weiss und Silvia Ramseier.Hans Ulrich Mülchi

Sie sind die «Löslimacher» in Obergerlafingen (v.l.): Walter Dubach, Hans Weiss und Silvia Ramseier.Hans Ulrich Mülchi

Hans Ulrich Muelchi

Die Firma f3 Loszentrum AG in Obergerlafingen besitzt die DNA eines typischen Schweizer KMU. Mit viel technischem Know-how und einer innovativen Idee bewegt sich das Kleinstunternehmen mit drei Angestellten in einem ausgesprochenen Nischenmarkt. Die Obergerlafinger produzieren Lose – Ösenlose bis hin zu Brieflosen für Tombolas, Vereins- und Sportfeste oder Werbeaktionen.

Hans Weiss weiss: «Wirsind nach Aussen hin in einer unspektakulären Branche tätig», sagt der Firmenmitgründer. Trotzdem. Sie ist aber offenbar spannend und erfolgversprechend genug, dass der 64-jährige Drucktechnikfachmann zusammen mit dem 60-jährigen Unternehmer Walter Dubach vor einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Weiss bringt als erfahrener Drucktechnologe das fachliche Know-how, Dubach als Chef der auf Festartikel spezialisierten Bieler Adri AG das Marktwissen sowie die Kundenbeziehungen und die 55-jährige Silvia Ramseier als Kauffrau die Erfahrung in Administration und Verkauf mit ein. «Bei einem Feierabendbier ist die Idee entstanden, den Losdruck in der Schweiz neu aufziehen», blickt Weiss zurück. Es gebe in der Schweiz zahllose kleine Betriebe, die auf alten Maschinen und nebenbei noch Lose drucken. «Das kann man professioneller machen», sagten sich Dubach und Weiss. Entstanden ist die f3 Loszentrum AG, die sich als Spezialdruckerei auf die Herstellung von Losen konzentriert.

Die Kleinstdruckerei ist auf zwei Etagen in einem Gebäude im Industriegebiet Bolacker in Obergerlafingen angesiedelt. Dort werden die von den Kunden angelieferten «Rohstoffe» wie Bilder, Inserate und Texte verarbeitet. «Wir gestalten die Lose in Eigenregie», erläutert Weiss. Die Druckmaschine erinnert an eine überdimensionierte Kopieranlage. Auf dieser werden die Vorlagen der Lose auf Papierbogen im Format A3 gedruckt. Auf einer kleinen «Montagelinie» werden die Lose zugeschnitten und gefalzt. Die Ösenlose erhalten automatisch eben eine Metallöse verpasst, die Brieflose werden an beiden Enden verschlossen. Die Produkte werden nach Kundenwunsch konfektioniert. Das beinhaltet beispielsweise das Aufziehen der Ösenlose auf eine Schnur. Im Normalfall umfasst ein Bund 100 Lose inklusive zehn Trefferlose, die beigemischt werden.

Um dem Jungunternehmen in einem bestehenden Markt, der nicht wächst, auf die Sprünge zu helfen, braucht es etwas neues, eine Innovation. «Und diese haben wir gefunden», zeigen sich Dubach und Weiss optimistisch. «Normalerweise werden die farbigen Lose in Schwarz bedruckt, weil der Farbdruck zu teuer ist», umschreiben sie die Ausgangslage. «Wir haben in ein Digitaldrucksystem investiert, mit dem wir Lose in Farbe drucken können.» Der Farbdruck sei vor allem für die Inserenten attraktiv. Anstelle des langweiligen Schwarz werden die Firmenlogos in der spezifischen Firmen-Hausfarbe aufgedruckt. «Das ist ein Mehrwert für die Sponsoren.»

Dank rationeller Arbeitsgänge und kürzesten Umrüstzeiten habe die Losdruckerei die Produktionskosten deutlich senken können. Diese bewegten sich, abhängig von der Menge, im Rappenbereich pro Stück. «Damit werden wir nicht reich, aber es genügt, um den Betrieb mit einem Umsatz von gegen 200'000 Franken profitabel führen zu können.» Der Losdruck ist zwar ein Mengengeschäft, aber die Obergerlafinger erledigen auch Kleinstaufträge. Die Spannweite reicht von einigen hundert bis zu 100'000 Stück. Jährlich fertigt die Druckerei deutlich über eine Million Lose.

Selbst in diesem Nischenprodukt spielt der Preiskampf, wie Walter Dubach erzählt. Es gebe nebst vielen treuen Kunden beispielsweise vermehrt Vereine, die ihre Lose aus Preisgründen in Deutschland bestellen. «Unser Ziel ist es, die Vereine und Veranstalter dazu zu bewegen, die Lose wieder in der Schweiz einzukaufen.» Zu den Dienstleistungen gehöre auch die «juristische Beratung». Die rechtlichen Bestimmungen – basierend auf dem Lotteriegesetz – seien nämlich je nach Kanton unterschiedlich geregelt. Wichtig zu wissen sei etwa, dass bei Tombolas die Trefferlose ausschliesslich Sachwerte und kein Geld als Gewinn enthalten dürfen. Oder es komme immer wieder vor, dass Vereine vergessen, vorgängig eine Bewilligung einzuholen.

Die 3f Loszentrum AG ist mit einigem Erfolg unterwegs, wie Hans Weiss vermeldet. Man habe sich nach einem Jahr auf dem Markt etabliert. «Wir sind heute umsatzmässig etwa die Nummer 6 auf dem Schweizer Markt.» Die Druckerei ist landesweit für Vereine, Verbände, Gemeinden und Veranstaltungsagenturen tätig, die Lotterie-Lose, Gutscheinblöckli, Tickets oder Eintrittsbänder benötigen. Die Referenzliste ist lang: Sie reicht vom Wasserämter Musiktag, zahllosen Dorffesten und Gewerbeausstellungen, über das Musikfest in Brig, die Schweizer Meisterschaften im Langlauf in Kandersteg, das kommende Eidg. Hornusserfest in Limpach bis hin zu Eintrittstickets für Rolf-Knie-Ausstellungen oder Eishockeyspiele.

Die Firmengründer sind zuversichtlich, auch künftig weiter wachsen zu können. Allerdings werde der Markt für den Losdruck nicht grösser, tendenziell eher kleiner. Deshalb sei Wachstum fast nur durch Zukäufe möglich. Hans Weiss blickt nach vorne: «Wir stellen erste Überlegungen in diese Richtung an.»

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