Zuchwil

Das sind die guten Seelen von der Tankstelle

Bei Wind und Wetter sitzen Heidi Urben und ihre Kolleginnen am Kassenfenster und bedienen Kunden.

Bei Wind und Wetter sitzen Heidi Urben und ihre Kolleginnen am Kassenfenster und bedienen Kunden.

Heidi Urben und ihre Kolleginnen arbeiten als Kassiererinnen bei der Firma Pneu Bögli AG in Zuchwil.

Manchmal spürt man, dass etwas fehlt, aber man kann nicht genau sagen, was es ist. Im Fall der Tankstelle von Pneu Bögli AG kam dieses seltsame Gefühl an einem Sonntag. Dann ist die Kasse der Tankstelle nicht besetzt. Dieses Fenster an der Glas-Metall-Fassade, hinter dem die Kassenfrauen ihren Dienst bei Sonnenschein, Wind und Wetter absolvieren, war zu. Und wie andernorts auch, bezahlt man halt das Benzin – mit Bedauern – mit Kreditkarte.

«Merci vöu mou. Schöne Tag, merci.» Heute sitzt Heidi Urben aus Etziken an der Kasse und bedient die Kunden. «Die chöme emmer, wenn si i dr Umgäbig send. Z’Züri ischs wahrschinlech türer.» Das Fahrzeug des Lieferwagens hat eine Zürcher Nummer. Im Haus und rundherum ist der Teufel los. Vor der Wintersaison werden Reifen en masse gewechselt. Kunden warten, Mitarbeiter arbeiten in der Garage an den aufgebockten Fahrzeugen und im Büro hinter den Computern.

«Manchmal sagen sie die falsche Nummer»

Der erste Kontakt zur Pneu Bögli AG hat sich aber oft an der Tankstelle ergeben. Sie ist günstig und sie ist bedient. Zumindest muss man nicht mit dem Automaten kommunizieren, sondern kann sechs Tage in der Woche sicher sein, dass das Kassenfenster offen ist und dahinter Urben, ihre Kollegin Danuta Milosz und zur Aushilfe Ursula Kessler einkassieren.

«98 bitte. – So, prima. Merci vöu mou. Schöne Tag, merci.» Der nächste Kunde hat gezahlt. Die Frequenz ist hoch. Meist weiss Urben, an welcher Zapfsäule die Kunden getankt haben. Das ist wichtig, denn: «Manchmal sagen sie die falsche Nummer.» Viele Leute kennt sie beim Namen. Seit 14 Jahren arbeitet sie an der Kasse, wo unter dem Tresen ein Ofen für Wärme sorgt. «Je nach Wind chutet es manchmal schon hinein, aber ich bin da nicht so heikel.» Dennoch wird das Fenster schnell runtergezogen, wenn gerade eine kurze Pause ist. Dann hilft Urben an der Garagenkasse, räumt die Kaffeestation auf oder bietet Kunden einen Kaffee an. Hier ist auf engstem Raum eine Schnittstelle des Betriebes. An der Kasse selber verkaufe sie auch noch Regenwischerwasser oder Autobahn-Vignetten, merkt sie an.

«Es gibt viele Leute, die nicht anstehen wollen»

«Andere Tankstellen haben auch eine Kasse, aber sie haben noch zusätzlich einen Shop», sagt Geschäftsführer Louis Bögli. Man halte daran fest, weil es für die Kunden schneller ist und persönlicher. «Es gibt viele Leute, die nicht anstehen wollen.» Der Aufwand ist nicht unbeträchtlich, aber er lohnt. «Zuerst kommen sie tanken, dann haben sie vielleicht ein Problem und die Kasse kann rasch jemanden aus der Garage rufen. Am Ende wechseln sie die Pneus bei uns.» Da ist die Schwellenangst rasch überbrückt. Für die Garagen sei das Geschäft nicht einfacher geworden. «Früher war ein Service nach 5000 und nach 10000 Fahrkilometern fällig. Heute hat es Fahrzeuge, die mit 30000 Kilometern erstmals zum Service müssen. So kann man fast keinen Kontakt zum Kunden aufbauen.»

«64.15, bitte. Merci vöu mou. Schöne Tag, merci. Ade.» Urben liebt ihre Arbeit. «Der Kontakt mit den Kunden gefällt mir.» Und umgekehrt ist sie sicher, dass auch die Kunden den persönlichen Kontakt schätzen. Dabei hilft sie vielen unbedarften Kunden beim Zahlungsvorgang, erklärt das kontaktlose Bezahlen, zeichnet auch mal einen Pfeil auf die Karte, damit die Kunden immer wissen, wie sie die Karte einschieben können. Alles geht zwanglos vonstatten. Die Arbeit ist unspektakulär. Dennoch: «Langweilig wird mir sicher nicht.» Passieren könne nicht viel unter dem schützenden Dach der Tankstelle, sagt sie. Aber wie an anderen Tankstellen auch komme es schon mal vor, dass ein Tankender mit dem Zapfhahn davonfährt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1