Reorganisation

Das «Schönwetter-System» auf Derendingens Verwaltung stösst an seine Grenzen

Gemeindepräsident Kuno Tschumi ist Verwaltungsleiter und politischer Leiter der Gemeinde. Harzt es im System, kann die sich häufende Arbeit zu viel werden.

Gemeindepräsident Kuno Tschumi ist Verwaltungsleiter und politischer Leiter der Gemeinde. Harzt es im System, kann die sich häufende Arbeit zu viel werden.

Derendingens Gemeinderat beschliesst eine Behörden-und Verwaltungsreorganisation. Ziel ist es, die Verwaltungsarbeit von der politischen Arbeit, die sich im Gemeindepräsidium kumuliert, zu trennen. Am Mittwoch wurde das Verwaltungspersonal informiert.

Gestern informierte Gemeindepräsident Kuno Tschumi seine Verwaltung über einen tiefgreifenden Schritt für die Gemeinde. Verwaltung und Behörde sollen überprüft und reorganisiert werden. Der Gemeinderat hat dies an seiner letzten Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit gutgeheissen. Angestrebt werden soll eine Trennung der administrativen und politischen Arbeit des Gemeindepräsidenten. Dies soll mit einem neuen Verwaltungssystem mit einer Verwaltungsleitung sowie der Einführung eines Ressortsystems für einen verkleinerten Gemeinderat erreicht werden.

Unzufriedenheit im Gemeinderat über eine «stockende» Verwaltung und eine Arbeitsüberlastung beim Gemeindepräsidenten haben dazu geführt, das System zu überdenken. «Die Gemeinde hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt», erklärt Tschumi. Er habe die Meinung vertreten, die vielen Projekte, Regulierungen und Aufgaben, die die Verwaltung zusätzlich zu leisten hat, seien mit dem heutigen Personalbestand nicht zu bewältigen. Eine Arbeitsgruppe mit externer Beratung analysierte die Situation und kam ebenfalls zu diesem Schluss.

Überraschendes Ergebnis

Daraufhin wurde die Arbeitsgruppe mit Verwaltungsvertretern erweitert und eine andere externe Firma beigezogen. «Wir haben an zwei Samstagen alles ausgelotet und gemerkt, dass die Probleme nicht nur bei zu wenig Ressourcen der Verwaltung liegen, sondern dass auch ich ein Teil des Problems bin.» Die Aufgabenhäufung beim Gemeindepräsidium mit der Verwaltungsleitung und der politischen Führung der Gemeinde sei ein «Schönwettermodell». «Ich bin auf eine reibungslose Verwaltung angewiesen. Aber wenn in einem Teil der Verwaltung Probleme auftreten, laufe ich in eine permanente Überforderung hinein. Es kann einfach zu viel werden.» Schwierigkeiten zu bewältigen gab es beispielsweise im Sozialdienst, wo der Arbeitsanfall zu Kündigungen und Ausfällen, auch in der Leitung, geführt habe. «Ich musste im Nachhinein erkennen, dass ich enorm viel Zeit dafür brauchte, um das wieder aufzugleisen.» Damit er sich um seine Verwaltung kümmern konnte und es nicht zu weiteren Ausfällen kam, habe er unter anderem «blitzartig» das Präsidium des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden abgegeben.

Sparringpartner

Nun sei es an einer Arbeitsgruppe, diese erste Vision, die vom Gemeinderat gutgeheissen wurde, zu vertiefen. Angestrebt wird eine Trennung zwischen Verwaltung und Politik. Der Gemeindepräsident setzt sich politisch für die Gemeinde ein. Sein «Sparringpartner», so Tschumi, soll künftig die neue Verwaltungsleiterin oder der neue Verwaltungsleiter sein. Eine weitere Entlastung soll mit der Einführung eines Ressortsystems im Gemeinderat erfolgen. In einem verkleinerten Gemeinderat führen die Gewählten ein Ressort in einem kleinen Pensum und sind dadurch im ständigen Kontakt mit ihren Antipoden in der Verwaltung.

Also beispielsweise der Leiter des Ressort Bildung mit dem Schulleiter oder der Leiter des Ressorts Bau mit dem Leiter der Abteilung Bau in der Verwaltung. Der Gemeindepräsident soll in einem Pensum von 80 bis 100 Stellenprozenten die Gemeinde politisch führen und nach aussen vertreten. Geschaffen werden könnte eine neue Abteilung Zentrale Dienst mit der Verwaltungsleitung an der Spitze. In der Verwaltung rechnet Tschumi mit einem Bedarf von zusätzlichen 100 bis 150 Stellenprozenten inklusive der neuen Verwaltungsleitung.
«Diese Entflechtung liegt mir am Herzen», erklärt Tschumi. «Ich dachte nicht, dass ich mich für einen Systemwechsel begeistern könnte.»

Er sei nun aber durch die Arbeit in der Arbeitsgruppe davon überzeugt worden. Profitieren werde aber voraussichtlich nicht er, sondern eine andere Person. Denn der Abschied Tschumis als Gemeindepräsident ist auf Ende Legislatur angekündigt. Der Systemwechsel soll mit der neuen Legislatur 2021-2025 erfolgen. Bereits Ende Jahr möchte Tschumi eine Vorlage in die Gemeindeversammlung bringen.

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