«Ich bin nicht einer, der so schnell in lauten Jubel ausbricht.» Fritz Lehmann (SVP) wurde gestern Sonntag in Bellach als neuer Gemeindepräsident gewählt. Damit hat er eine lange FDP-Tradition beendet. Die Freisinnigen hatten das Gemeindepräsidium in Bellach nämlich «seit dem Rütlischwur» inne, wie FDP-Parteipräsident und Ex-Gemeindepräsident Anton Probst ab und zu scherzhaft sagte.

Lehmann war bisher Vizegemeindepräsident und hat nach dem plötzlichen Tod von Roland Stadler im letzten März die Geschäfte der Gemeinde übernommen. Lehmann setzte sich im zweiten Wahlgang gegen seinen Ratskollegen Beat Späti (FDP) und den parteilosen Stefan Keller durch. Gefeiert hat Lehmann im Partyraum des Bauernhofes, den heute sein Sohn bewirtschaftet. Die Kürbissuppe verteilte er eigenhändig und nahm zwischendurch Gratulationen entgegen. Ganz kurz war seine Rede, mit der er sich vor allem bei all denen bedankte, die ihn unterstützt haben. Dann setzte er sich wieder hin und freute sich an der Musik, die sein Fraktionskollege Jan Siegenthaler gemeinsam mit seiner Partnerin Maria für ihn machte.

SVP im Alleingang

Fritz Lehmann ist kein typischer SVP-Politiker. Es gab immer wieder Momente, in denen er – egal ob im Kantonsrat oder im Gemeinderat – anders stimmte, als seine Fraktion. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Vertreterinnen und Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen vorbeikamen und gratulierten. Trotzdem stand die SVP im Kampf um das Gemeindepräsidium alleine da. CVP und SP hatten Stimmfreigabe beschlossen, die Grünen setzten sich für Beat Späti ein. So liess sich Lehmann dann doch noch ein emotionales Votum entlocken: «Das Ergebnis ist gewaltig und es freut mich sehr.» Tatsächlich hat er im Vergleich mit dem 1. Wahlgang nochmals zugelegt. Sowohl was die Anzahl Stimmen angeht als auch prozentual gesehen. Und verglichen mit dem Wähleranteil, den die SVP bei den Gemeinderatswahlen in Bellach normalerweise erreicht, hat Lehmann offensichtlich auch bei Nicht-SVP-Wählern gepunktet.

Wahlfeier Bellach

Wahlfeier Bellach

Am Sonntag wurde Fritz Lehmann zum neuen Bellacher Gemeindepräsidenten gewählt. Dies wurde anschliessend gebührend gefeiert.

Späti bleibt Gemeinderat

Beat Späti zeigte sich in einer ersten Stellungnahme sachlich. «Das Resultat ist deutlich und das ist mir lieber, als wenn nur wenige Stimmen entschieden hätten.» Er sei gewählt als Gemeinderat und habe da weiterhin eine Aufgabe, die er erfüllen werde. Im Vergleich zum 1. Wahlgang habe er noch aufgeholt, aber es sei halt auch schwierig, «wenn da noch ein drittes Schaf auf der Weide grase». Die Stimmen, die an Stefan Keller gingen, schmerzen die FDP. Das gibt auch Parteipräsident Anton Probst unumwunden zu. «Wir hatten einen guten Kandidaten und wir haben alles versucht.» Das Volk habe entschieden und müsse jetzt damit leben. Probst, der dafür bekannt ist, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, befürchtet, dass in Bellach in den nächsten drei Jahren «nicht viel passieren wird». Späti habe in den letzten acht Jahren sicherlich aktiver politisiert als Lehmann.

Der parteilose Stefan Keller trug sein Resultat mit Fassung. «Ich habe prozentual gesehen, aber auch in der tatsächlichen Anzahl, gegenüber dem 1. Wahlgang an Stimmen verloren. Er sei offen dafür, sich in Bellach zu engagieren, wenn eine irgendwo eine Vakanz entstehe, konzentriere sich jetzt aber wieder auf anderes.

SP und CVP gratulieren

«Viele, die Fritz Lehmann gewählt haben, haben damit seine Arbeit der letzten Monaten honoriert», meinte SP-Co-Präsidentin Heli Schaffter. Andre Schneeberger (Präsident CVP) zeigte sich überrascht von der Deutlichkeit des Resultates. «Ich hätte es enger erwartet.» Felix Glatz-Böni (Grüne) bedauerte es, dass mit der Wahl des 62-jährigen Lehmann (noch) kein Generationenwechsel stattgefunden hat. Viele hätten wohl auf Kontinuität gesetzt und deshalb Lehmann gewählt. «Wir haben Beat Späti unterstützt, sind aber sicher, dass wir auch mit Fritz Lehmann gut zusammenarbeiten können.»