Oberdorf
Das Pflegeheim «Bellevue» wird seit 20 Jahren von einer Stiftung getragen

Das «Bellevue» ist eines der kleineren Alters- und Pflegeheime im Kanton. Damit wirbt die Institution denn auch: «Klein, aber fein».

Rahel Meier
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Das Alters- und Pflegeheim Bellevue wird seit 20 Jahren durch eine Stiftung getragen.

Das Alters- und Pflegeheim Bellevue wird seit 20 Jahren durch eine Stiftung getragen.

zvg

«Klein, aber fein». Das «Bellevue» in Oberdorf wirbt bewusst mit diesem Slogan. Tatsächlich ist es mit seinen 28 Zimmern eines der kleineren Altersheime im Kanton Solothurn. «Die Wege sind kurz bei uns. Die Bewohner und die Mitarbeitenden sind sich nahe und so können persönliche Beziehungen aufgebaut werden», meint Heimleiterin Brigitte Baschung. Sie hat das Haus vor zwei Jahren übernommen. «Vorher war eine klassische Heimleitung angestellt, die aus dem Pflegebereich kam», erklärt Karl Sutter (Stiftungsratspräsident, Hubersdorf). Mit Brigitte Baschung wurde eine Führungskraft aus dem Public Health Bereich angestellt. «Das haben wir bewusst so entschieden», meint Sutter. «Ich arbeite hier als Generalistin. Ich muss sowohl in der Pflege und Betreuung Bescheid wissen, als auch in der Gastronomie oder im Hauswartbereich.» Die Aufgabe sei darum sehr vielfältig und spannend.

Immer noch Engagement der Bürgergemeinden

Seit 20 Jahren wird das Alters- und Pflegeheim Bellevue in Oberdorf von einer Stiftung getragen. Der Stiftung gehören 14 Bürgergemeinden aus dem Leberberg an. Die Stiftung löste den vorherigen Zweckverband ab. Die Stiftung hat das Haus seither konsequent saniert und umgestaltet. Im Jahr 2000 wurde das Hauptgebäude umgebaut. 2005 kam die Pergola dazu, 2006 der Anbau Ost und etwas später wurde der Pavillon erstellt. 2010 investierte die Stiftung in eine neue Heizzentrale mit einer Wärmepumpe. 2012 wurde die Küche komplett renoviert, 2015 ein zweiter Lift im Nordteil des Gebäudes gebaut und 2017 wurde das Haus innen saniert und das Mobiliar ersetzt.

«Die Infrastruktur des Heimes ist in einem guten Zustand», meint Brigitte Baschung. Das sei vor allem den Leuten zu verdanken, die sich seit vielen Jahren engagieren. «Karl Sutter als Stiftungsratspräsident und Peter Probst als Präsident der Betriebskommission haben viel Zeit investiert.»

Vom Kurhaus zum heim für Knechte und Mägde

Historischer Rückblick Das «Bellevue» hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1881 wurde es anstelle eines alten Bauernhauses erbaut und als Kurhaus mit 18 Schlafzimmern und Badeeinrichtung eröffnet. Angeboten wurden Molken-, Kuh- und Ziegenmilchkuren sowie kalte und warme Bäder. In einem alten Werbebrief heisst es dass «die Zimmer comfortabel eingerichtet sind und das Haus von prächtigen Tannen- und Fichtenwaldungen umgeben ist». Weiter wird «das milde Klima, die reine und gesunde Luft, die vollständig staubfreie und geschützte Lage mit der herrlichen Aussicht auf das liebliche Solothurnerthal» angepriesen.
Der Aufenthalt kostete pro Tag 3 Frs. 50 Cts. Auch der Menüplan ist überliefert: Serviert wurde als Frühstück Café complet. Mittags: Suppe, 3 Fleisch mit Gemüse und süsse Platte. Nachmittags: Café simple. Abends: Suppe, Fleisch mit Gemüse, Compote.

Von 1918 bis 1926 wurde das «Bellevue» vorübergehend als Arbeitslehrerinnenseminar und Kinderheim genützt, weil der Kurhausbetrieb nicht rentierte. 1929 brannte das Haus nieder. Es wurde wieder aufgebaut und bis 1950 als Gastbetrieb genützt.

Im Jahr 1950 kauften die leberbergischen Bürgergemeinden das «Bellevue» und nutzen es ab 1953 als Altersheim. Im Heim wurden vorwiegend ehemalige Knechte und Mägde untergebracht, die nicht mehr arbeiten konnten und kein anderes Zuhause hatten. Das Altersheim versorgte sich damals noch selbst. Es gab einen grossen Garten und einen Stall mit Schweinen und Schafen. Die Heimleitung funktionierte gleichzeitig auch noch als Abwart, Landwirt und Koch.

Auch im «Bellevue» seien Betrieb und Abläufe fortwährend modernisiert und auf einen zeitgemässen Stand gebracht worden. Beispiele dafür sind etwa die elektronische Pflegedokumentation oder der Nachtdienst, der immer aus zwei Personen besteht. «Wir sind auch ein Ausbildungsbetrieb, und zwar sowohl in der Pflege als auch in der Küche.» Im Team gebe es nur wenige Wechsel, was zeige, dass das Heim ein attraktiver Arbeitgeber sei.
«Wir haben heute noch drei Doppelzimmer, die vor allem von Ehepaaren bewohnt werden», so Baschung. Das «Bellevue» habe sich zudem darauf spezialisiert, Senioren für Kurzaufenthalte aufzunehmen. Die Aufenthaltsdauer beträgt mindestens drei Wochen und geht bis zu drei Monaten. In dieser Zeit können sich die Senioren neu orientieren. «Einige bleiben nachher im Altersheim, andere gehen wieder nach Hause.» Die Zeit im Bellevue werde genutzt, um bei Bedarf den eigenen Haushalt neu zu organisieren.

Die Auslastung sei gut, so Baschung. Viele Bewohner im «Bellevue» sind noch selbstständig und schätzen es, in der Umgebung spazierenzugehen. «Unsere Lage macht das Haus so einzigartig.» An schönen Tagen sehe man von der Terrasse des «Bellevue» bis zu den drei Seen im Westen und zum Pilatus im Osten.

Das Heim will weiterhin eigenständig bleiben

«Wir wollen nicht fusionieren, sondern weiterhin eigenständig bleiben», betonen Baschung und Sutter. In der nächsten Legislatur von 2021 bis 2025 soll das Haus moderat ausgebaut werden. Heute ist das Stöckli, das zum Ensemble gehört, fremdvermietet. «Dort würden wir gerne sechs Zimmer und zusätzliche Aktivierungsräume einbauen.» Ein Thema sind auch die Personalräume, die heute knapp und ziemlich eng sind. «Wir versuchen zudem, in die Zukunft zu denken. Die neue Generation Senioren hat andere Bedürfnisse, als die heute über 80-Jährigen.» Ein Beispiel sei die Einrichtung eines WLAN, das heute bereits im ganzen Haus genutzt werden kann. Ein anderes Thema sei der künftige Ausbaustandard der Zimmer. Gefragt sei heute zudem auch ein Raum für die Bewegungstherapie.

Stolz ist Baschung zudem, dass im «Bellevue» bisher nie die zulässigen Höchsttaxen verrechnet wurden. «Aber auch wir werden die Taxen anheben müssen.» Und Freude hat die Heimleiterin, dass es seit Kurzem eine Art Zusammenarbeit mit der Schule gibt. «Wir versuchen, Kinder und Senioren vermehrt zusammenzubringen.» So wurde gemeinsam für einen Lichterweg gebastelt, der am gestrigen Martinstag für die ganze Bevölkerung aufgebaut wurde und grossen Anklang fand.