In der Küche wird gerade das Abendessen zubereitet. Dabei wird auf ausgewogene, vollwertige Kost geachtet. Im kleinsten staatlich anerkannten Wohnheim im Kanton Solothurn, der «alten Schmitte Lohn», ist das nach Prinzipien der Nachhaltigkeit gestaltete Ernährungskonzept nur ein Teil aus einem Gesamtkonzept, nach welchem die insgesamt neun Bewohnerinnen und Bewohner das ganze Jahr während 365 Tagen betreut werden. Zusätzlich betreut werden in der «alten Schmitte» noch drei Menschen mit Behinderungen in der Tagesstruktur ohne Wohnangebot.

Die Heimleiterin, Karin Kifoula erklärt, dass im Heim nach einer humanistischen Grundhaltung der Alltag gestaltet werde. «Die persönliche Betreuung der uns anvertrauten Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung und deren Bedürfnisse stehen im Vordergrund», führt Kifoula aus. Sie liefern das Augenmass für die Gestaltung des Alltags.

Fördern und fordern

Deshalb achtet das Betreuungsteam darauf, was die Bewohnerinnen und Bewohner gerne machen und gut können bei der Planung von Aktivitäten. Grosses Gewicht erhält aber auch die lebenspraktische Förderung. Es wird darauf geachtet, was jemand noch dazu lernen kann. Diese Fähigkeiten werden entsprechend gefördert und auch eingefordert. Einerseits stehen Angebote in den Kreativateliers wie bildnerisches Gestalten, Weben, Ausdrucksmalen, Töpfern und Musizieren zur Verfügung. Andererseits erhalten sportliche Aktivitäten und Bewegung generell in der Wochenstruktur einen hohen Stellenwert. Kifoula hält fest, dass die Bewegung aus ihrer Sicht tendenziell immer sehr wichtig gewesen sei und unterstreicht ihre Aussage mit den Worten, «körperlich bewegt ist immer auch noch geistig bewegt». Ihr Bewegungsangebot sei eher überdurchschnittlich im Vergleich mit ähnlichen Institutionen.

Wöchentlich steht ein kleines Trekking mit Lamas ebenso wie Hippotherapie, Tanzen, Fahrrad fahren oder Fitness und Rhythmik auf dem Programm. Verantwortlich für einen möglichst reibungslosen Tagesverlauf ist immer eine andere Person, die sogenannte «TGV», womit nichts Anderes als eine tagesverantwortliche Person aus dem Team gemeint ist. Dem Team kommt so eine hohe Eigenverantwortung zu. Für die Bewohnerinnen und Bewohner wiederholt sich das Angebot im Rhythmus von zwei Wochen, weil sie jeweils in zwei Gruppen unterteilt sind.

Wie eine Familie

Die «alte Schmitte» kann für Menschen mit Behinderungen ein Ort für das ganze Leben sein. Nach der Beendigung der Schulzeit ist ein Eintritt möglich und die Aufenthaltsdauer unbefristet. Manchmal müssen aber auch weitere Lösungen gesucht werden. «Wenn es nicht mehr passt, sind wir um gute Anschlusslösungen besorgt», führt Kifoula aus. Beispielsweise dann, wenn jemand im Alter noch eine starke Demenz entwickelt. Wenn die Betreuung medizinisch zu intensiv werde, könne dies das Konzept und die Möglichkeiten sprengen. Dem gegenüber hält sie fest, dass zwei Bewohnerinnen seit der Eröffnung im August 1990 zur Familie gehören.

Bestens integriert

Das Wohnheim «Alte Schmitte» verdankt seine Existenz Karin Kifoula und ihrer Mutter Marita Schuler, welche das Heim in Form einer Genossenschaft gründeten. Das Jubiläum bezieht sich denn auch auf das Gründungsjahr 1987 der Genossenschaft, nicht auf die Aufnahme des Alltagsbetriebes als Heim. Vor der Inbetriebnahme war ein Umbau und Sanierung des damals baufälligen Hauses angesagt. Bis heute wird das Heim in genossenschaftlicher Form geführt und ist nach 30 Jahren aus dem Dorfkern von Lohn nicht mehr wegzudenken. «Unsere Bewohnerinnen und Bewohner gehen im Dorf einkaufen, nehmen so weit als möglich am Dorfleben teil und man kennt sie,» führt Kifoula aus. «Wir fühlen uns als Teil des Dorfes und pflegen viele persönliche Beziehungen», so Kifoula weiter. Sinnbildlich steht das Hause denn auch nicht irgendwo abseits am Waldrand, sondern mitten im Kern von Lohn.

Qualität als Standard

Stete Veränderungen im sozialpolitischen Umfeld gingen auch nicht an der «alten Schmitte» vorbei. So wird neben klaren Konzepten für den Alltag auch mit einem Qualitätsmanagement mit externer Kontrollstelle gearbeitet. In einem teilweise angespannten Klima der Sparpolitik bleibt nicht ohne Bedeutung, dass die hoch differenzierten und somit für die hohe Qualität mitverantwortlichen so genannten externen Angebote mehrheitlich aus Spendengeldern finanziert werden.

Durch die Heimtaxen ist das Grundangebot wie Kost und Wohnbereich und die Aufrechterhaltung der Ateliersbetriebe abgedeckt, nicht aber die zusätzlichen Angebote. Dies gilt beispielsweise für den ganzen Sportbereich. Auch das jährliche Ferienlager wird durch Spendengelder abgedeckt. Die Heimleiterin ist aber zuversichtlich, mit ihrem professionellen Team in enger Zusammenarbeit das Gesamtangebot der «alten Schmitte» im aktuellen Umfang weiterhin für die Bewohnerinnen und Bewohner weiterführen zu können.