Rüttenen

Das Kirchenzentrum soll wieder allen dienen

Josef Zimmermann in der sogenannten Gasse.

Josef Zimmermann in der sogenannten Gasse.

Am 26. August 1979 weihte der damalige Bischof Otto Wüst das Kirchenzentrum in Rüttenen ein unter dem Leitsatz «Kein triumphaler Kirchenbau; kirchliches Zentrum – Dienst am Menschen».

Bis zu diesem Moment der Einweihung ging dem Zentrum eine bewegte Geschichte voraus. Das Projekt wurde im Raum Bistum Basel für einen Wettbewerb ausgeschrieben und im Frühjahr 1975 lagen der Jury 92 Projekte vor. Josef Zimmermann war Mitglied der Jury und erinnert sich an die damalige Vision zur Schaffung einer architektonischen Anlage, die sakralen und profanen Bedürfnissen gerecht werden sollte. «Mit der Realisation des Zentrums sollte auch ein Dorfzentrum geschaffen werden», so Zimmermann.

Drei Werte seien damals im Vordergrund gestanden; das Zentrum soll sakralen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen dienen. An der Planung und Realisation waren neben der Kirchgemeinde Sankt Niklaus auch die Einwohner- und Bürgergemeinde Rüttenen beteiligt.

Mut war gefragt

Für die Vision zu einem Zentrum, das auch anderen Konfessionen und nichtkirchlichen Zwecken dienen sollte, war Mut und Aufgeschlossenheit gefragt. Mit dem damaligen Präsidenten der Kirchgemeinde, Niklaus von Flüh, dem Ammann der Einwohnergemeinde, Willy Botta, und dem Bürgergemeindepräsidenten, Max Baschung, sowie Pfarrer Paul Schwaller fanden sich aufgeschlossene und vorausdenkende Persönlichkeiten, die eine Umsetzung dieser Vision ermöglichten.

Der ideelle Grundstein für das Gemeinschaftswerk zwischen Kirch-, Einwohner- und Bürgergemeinde war gelegt. In der Folge realisierte die Kirchgemeinde den Bau des Kirchenraumes und die Bürger- und Einwohnergemeinden bauten 13 Alterswohnungen. Gleichzeitig nutzte die Einwohnergemeinde die Gelegenheit, um unter dem kirchlichen Hauptbau die geforderte Zivilschutzanlage zu realisieren.

Die ursprüngliche Initiative zur Realisation des Zentrums geht weiter in der Geschichte zurück. Ein im Jahr 1949 gegründeter Kultusverein setzte sich das Ziel, Gelder zu sammeln zur Schaffung einer Gottesdienstgelegenheit und zur eventuellen Erstellung einer römisch-katholischen Kirche in Rüttenen. Drei Jahre später konnte im alten Schulhaus vorerst ein Kultusraum für den Sonntagsgottesdienst eingerichtet werden. Wer jedoch denkt, dass Rüttenen vorher nie eine Gottesdienstgelegenheit hatte, irrt. Die 1609 erbaute Kapelle im Galmis, in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem Speicher umfunktioniert, diente zuvor als Ort für Gottesdienste.

Gasse als Symbol

Symbolisch für das Dorfzentrum und die Verbindung zum Dorf steht die sogenannte Gasse. Diese Nord-Süd-Verbindung geht mitten durch das Zentrum und verbindet es mit einem angrenzenden Quartier. Der Einbezug der Gasse sei bei der Wahl des Projektes mitentscheidend gewesen, wollte man doch dem Zentrum einen festen Platz in dieser klar markierten Nord-Südachse zuweisen, fügt Zimmermann an.

Josef Zimmermann, ehemals selbst Präsident des Kultusvereins, setzt sich heute für eine Wiederbelebung der ursprünglichen Idee eines Dorfzentrums ein. Denn die Idee zur multifunktionalen Nutzung auch für kulturelle und sozial-gesellschaftliche Anlässe in der Gemeinde verlor sich allmählich in den letzten Jahren.

Am 9. Juni findet ein Festgottesdienst im Kirchenzentrum statt. Durchgeführt wird der Festanlass von der Kirch-, Einwohner- und Bürgergemeinde. Die heutigen Amtsträger mit Kirchgemeindepräsidentin Krista Rüst, Gilbert Studer, Gemeindepräsident, und Paul Dietschy, Präsident der Bürgergemeinde, unterstützen den Festanlass und die ideelle Wiederbelebung des Kirchenzentrums als Dorfzentrum, wie einst von den Begründern angedacht.

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