1517, vor 500 Jahren, begann die Reformation in Deutschland durch Martin Luther. Mit seinen 95 Ablassthesen stellte er die Beichtpraxis in der katholischen Kirche infrage. Später griff er mit gedruckten Schriften das Papsttum und die bisherige Tradition an. Die Reformation in der Schweiz verzögerte sich aber um fast 20 Jahre. Im Jahr 1519 begann der Pfarrer Ulrich Zwingli seine Tätigkeit am Grossmünster in Zürich mit einer neuen Auslegung des Matthäus-Evangeliums. In Bern und Basel erfolgte die Reformation erst in den Jahren 1528 und 1529, und am Schluss in Genf um 1536 durch Calvin.

Die beiden Kantone Bern und Basel versuchten Solothurn als Nachbarn zur Reformation zu bewegen. Die Reformation führte in Solothurn zur Glaubensspaltung. In dieser Zwickmühle erlaubte 1528 Solothurn die Glaubensfreiheit. 1529 wurden die Gemeinden miteinbezogen und eine Umfrage zum Glauben gemacht. Das Resultat ergab, dass die Stadt Solothurn beim katholischen Glauben bleiben wollte, während die Landschaft eher für die Reformation sympathisierte.

Bucheggberg wird reformiert

1532 gewannen jedoch die Katholiken in Solothurn die Oberhand. Der bekannte Aufstand der Reformierten in der Stadt Solothurn im Jahr 1533 verlief dank dem Eingreifen des Schultheissen Niklaus Wengi ohne Blutvergiessen. Solothurn blieb katholisch. Eine Ausnahme machte einzig der Bezirk Bucheggberg. Bern setzte dort aufgrund der verbliebenen Kirchenhoheit seine Sonderrechte mit dem Besitz der Kollatur (des Kirchensatzes) von Aetingen, Lüsslingen und Oberwil durch, sodass der Bezirk reformiert wurde.

Aber noch 1535 wollten katholische Solothurner die Pfarrhäuser im Bucheggberg stürmen. Erst 1539 respektive 1577 anerkannte Solothurn die Religionsfreiheit Berns im Bucheggberg. Solothurn verzichtete endgültig auf weitere Versuche, die Bevölkerung im Bucheggberg erneut dem katholischen Glauben zuzuführen.

Lohn blieb hingegen katholisch. Im Gegensatz zum Bucheggberg, wo die Bevölkerung eher die neue Lehre akzeptierte, gab es im Wasseramt und auch in Lohn einige Glaubens-Revoluzzer. Ein Zeichen dafür ist das Bildstöckli in Lohn. Es ist urkundlich erwiesen, dass schon etliche Jahre vor der Reformation, letztmals auf einem Plan aus dem Jahre 1539, ein Acker «Helgen Stöckli» genannt wurde. Somit hat schon vor dem letzten Bau eines Wegkreuzes im Jahr 1791 ein Bild-Stöckli am Dorfeingang gestanden, das – so wird angenommen – der Reformation zum Opfer fiel und niedergerissen wurde.

1791 wurde auf dem gleichen Acker ein Steinkreuz erstellt. Der Ursprung des Wegkreuzes soll ein grosses, ungeheuerliches Gewitter gewesen ein. Weil das Unwetter am Dorfeingang von Lohn Halt machte und das Dorf verschonte, wurde dieses Kreuz aus Dankbarkeit erstellt.

Bis der «Lychezug» vorbeikam

Lange war es Tradition, dass bei Beerdigungen das «Bätzytglöckli» der Kapelle Lohn läutete, bis der «Lychezug» mit dem Totenwagen am Stöckli vorbeikam. Dieser Brauch wurde bis in Jahr 1971 gepflegt. Bis 1994 wurde das Glöcklein der Kapelle Lohn auch als Totenglocke gebraucht. Wenn ein Todesfall zu beklagen war, ertönte es immer nach dem Morgengeläute um sechs Uhr. Je nach dem Intervall der Glockenschläge wusste dann die Dorfbevölkerung, ob eine Frau oder ein Mann verstorben war. Nur während der spanischen Grippe im Jahre 1918 vor rund 100 Jahren wurde es verboten, die Totenglocke zu läuten, um nicht noch mehr Angst und Schrecken im Dorf zu verbreiten.

Ursprünglich war in der Nische des Wegkreuzes hinter dem Gitter auf einer Kupfertafel ein in Öl gemaltes Bild von Maria mit Kind auf blauem Hintergrund zu sehen. Lange Zeit war die Nische verwittert, das Bild total verblasst und kaum mehr zu erkennen. 1995 erstellte der inzwischen verstorbene Lohner Bildhauer Hans Borer ein neues Relief am Wegkreuz. Es entstand ein Terrakotta-Relief der Muttergottes mit Kind. Dieses wurde im Jahr 1996 eingeweiht.