Langendorfs Schulen haben ein Kapazitätsproblem. Bereits heute fehlt der Schule ein Werkraum sowie eine Unterbringung für den Religionsunterricht. Ausserdem ist die Schulleitung zwischenzeitlich in Container umgezogen, damit die Logopädie und der zusätzliche Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder garantiert werden konnten, wie Schulleiter Thomas Suter erklärte. Ein Grund dafür ist, dass die Schülerzahlen seit 2010 um fast 30 Prozent gestiegen sind. Wenn die Entwicklung im gleichen Masse andauert, bedeute dies, dass ab 2020 eine Turnhalle, ein Informatik-Raum, ein Kindergarten, zwei Werkräume, ein Lehrerzimmer und ein Klassenzimmer für den Religionsunterricht fehlen.

Obwohl die Problematik unbestritten ist, gingen die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom letzten Jahr nicht auf das Geschäft Schulraumerweiterung ein, weshalb der Gemeinderat für die Bearbeitung des Projektes eine Spezialkommission einsetzte. Nun lud der Gemeinderat zu einem Infoanlass, um die Ergebnisse vorzustellen.

Fünf Varianten vorgestellt

Insgesamt fünf Varianten wurden von der Spezialkommission ausgearbeitet, wobei sich die erste Variante im Zuge einer qualitativen und wirtschaftlichen Beurteilung als beste Lösung präsentierte. Konkret bedeutet diese, dass westlich des heutigen Primarschulhauses D ein neues Schulgebäude M entstehen soll, welches eine flexible Nutzung sowohl für die Schule als auch für den Kindergarten ermöglicht. Die alte Turnhalle mitsamt den beiden Werkräumen im Untergeschoss soll rückgebaut und durch eine Doppelturnhalle am selben Standort ersetzt werden. Die beiden Werkräume werden dabei in das neue Gebäude M integriert werden.

Minimal 15,3 Mio. Franken

Die minimale Variante sieht die Sanierung der beiden Turnhallen E und F mit Kosten von 5,2 Mio. vor. Die Kostenschätzung für die Bereitstellung des minimal erforderlichen Schulraums beläuft sich auf 10,1 Mio. Franken. Diese beinhaltet einen Kindergarten, sieben Klassenräume – davon zwei als Reserve –, eine Einfach-Turnhalle und Umgebungsarbeiten. «Diese insgesamt 15,3 Mio. Franken sind die Minimalkosten, welche ohnehin auf die Gemeinde zukommen», sagte Gemeindeverwalter Kurt Kohl.

Die zukunftsorientierteste Lösung mit dem Abriss der alten Turnhalle sieht zusätzliche Investitionen von 2,05 Mio. Franken vor. Die Mehrinvestitionen warfen aufgrund der bereits hohen Kosten Fragen nach dem Nutzen auf. Reto Vescovi von der Kontextplan AG antwortete im Sinne der Nachhaltigkeit: «Mit der Mindestlösung wäre das Gebäude zwar saniert, aber nicht modernisiert.» Die Gesamtinvestition von 17,3 Mio. Franken würde die Erfolgsrechnung der Gemeinde in den kommenden 33 Jahren aufgrund von Abschreibungen und Verzinsungen um rund 742 600 Franken jährlich belasten.

Sollten sämtliche Kosten allein durch Steuererhöhungen gedeckt werden müssen, so wird Langendorf um eine Erhöhung des Steuersatzes nicht umhinkommen. Die Erhöhung infolge der Mindestkosten würde 5 Prozent betragen.

Für Finanzierung Steuern erhöhen

Wird ausserdem zugunsten der nachhaltigen Lösung entschieden, so kommt ein weiterer Prozentpunkt hinzu. Noch teurer wird es, wenn das Projekt innerhalb einer Generation – sprich nach 20 Jahren – abbezahlt werden soll. «Wollen wir unseren Nachfahren keine Zusatzkosten hinterlassen, dann müssten wir für eine frühere Refinanzierung nochmals 2,5 Prozent draufschlagen», erklärte Kohl. Somit würde der Steuersatz insgesamt von 115 auf rund 123 Prozent ansteigen. Ausserdem schramme die Gemeinde knapp an der Schuldenbremse vorbei.

Von der Bevölkerung wurde daher eine Kostenbeteiligung durch die Nachbarsgemeinden gefordert. Gemeindepräsident Hans-Peter Berger beschwichtigte: «Da die Räume auch von der Oberstufe genutzt werden, befasst sich die Finanzkommission mit einer Beteiligung durch Rüttenen und Oberdorf.» Ob die Einwohner Langendorfs hinter dem Projekt stehen, wird sich in einem ersten Schritt an der kommenden Gemeindeversammlung vom 5. Dezember zeigen. Dort wird der Gemeinderat vorschlagen, das Projekt Schulraumerweiterung auf Basis der Variante 1 weiterzuverfolgen, und einen Planungskredit von 530 000 Franken beantragen.