Stell Dir vor, es sind Wahlen und keiner bemerkt es. Dieser Spruch ist zwar leicht abgewandelt und etwas abgenutzt – aber für Bellach passt er. In zwei Wochen wird in der zweitgrössten Gemeinde im Leberberg ein neuer Gemeindepräsident gewählt. Viel ist davon aber nicht zu bemerken. Beat Späti (FDP) lächelt den Einwohnerinnen und Einwohnern auf der Dorfwiese und beim Turbensaal immerhin auf grossen Wahlplakaten entgegen.

Entlang der Kantonsstrasse dominieren aber Kühe mit und ohne Hörner und Plakate zur Selbstbestimmungsinitiave. Auch im «Azeiger» ist kaum etwas von den Wahlen zu bemerken. Zwei Inserate mit Stimmen für Beat Späti finden sich in der letzten Ausgabe. Und er lädt heute Samstag im «Backhüsli» zu Flammkuchen und freut sich auf Diskussionen mit der Bevölkerung.

Kein grafisches Highlight

Stefan Keller (unabhängig) macht anders auf sich aufmerksam. Er hält am 14. November im Turbensaal einen Vortrag. Allerdings geht es dabei nicht um die Wahlen, sondern um seine Arbeit als Life-Coach und das Thema «die Katastrophe zum Besseren wenden – existenzielle Krisen meistern». Vom dritten Kandidaten, Vizegemeindepräsident Fritz Lehmann (SVP), ist bisher überhaupt nichts zu sehen und zu hören. Seine Werbung im Wahlcouvert sieht genau gleich aus wie schon im ersten Wahlgang. Er präsentiert sich immer noch als «die gute Wahl».

Mit dem Wahlprospekt lockt er aber sicher keine neuen Wählerinnen und Wähler aus der warmen Stube ins Wahllokal. Beat Späti darf den Wahlprospekt – der bei der FDP strikt normiert ist – nun alleine nutzen und sich etwas breiter präsentieren. Das Infomaterial von Stefan Keller wirkt da schon fast erfrischend. Immerhin hat er vom ersten zum zweiten Wahlgang das Frontbild ausgewechselt, einen neuen Wahlslogan kreiert und er ist auch der Einzige, der in seinem Wahlmaterial aufzeigt, dass es bei der Wahl um den 2. Wahlgang und damit sozusagen um die politische Wurst geht.

Die Parteien halten sich ebenfalls alle vornehm zurück. Keine der Websites ist aktuell. Bei der SVP wird gar noch gedankt für das Resultat, das die Partei im vergangenen Jahr bei den Gemeinderatswahlen erhielt, und die aktuellste Meldung bei der FDP ist die Nomination von Beat Späti und Linda Walter für den 1. Wahlgang der Präsidiumswahlen. Auch die kämpferische Ansage von FDP-Parteipräsident Anton Probst nach dem ersten Wahlgang, dass er nun von den Mitbewerbern von Beat Späti «klare und konkrete Zielsetzungen erwarte», bleibt unbeantwortet stehen.

Aussagen wie «ist gewillt, das anspruchsvolle Amt des Gemeindepräsidenten erfolgreich zu führen» oder «bietet neue Perspektiven für Bellach» seien reine Worthülsen, meinte Probst im September. Aber auch er scheut offenbar die direkte Konfrontation. Die Freisinnigen bleiben bei ihrem einzigen Wahlanlass lieber unter sich, obwohl mit dem Inserat im «Azeiger» alle Stimmbürger eingeladen werden.

«Geht wählen»

Das macht der SP Sorgen. Zwar gibt die Partei Stimmfreigabe. Aber das hat einen Grund, wie Co-Präsidentin Heli Schaffter erklärt. «Alle drei Kandidaten sind wählbar. Sie haben alle ihre Vor- und ihre Nachteile. Aber wir finden unsere politische Meinung in keiner der drei Personen wieder.» Schaffter ruft aber die SP-Leute dazu auf, zu wählen. «Es sollen möglichst viele Bellacherinnen und Bellacher an die Urne gehen. Die Stimmbeteiligung soll hoch sein, damit die Legitimation für den neuen Gemeindepräsidenten möglichst gross ist.» Auch die CVP hat sich für Stimmfreigabe im zweiten Wahlgang entschieden. Die Argumente sind die gleichen, wie bei der SP: Alle drei seien wählbar. Alle hätten Vor- und Nachteile.