Vor einem Jahr besuchten 137 Recherswilerinnen und Recherswiler die Gemeindeversammlung. Mit nur gerade zwei Stimmen Unterschied wurde damals Nichteintreten auf die Reorganisation der Gemeindeführung beschlossen. Seither hat eine Arbeitsgruppe einen neuen Vorschlag erarbeitet. Dieser stand am Donnerstagabend zur Diskussion. Dieses Mal war der Saal nur noch mit 67 Stimmberechtigten besetzt. Diskutiert wurde aber ebenso emotional.

Gleich zu Beginn äusserte sich Werner Sauser im Namen der SP. «Wir sind mit vielen Punkten der Reorganisation einverstanden. Bei einigen Sachen sind wir allerdings differenzierter Meinung.» Dementsprechend werde er auch Anträge stellen. Sowohl Peter Jutzi (Parteipräsident CVP) als auch Jörg Aebischer (FDP) fanden, dass die SP mit ihrem Positionspapier zu spät sei.

Merkwürdig sei es auch, dass die SP in der Arbeitsgruppe vertreten war und man nun plötzlich eine andere Meinung habe. Tatsächlich scheiterte die SP mit sämtlichen Anträgen. Der Antrag bei sieben Ressorts zu bleiben und das Ressort Planung dem Gemeindepräsidenten zuzuschlagen, wurde mit sieben Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und 54 Stimmen zugunsten des Vorschlages der Arbeitsgruppe abgelehnt.

Auch der Antrag, das Gemeindepräsidium als Teilamt in einem 40-Prozent-Pensum zu führen, fand keine Gnade. Damit würde der ausbezahlte Lohn, so Sauser, auch in der Pensionskasse angerechnet, was sicher fair wäre. Gleichzeitig stellte er den Antrag, die Entlöhnung anzuheben und sie in der Bandbreite der Lohnklassen 23 bis 26, bei Erfahrungsstufe 10, der kantonalen Lohnklasse anzusiedeln. «Heute bekommt der Gemeindepräsident 33'000 Franken bei einem 20-Prozent-Pensum. Künftig soll er fast doppelt so viel arbeiten, bekommt aber nur noch 40'500 Franken. Das ist im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden zu wenig.»

Kein 40-Prozent-Pensum

Jörg Aebischer konterte diesen Antrag. «Hier stellt sich eine grundsätzliche Frage. Will Recherswil einen Gemeindepräsidenten anstellen, um ihm einen Lohn zahlen, oder soll die Gemeinde im Nebenamt geführt werden und das Amt wird dementsprechend anders abgegolten.» Peter Jutzi argumentierte damit, dass ein 40-Prozent-Pensum schwierig zu besetzen sei, wenn es einmal um die Nachfolge von Hardy Jäggi gehe. Bleibe das Gemeindepräsidium ein Nebenamt, sei es einfacher mit einer Anstellung in der Privatwirtschaft zu verbinden.

Werner Sauser zog den Antrag in Bezug auf die Lohnklassen zurück und bat die Arbeitsgruppe, diesen Punkt bis zur Budgetgemeindeversammlung nochmals zu überdenken. Die Mehrheit der Anwesenden stimmte aber dem Antrag der Arbeitsgruppe zu. Ebenso deutlich wurde entschieden, dass das Gemeindepräsidium als Nebenamt geführt werden soll.

Deutlich wurde dafür dem nachträglich eingebrachten Antrag von Jörg Aebischer zugestimmt, dass auf dem Salär des Gemeindepräsidenten künftig die Pensionskasse auf- und abgerechnet werden soll.

Positiver Abschluss

Beinahe zur Nebensache wurde am Donnerstagabend die Rechnung 2017. Sie schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 518'824 Franken. Zudem wurden zusätzliche Abschreibungen in der Höhe von 305'568 Franken realisiert. Das Eigenkapital der Gemeinde beläuft sich per Ende 2017 auf 2,664 Mio. Franken. «Es wurde grundsätzlich sehr sparsam mit dem Geld umgegangen», meinte Peter Christ (Gemeinderat, Ressortleiter Finanzen).

Wie in anderen Gemeinden auch, musste Recherswil im Bereich Sozialhilfe Geld nachzahlen, und zwar in der Höhe von 112'000 Franken, unter anderem weil sich die Anzahl der der Sozialdossiers moderat erhöhte und weniger Leistungen, beispielsweise von der IV, zurückflossen. Auch der Steuereingang entwickle sich positiv. Zwar hat man bei den juristischen Personen weniger eingenommen, dafür gab es einen Mehrertrag bei den natürlichen Personen.

Die Rechnung wurde von den Anwesenden einstimmig genehmigt. Ebenso die Teilrevision des Polizeireglementes, in dem der Gebührenanhang geändert wurde. Neu sollen die Veranstalter von gemeinnützigen Anlässen, wie etwa «das schnellste Igukind» von den Anlassgebühren befreit werden. Schliesslich wurde das Reglement über die Organisation und Durchführung der Kontrolle von Feuerungsanlagen aufgehoben.