Gemeinderat

«Das geht uns viel zu schnell»: Biberist prüft Alternativen für neue Bevölkerungsschutz-Struktur

In Biberist dachte man, die Region Biberist-Bucheggberg-Lohn-Ammannsegg könne wie bisher weitergeführt werden. (Symbolbild)

In Biberist dachte man, die Region Biberist-Bucheggberg-Lohn-Ammannsegg könne wie bisher weitergeführt werden. (Symbolbild)

Der Biberister Gemeinderat stimmt der neuen Bevölkerungsschutz- und Zivilschutzorganisation vorläufig nicht zu. Weitere Alternativen zur Struktur sollen geprüft werden.

Reto Vescovi (Geschäftsführer Regionalplanungsgruppe) spürte im Gemeinderat Biberist einigen Gegenwind, bei der Vorstellung der neuen Bevölkerungsschutz- und Zivilschutzorganisation. Per 1. Januar 2018 soll eine neue Organisation gegründet werden, die sich aus den heutigen vier Organisationen in Bucheggberg und Wasseramt zusammensetzt. «Wieso landete dieses Projekt eigentlich bei der Repla und wieso wurde diese Vorlage ausgearbeitet?», fragte sich Markus Dick (SVP). «Wieso wissen wir kaum etwas über die Arbeiten am Projekt, und wieso wollen die Bucheggberger Gemeinden nicht mehr mit Biberist zusammenarbeiten?» 

Auch Gemeindepräsident Martin Blaser zeigte sich einigermassen befremdet über die Zwischentöne, die aus dem Bucheggberg zu hören seien. «Wir hatten die direkte Zusage von Regierungsrätin Esther Gassler, dass die Region Biberist-Bucheggberg-Lohn-Ammannsegg wie bisher weitergeführt werden kann, weil wir die geforderte Anzahl von 20'000 Leuten bald erreichen», meinte er.

«Führungsstab funktioniert nicht»

Markus Dick machte weiter darauf aufmerksam, das es im Bereich des Zivilschutzes kaum Probleme gebe, wohl aber, wenn es um den regionalen Führungsstab (RFS) gehe. «Der funktioniert heute nicht, und er funktioniert nicht, weil die Bucheggberger ihre Leute nicht stellen.» Gerade wenn es zu einer Katastrophe komme, dann wäre es wichtig, dass der RFS funktioniere und je kleinräumiger die Strukturen seien, desto effizienter werde die Arbeit erledigt. Priska Gnägi (CVP) hatte ebenfalls das Gefühl, dass die neuen Strukturen, wie sie vorgestellt wurden, vor allem auf den Zivilschutz ausgerichtet sind, und dass die Thematik des Regionalen Führungsstabes nicht berücksichtigt worden sei.

Markus Dick stellte deshalb den Antrag, dass der Neuorganisation vorläufig nicht zugestimmt werden soll. «Wir setzen besser eine Arbeitsgruppe ein und prüfen auch andere Lösungen. Es wäre ja auch möglich, dass wir uns Solothurn anschliessen.» Wenn man sich neu organisiere, müsse die neue Organisation besser funktionieren als die bisherige. Reto Vescovi machte darauf aufmerksam, dass die meisten Gemeinden der Neuorganisation zustimmen, und es möglich sei, dass Biberist dann plötzlich alleine dastehe. Der Antrag Dick wurde allerdings mit 5 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und Enthaltungen angenommen.

Neue Arbeitsplätze

Der Regionale Sozialdienst erhält mehr Platz und mehr Büroräumlichkeiten. Heute sind die Mitarbeitenden im 1. Stock an der Bernstrasse 6, im 2. Obergeschoss des selben Gebäudes und an der Bernstrasse 4 verteilt. Nun ergibt sich die Möglichkeit, das östliche Ladenlokal an der Bernstrasse 6 zu kaufen. Damit könnte die Miete im 2. Obergeschoss gekündigt, und der Asyl- und Flüchtlingsbereich wieder an den gleichen Ort geholt werden. Für den Kauf sprechen die Nähe zum Gemeindehaus; tragbare Investitionskosten und die schnelle Umsetzbarkeit des Projektes. Die Bauverwaltung überprüfte vorgängig mehrere Varianten und kam zum Schluss dem Gemeinderat den Kauf des Ladenlokals zu empfehlen.

Rund 20 Personen arbeiten heute im Sozialdienst. Auf Nachfrage von Markus Dick zeigte Marlies Jeker (Leiterin Sozialdienst) auf, dass das kleinste Teilpensum heute eine 50-Prozent-Stelle ist. Das wiederum heisst, dass das Teilen von Arbeitsplätzen nicht ganz so einfach ist. Mit den neuen Räumlichkeiten stehen insgesamt 22 Arbeitsplätze zur Verfügung. Das reiche aus, um die täglichen Abläufe effizient abzuwickeln.

Zudem sei es für das Team von Vorteil, wenn wieder alle unter einem Dach arbeiten können. Der Gemeinderat stimmte nach diversen Nachfragen dem Erwerb der Liegenschaft für 526'000 Franken und den Kosten von 794 000 Franken für die Sanierung der Räumlichkeiten mit 7 Ja-Stimmen, bei 2 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen zu. Das Geschäft muss noch vor die Gemeindeversammlung.

Blasers letzte Sitzung

«Der Moment des Abschiedes ist da.» Das Schlusswort gehörte Gemeindepräsident Martin Blaser, der seine letzte Gemeinderatsitzung bestritt. Er wünschte seinem Nachfolger und dem neuen Gemeinderat gutes Gelingen. «Verliert die Freude an Eurer Arbeit nicht.» Zudem gab er Stefan Hug-Portmann einen guten Ratschlag: «Irgendwann habe ich gemerkt, dass sie nicht immer mich persönlich meinen, wenn sich jemand bei mir beklagt hat.»

Meistgesehen

Artboard 1