Hegering Leberberg
Das Fiepen des Rehs will gelernt sein

Die Jagdgesellschaften des Bezirks Leberberg informierten sich in Hubersdorf über die Geheimnisse der Lockjagd.

Lea Reimann
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Seminar Lockjagd des Hegerings Leberberg in Hubersdorf
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Lockjagdexperte Klaus Weisskirchen erklärt, wie man den Saulocker verwendet.
Seminar Lockjagd des Hegerings Leberberg
Fiepen will gelernt sein
Lockinstrumente werden feilgeboten.

Seminar Lockjagd des Hegerings Leberberg in Hubersdorf

Lea Reimann

Hasenklage, Mauspfeifchen, Fuchsflöte oder Blatter – das sind Instrumente, auf denen Tiergeräusche nachgemacht werden können. Beherrscht man solche Tierlaute, kann das auf der Jagd eine grosse Hilfe sein, so werden Tiere angelockt. «Erlerne die Stimmen der Tiere, dann bist du Herr in deinem Reviere», so lautet das Motto von Klaus Weisskirchen.

Der Jäger aus Deutschland kennt sich aus, wenn es um Lockjagd geht. Seit seinem Jugendalter hat er akustische Täuschungen praktiziert und perfektioniert, heute gilt er als Koryphäe auf seinem Gebiet, ist bekannt aus Fernsehen und Jagdzeitschriften. Der Hegering Leberberg – das ist die Vereinigung der neun Jagdgesellschaften des Bezirks Lebern – versammelte sich am Mittwochabend zum Seminar in Hubersdorf und liess sich von ihm informieren.

Die Lockjagd sei im Hegering Leberberg noch nicht sehr verbreitet, sie erfordere eben ein grosses Wissen und viel Geschick, weiss Walter Frei, Präsident des Hegerings und Organisator. Umso spannender sei es, den Ausführungen des Experten zuzuhören und zu lernen. Reh, Wildschwein und Fuchs gehören in unseren Wäldern zu den Tieren, die am häufigsten gejagt würden – sie können mit Lockrufen sehr gut angelockt werden.

Eifersucht wirkt besser als Liebe

Eine Nachahmung, die viele Jäger kennen, ist das Blatten. So nennt man es, wenn Rehwild mit imitierten Rehlauten angelockt wird. Entweder bläst man auf Blättern oder Gräsern, oder eben durch ein Lockinstrument. «Hier wirkt das Eifersuchtsprinzip besser als das Liebesprinzip», erklärt Weisskirchen.

Ein Bock reagiere eher, wenn man einen Rivalen imitiere, als wenn man das Fiepen eines brünstigen Rehs nachmache. Da die Böcke den Weibchen zahlenmässig oftmals deutlich unterlegen seien, kämen sie nämlich manchmal ganz schön unter Druck. «So viele Weibchen wollen beschlagen werden», so Weisskirchen, da brauche der Bock schon mal eine Pause und reagiere nicht mehr auf jedes Fiepen. Ganz anders sei dies aber, wenn er einen Rivalen in seinem Revier höre.

Ein weiterer Tipp, den Weisskirchen den Jägern – es waren ausschliesslich Männer im Saal anwesend – mit auf den Weg gab, war, dass er sich im Wald nie leise und geheimnisvoll verhalte, sondern wie ein ganz normaler Waldbesucher. Das bedeutet: Normal gehen und sprechen, nicht etwa flüstern. Ausserdem müsse man immer die Abfolge der Töne bedenken. «Das Tier sucht, atmet, stösst einen Fiep aus – dann kann ich nicht in derselben Strophe einen Angstschrei machen» so Weisskirchen. Ein besonderer Reiz der Lockjagd sei für Weisskirchen, dass dabei die Chancengleichheit zwischen Tier und Mensch bestehe. «Bin ich besser als das Wild, hat das Wild eben Pech gehabt.»

«Dann hat das Wild Pech gehabt»

Die Jäger zeigten grosses Interesse an Weisskirchens Ausführungen, die stets mit einer Prise Humor versehen waren. Während einige bereits alte, teilweise nie gebrauchte, Locker dabeihatten und dazu ihre Fragen stellen konnten, kauften andere nach dem Referat ein Lockinstrument vom Experten persönlich. Die DVD, auf der die Lockrufe erklärt werden, gibt es gratis dazu. Ihre neuen Errungenschaften nahmen sie ganz genau unter die Lupe und probierten sie natürlich auch gleich aus. Zaunkönig, Ente, Wildsau und Reh scheinen sich im Saal des Restaurants Freundschaft versammelt zu haben, es fiept und pfeift, die Jäger bereiten sich auf ihre nächste Jagd vor und üben die Tierstimmen. Waidmannsheil!

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