Budget
Das Eigenkapital schmilzt dahin, wenn nicht Gegenruder gegeben wird — Recherswil setzt den Rotstift an

In einer Sitzung mittels Videokonferenz überarbeitete der Gemeinderat das Budget.

Marlene Sedlacek
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Der Gemeinderat hat das Budget überarbeitet. (Symbolbild)

Der Gemeinderat hat das Budget überarbeitet. (Symbolbild)

Rahel Meier

Nach einer ersten Lesung war ein Aufwandüberschuss von 822'400 Franken vorgesehen. Die Finanzkommission hatte dem Gemeinderat den Auftrag gegeben, einige grössere Budgetposten zu überdenken. Dies sind der Scheibenstand der Schützen, der Spielplatz im Winkel, die Bushaltestelle Schreinerei und die SBB-Tageskarten.

Betreffend Scheibenstand stellte die Kommission eine Sanierung für 40'000 Franken in Frage. Sie empfahl zu prüfen, ob andere Gemeinden ihre Schiesspflicht hier erfüllen oder ob die Recherswiler auswärts schiessen könnten. Letztere Option stiess beim Gemeinderat jedoch auf taube Ohren. Peter Gehrig betonte, dass der Schützenverein ein gut funktionierender Verein sei. Dies dürfe die Gemeinde auch etwas kosten. Gemeindepräsident Hardy Jäggi gab zu bedenken, dass das Gastrecht bei einem anderen Verein auch nicht gratis sei. Mit sechs zu einer Stimme beschloss der Rat, den Betrag im Budget zu belassen und abzuklären, ob andere Vereine Interesse hätten, in Recherswil zu schiessen.

Ebenfalls im Budget bleibt der Betrag von 37'000 Franken für die Sanierung aller vier gemeindeeigenen Spielplätze. So solle auch der Spielplatz im Winkel, den die Finanzkommission in Frage stellte, aufrechterhalten und sicherheitstechnisch saniert werden, war sich der Gemeinderat einig.

Bushaltestelle Schreinerei wird vorläufig aufgehoben

Dem Rotstift zum Opfer fiel hingegen die Bushaltestelle Schreinerei. Neuerdings verlangt der Kanton dafür einen Beitrag von 17'400 Franken. Die Haltestelle, so wie sie jetzt sei, bringe nichts, war der Tenor im Rat. Sie wird nur in eine Richtung bedient.

Irene Rüfenacht machte sich zwar stark für die Anwohner, die diese Haltestelle benützen. Sie plädierte dafür, zuerst in einer Umfrage das Bedürfnis abzuklären. In Anbetracht der finanziellen Situation beschloss der Gemeinderat dennoch, die Haltestelle aufzuheben, jedoch mit dem Auftrag an die Baukommission, eine Bedarfsabklärung zu machen. Gegebenenfalls könne man die Station später wieder in Betrieb nehmen.

Das Auslaufmodell SBB-Tageskarten hatte auch keine Chance. Die Auslastung sei momentan ganz schlecht, sagte Gemeindeschreiberin Gabriella Meili. Die Gemeinde lege stark drauf. Dieses Geld könne man sparen, befanden die Räte.

Eine Steuererhöhung steht vor der Tür

Der Finanzplan für die nächsten vier Jahre bestätigt die Vorhersage, dass dunkle Wolken am Finanzhimmel aufziehen. Das Polster von 3,2 Millionen Franken wird nicht ausreichen, um die prognostizierten Aufwandüberschüsse zu decken.

Im Jahr 2025 muss mit einem Bilanzfehlbetrag von 700'000 Franken gerechnet werden. Die Finanzkommission ermahnte den Gemeinderat, dieses Szenario unbedingt zu vermeiden. Man werde nicht umhinkommen, über eine Steuererhöhung zu diskutieren. Eine Anhebung des Steuerfusses auf 125 Prozent ab dem Jahr 2022 ergäbe in vier Jahren noch ein Eigenkapital von 1,55 Millionen Franken.

Die Spezialfinanzierungen Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallbeseitigung schliessen alle mit einem Aufwandüberschuss ab. Dies sei jedoch verkraftbar, meinte Christian Erzer. Die jeweiligen Kässeli seinen noch gut gefüllt und es sei keine Erhöhung der Gebühren nötig.

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