Derendingen
Das ehemalige Pfarrhaus soll umgebaut werden: Erhält der Kanton Solothurn bald ein Sterbehospiz?

Am Mittwoch entscheidet die Reformierte Kirchgemeinde Wasseramt, ob aus dem ehemaligen Pfarrhaus in Derendingen ein Sterbehospiz werden soll. Noch gibt es kritische Stimmen.

Hans Peter Schläfli
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Das ehemalige Pfarrhaus in Derendingen würde sich gut als Sterbehospiz mit sechs Zimmern eignen.

Das ehemalige Pfarrhaus in Derendingen würde sich gut als Sterbehospiz mit sechs Zimmern eignen.

Hans Peter Schläfli

Soll in Derendingen aus dem ehemaligen Pfarrhaus ein Sterbehospiz werden? Den Grundsatzentscheid darüber fällt die Reformierte Kirchgemeinde Wasseramt an ihrer Versammlung am Mittwoch. Konkret wird die Kirchgemeinde an ihrer Versammlung im Saalbau des Restaurants Bad über einen Rahmenkredit in der Höhe von 460'000 Franken für einen Mieterausbau des repräsentativen ehemaligen Pfarrhauses entscheiden. Mit diesem Geld könnte ein Vorprojekt für ein Sterbehospiz mit sechs Zimmern ausgearbeitet werden. Die definitive Realisierung wäre aber weiterhin an wichtige Bedingungen gebunden.

«Der Kirchgemeinderat steht der Hospizbewegung grundsätzlich positiv gegenüber», sagt Martin Joss, Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Wasseramt, welcher rund 8500 Gläubige angehören. «Wichtig ist festzuhalten, dass auch nach einer Zustimmung durch unsere Versammlung das Geld nicht sofort ausgegeben werden darf.

Bevor die Bauarbeiten beginnen, muss der Kanton die Betriebsbewilligung erteilen und der Verein Sterbehospiz muss den definitiven Nachweis erbringen, dass die Finanzen für den laufenden Betrieb und die Jahresmiete von 54'000 Franken langfristig gesichert sind.»

Der Knackpunkt sind die Finanzen

«Wir befinden uns tatsächlich an einer entscheidenden Schwelle», beschreibt Präsidentin Heidi Zumbrunnen die Sicht des Vereins Sterbehospiz. «Wir haben sehr viele Zusagen von potenziellen Spendern, wie zum Beispiel der Jakob-Urben-Stiftung, welche namhafte Beiträge für die ersten fünf Betriebsjahre zugesichert hat. Aber diese Spender wollen zuerst ein konkretes Projekt sehen, bevor sie tatsächlich zahlen.» Daniel Preisig, der 2016 zu den Gründungsmitgliedern gehörte, ergänzt: «Wenn wir auf das zugesagte Geld der Spender warten, dann wird der Start hinausgeschoben. Wenn wir den Start hinausschieben, warten die Spender ab.

Die Katze beisst sich in den Schwanz.» Aber der pensionierte Arzt ist zuversichtlich. «Mit einer Zustimmung der Kirchgemeinde können wir diese Schwelle definitiv überwinden. Dann wird das zugesagte Geld fliessen und das Sterbehospiz kann den Betrieb in absehbarer Zeit aufnehmen.» Fast niemand wird ernsthaft bestreiten, dass ein Ort, wo man die letzten Tage seines Lebens in Ruhe verbringen und in Würde sterben kann, einem Bedürfnis entspricht und eine gute Sache ist.

Am Ende waren ähnlich gelagerte Projekte jeweils an ganz konkreten Fragen gescheitert. Wie werden zum Beispiel der Mehrverkehr durch die Besucher und die Parkplatzfrage geregelt? «Die Erfahrung aus ähnlichen Institutionen zeigt, dass in einem Sterbehospiz nur wenige Besucher zu erwarten sind», sagt Daniel Preisig. Vor dem Haus hat es zwei Parkplätze. «Wir empfehlen den Besuchern, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Zudem hat es im Dorfzentrum viele öffentliche Parkplätze, die nur etwa 150 Meter entfernt sind.»

Keine aktive Sterbehilfe vorgesehen

Viele Gläubige der Reformierten Kirche sind grundsätzlich gegen den assistierten Suizid und möchten nicht, dass in ihrem ehemaligen Pfarrhaus aktive Sterbehilfe geleistet wird. «Wir wollen mit dem Sterbehospiz ja gerade eine konkrete Alternative zum assistierten Suizid anbieten», sagt der pensionierte Arzt Preisig zu diesem Knackpunkt, an welchem das Projekt in Derendingen scheitern könnte. «Es ist nicht vorgesehen, dass Organisationen wie zum Beispiel Exit in unserem Sterbe­hospiz aktiv werden.»

Darüber werde mit den Menschen gesprochen, bevor sich diese entscheiden, ins Sterbehospiz einzutreten. «Das Leben soll im Sterbehospiz nicht verkürzt werden. Wir wollen das Sterben in einer würdevollen Umgebung ermöglichen und mit einer umfassenden palliativen Betreuung dafür sorgen, dass niemand in der letzten Lebensphase unnötig leiden muss.»

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