Selzach
Das Drainagesystem bleibt in Bauernhand

Selzacher Landwirte schliessen sich zu einer neuen Flurgenossenschaft zusammen. Die FG Selzach-Nord+ ist auch für die Drainagen verantwortlich.

Christof Ramser
Drucken
Teilen
Drainagearbeiten in der Witi im Jahr 2004. (Archiv)

Drainagearbeiten in der Witi im Jahr 2004. (Archiv)

Felix Gerber

Es ist ziemlich wertvoll, was da in den fruchtbaren Böden von Selzach vergraben liegt. Ein riesiges Netz von Drainageleitungen entwässert das Landwirtschaftsland. Auf 900 Hektaren verteilen sich die Pumpen und Leitungen.

Das Drainagesystem in der Ebene zwischen Biel und Solothurn, das in den 1930er-Jahren in Handarbeit verlegt wurde, wird oft als «Jahrhundertwerk» bezeichnet. Ohne Bodenmelioration wäre die Witi ein einziges, grosses Sumpfgebiet.

Aber auch nördlich der Biel- und Solothurnstrasse am Hang sorgen zahlreiche Leitungen für eine saubere Entwässerung. Für den Unterhalt sind jeweils die Landbesitzer verantwortlich. Sie haben die Drainagen in Eigentum und Unterhalt übernommen. In Selzach haben sie sich in vier Genossenschaften organisiert.

Es sind die Flurgenossenschaften (FG) Bettlach-Selzach, Selzach-Nord, Selzach Witi und Selzach-Bellach. Am Montag wurde die Fusion der FG Selzach-Nord und Selzach-Bellach zur neuen FG Selzach-Nord+ besiegelt. Die Genossenschafter von Selzach-Nord gaben ihr Einverständnis dazu, nachdem jene von Selzach-Bellach bereits im Januar Ja gesagt hatten.

Langes Vorspiel

Die Fusion hat ein langes Vorspiel. Bereits 2012 kam der Antrag von Selzach-Bellach, die Grundstücke auf Selzacher Boden mit der Nachbargenossenschaft zusammenzuschliessen. Jene auf Bellacher Boden hat die dortige Einwohnergemeinde übernommen. Weil der Präsident von Selzach-Nord, Walter Rudolf, vermutete, dass die Fusion rasch über die Bühne gehen würde, hatte er seither keine Versammlung mehr einberufen.

Zudem gab es immer noch eine offene Rechnung für die Zahlung von Bundessubventionen für Sanierungen. Genossenschaften, die Meliorationsanlagen pflegen, werden von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Nachdem das Geld vergangenen Herbst endlich geflossen war, berief Rudolf nach sechs Jahren erstmals wieder eine Versammlung ein.

Ein Dutzend Bauern stimmten der Fusion einstimmig zu. Es ist allerdings eine etwas halbherzige Sache; zwar wird es für die neue FG Selzach-Nord+ künftig nur noch einen Vorstand geben. Die Finanzen der beiden Teilgebiete bleiben aber getrennt. Das Vermögen von 37 000 Franken bleibt unangetastet.

Für Norbert Emch vom kantonalen Amt für Raumplanung ist es dennoch ein richtiger Schritt. «Es ist wichtig, dass die Werke in der Hand der Bauern bleiben. Damit können sie bestimmen was damit passiert.» Die Gemeinde Selzach wollte die Drainagen nicht übernehmen. Ihr graute vor den hohen Kosten für den Unterhalt. Zudem würde viel Wissen verloren gehen, wenn sich die Bauern nicht mehr selber darum kümmerten.

«Machen guten Eindruck»

So gibt es also gemeinsame Statuten, aber getrennte Kassen. «Damit wird die Administration vereinfacht.» Rudolf sieht die FG Selzach-Nord+ als Vorreiterin für andere FG, die schon bald in Personalnöte geraten dürften. Immer weniger Bauern engagierten sich immer seltener in Vorständen von Genossenschaften. Trotzdem hinterfragte ein anwesender Landwirt den Sinn von gemeinsamem Statuten, aber separaten Rechnungen. Bevor der Zusammenschluss in Kraft tritt, werden Pläne aufgelegt.

Schliesslich soll der Regierungsrat die Fusion absegnen. Es dürfte eine Formsache sein, denn Hans Ruedi Affolter vom Büro BSB, der das Projekt begleitete, machte den Bauern von Selzach-Nord ein Kompliment. «Die Wege und Schächte machen einen guten Eindruck.» Und auch Entwässerungsanlagen des Partners Selzach-Bellach sind in einem guten Zustand. Die nächste Versammlung, versprach Walter Rudolf, werde nicht mehr sechs Jahre auf sich warten lassen.