Der Gemeinderat gibt das Startzeichen für das «grösstes Vorhaben» in der Gemeindegeschichte. Das sagt Gemeindepräsident Kuno Tschumi. Das Projekt «Derendingen Mitte», ein Multifunktionsneubau im Zentrum von Derendingen, wird an der nächsten Gemeindeversammlung traktandiert und entschieden. Der Neubau umfasst einen Schultrakt, eine Dreifachturnhalle sowie einen Verwaltungstrakt und kostet insgesamt 36,5 Millionen Franken.

Wenn Gemeindepräsident Kuno Tschumi vom neuen Gemeindezentrum spricht, kommt er ins Feuer. «Schlechtes Zentrum, schlechte Grundsubstanz. Gescheiter abreissen und etwas Neues hinstellen.» Schritt um Schritt sei diese Erkenntnis gereift. «Wir haben eine einzigartige Chance.» In den letzten 40 Jahren wurde mit zwei Ausnahmen die Infrastruktur kaum ergänzt. Aktuell herrsche im Dorf Aufbruchstimmung und das Geld so günstig wie nie.

Keine Pflästerlipolitik

Vor vier Jahren wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Entwicklung in der Dorfmitte bearbeiten soll. «Erstes Ziel war es, die Nutzungen im Zentrum zu konzentrieren sowie zu stärken», berichtet Kuno Tschumi. Unterhalt und Renovation diverser Gemeindeliegenschaften wie Aula, drei Turnhallen und Saalbau Bad kosten viel Geld. «Der Gedanke war nah, statt weiterhin Pflästerlipolitik zu betreiben, einzelne Gebäude abzubrechen oder zurückzubauen und einen Neubau zu stellen.» Gleichzeitig habe man sich entschlossen die Schulstandorte von drei auf zwei zu reduzieren.

Im Dezember 2012 wurde ein Räumliches Teilleitbild für das Dorfzentrum von der Gemeindeversammlung genehmigt. 2013 wurde ein Wettbewerb lanciert. Der Wettbewerb und die Überarbeitung kosteten bis jetzt 750 000 Franken. Das Siegerprojekt wurde in der Folge in mehreren Schritten von Fachleuten überarbeitet. Nun ist es soweit, das Projekt nach dem einstimmigen Okay des Gemeinderates an die Gemeindeversammlung zu bringen.

Um 6 Millionen abgespeckt

«Das Dorfzentrum erfüllt mindestens zehn Zwecke», berichtet Kuno Tschumi (siehe Kontext). Anfangs sei zu grosszügig geplant worden. In der Zwischenzeit ist das Projekt 6 Millionen Franken günstiger. «Tatsächlich konnte eine finanzielle Verbesserung erreicht werden, ohne dass unsere Bedürfnisse eingeschränkt wurden», ergänzt Roger Spichiger, Leiter Bau und Planung.

Ohne die Realisierung von «Derendingen Mitte» müssten rasch dringend notwendige Investitionen getätigt werden, die in den letzten Jahren im Hinblick auf eine Realisierung des Projektes zurückgestellt wurden. Diese Zurückhaltung im Investitionsbereich hat wiederum die finanziellen Voraussetzungen der Gemeinde verbessert.

Das Verwaltungsvermögen konnte um rund 12 Mio. Franken gesenkt werden, was zu geringeren Abschreibungen führt. Der Fremdkapitalbestand reduzierte sich um 18 Mio. Franken. Das Eigenkapital wurde auf 3,5 Mio. Franken angehäuft.

Steuererhöhung sei nicht nötig

Die 36,5 Millionen Franken sind ein grosser Happen für die Gemeinde mit über 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das wichtigste aber sei, so der Gemeindepräsident und die Finanzkommission, dass «Derendingen Mitte» ohne Steuererhöhung bewältigt werden könne. Die Berechnungen der Finanzkommission ergeben eine jährliche Belastung der Gemeinderechnung durch die Folgekosten der Investitionen von 1,35 Mio. Franken in den ersten Jahren. Tendenziell würden danach die Kosten geringer, so Markus Zürcher, Präsident der Finanzkommission.

Etwa vier Jahre lang rutscht die Rechnung ins Minus, was aber mit dem Eigenkapital problemlos kompensiert werden könne. Bereits im fünften Jahr sei die Rechnung wieder positiv und das Eigenkapital dank Veräusserung der nicht mehr benötigten Liegenschaften bei rund 6 Mio. Franken.

Auch Markus Zürcher spricht von einer einzigartigen Situation, einerseits wegen den tiefen Fremdkapitalkosten und andererseits: «Mit dem neuen Rechnungsmodell erfolgt die Abschreibung nicht mehr wie bis anhin mit 8 Prozent sondern mit 3,03 Prozent.» Er hält aber fest, dass die Berechnung auf Prognosen abstütze.