Ein Waldschrat oder ein trinkfreudiger Geselle als neuer Gemeindepräsident von Gerlafingen? Gemach, Philipp Heri und Thomas Wenger sind seriöse Männer. Doch zum Auftakt eines Wahlpodiums mussten die Kandidaten aus verschiedenen Bildern jene Umgebung wählen, in der sie sich am wohlsten fühlen. Heri wählte den Wald, weil er am Waldrand wohnt und mit seinen Kindern oft dort spielt oder brätelt. Wenger entschied sich für die Szene mit den Biergläsern. «Weil ich nach einer Sitzung gerne mal ein Blondes trinke.»

Philipp Heri (SP): «Ein grosser Vorteil von Gerlafingen ist, dass wir bestens an den Verkehr angebunden sind.»

Philipp Heri (SP): «Ein grosser Vorteil von Gerlafingen ist, dass wir bestens an den Verkehr angebunden sind.»

Danach beschäftigte sich das Podium vor rund 100 Zuschauern mit nur vermeintlich trockener Politmaterie. Schnell zeigte sich, dass SP-Mann Heri und SVP-Vertreter Wenger unterschiedlich ticken. Etwa bei der Kulturförderung. Heri kritisierte, dass Wenger nichts an die Kulturstätten in Solothurn zahlen will. Die Gemeindeversammlung hatte den Sparbeschluss des Gemeinderates kassiert. «Dort zu sparen, ist dumm, weil es dem Image der Gemeinde schadet. Wir sollten uns solidarisch zeigen, schliesslich nutzen wir das Angebot auch.»

Thomas Wenger (SVP): «Ich möchte Gerlafingen gerne in eine gute und positive Zukunft führen.»

Thomas Wenger (SVP): «Ich möchte Gerlafingen gerne in eine gute und positive Zukunft führen.»

Wenger argumentierte, wie im Lauf der Debatte immer wieder, mit dem Spardruck. Gerlafingen fehle schlicht das Geld. Rechnung und Budget seien tiefrot. «Es geht uns nicht gut. Wir wissen bald nicht mehr, woher die Mittel nehmen. Die Ausgaben führen uns in den Schlamassel.» Die anderen Gemeinden sollten zuerst den Tatbeweis erbringen und etwa die von ihnen mitgenutzte Kinderoase oder den Kulturkeller ebenfalls unterstützen.

Nadelstiche in der Seele

Thema des Abends war das Ansehen des Wasserämter Dorfes. Moderator Thomas Jud von Radio 32 brachte mehrfach das «schlechte Image» zur Sprache – und setzte damit Nadelstiche in die Gerlafinger Seele. Wenger nahm den Ball auf. «Im ganzen Kanton redet man schlecht über uns, obwohl wir hier alles haben. Ich will die Gerlafinger positiver darstellen.»

Der Verkaufsleiter erwähnte die nahe Autobahn, die ihn vor 24 Jahren ins Dorf lockte. Auch die Einkaufsmöglichkeiten und die Schulen seien «top». Den Hebel ansetzen will er beim Steuerfuss. In den vergangenen Jahren habe Gerlafingen 15 von 20 guten Steuerzahlern verloren. Dass zwei von ihnen nach Lohn-Ammannsegg gezogen seien, wo die Belastung tiefer ist, sei bezeichnend. Man hänge am Tropf des Kantons. Fliesse das Manna einmal nicht mehr, sehe es bös aus.

Heri sieht die Attraktivität des Dorfes nicht in erster Linie in einem tiefen Steuerfuss, sondern etwa bei der S-Bahn-Anbindung. Die Aussenwirkung sei inzwischen gut. An eine Steuersenkung sei in den nächsten Jahren «ohne Lottogewinner» aber kaum zu denken. Trotzdem möchte Heri künftig wieder investieren, etwa in einem Turnhallenbau. Wenger wischte den Wunsch nach einer Turnhalle vom Tisch. «Das ist in den nächsten Jahren kein Thema.» Sparen will er in der Gemeindeverwaltung, die personell eher zu gross sei.

Auch das Sozialwesen könne effizienter geführt werden. Heri rief in Erinnerung, dass die Sozialkosten auf Kantonsebene gebunden seien. «Sonst verstossen wir gegen Gesetze, und das kann ich nicht verantworten.» Der SVP warf er Symptombekämpfung vor. Stattdessen müsse man bei den Ursachen der Sozialkosten ansetzen. Etwa mit der Frühförderung von Kindern mit niedrigem sozialen Status.

Sind Gerlafinger offener?

Mehr als Chance denn als Problem sieht Heri den hohen Ausländeranteil der Gemeinde. In seiner Schulklasse waren 13 Nationen vertreten. «Dadurch sind Gerlafinger offener. Sie merken vielleicht schneller als ein Kind aus Hüniken, dass es auch noch andere Länder gibt als die Schweiz.»

Wenger betonte die gute Integrationsarbeit, besonders durch die Sportvereine, teilte die Ausländer aber in zwei Klassen. «Es gibt einen Teil, der sich nicht integriert, und dagegen muss man etwas tun.» Heris Einwand, dass sich auch Schweizer nicht ans Gesetz hielten, liess Wenger gelten. Moderator Jud insistierte bei weiteren negativen Aspekten Gerlafingens, etwa der «Alkoholszene an der Tankstelle» – bis Heri irgendwann fragte, ob der Moderator eigentlich ein Problem mit Gerlafingen habe. Damit hatte er das Publikum in der Tasche.

Ein Zuhörer wollte schliesslich wissen, ob Heri zum Sesselkleber würde und bis zur Pension Gemeindepräsident bleiben wolle. «Das kann ich mir nicht vorstellen», so der 38-Jährige. Was er mit 50 Jahren mache, wisse er noch nicht. Er zähle auf seine breite Ausbildung als Primar- und Turnlehrer sowie Mediendidaktiker. Dem Vorwurf mangelnder Führungserfahrung entgegnete er mit dem Verweis auf ein Team in der kantonalen Sportfachstelle, das ihm unterstellt sei. Seinen Mitarbeitern wolle er Vertrauen schenken.

Auch Wenger bezeichnet sich als Teamplayer, der aber auch durchgreifen könne. Dass er von Führung und Verwaltung keine Ahnung habe, sei für das Amt als Gemeindepräsident positiv. «So kann ich unbelastet starten», sagte der 53-Jährige. Zum Schluss versicherten beide, dass sie auch bei einer Nichtwahl am 21. Mai im Dorf wohnen bleiben. Gerlafingen sei eine derart lebenswerte Gemeinde, waren sie sich einig, dass sie niemanden verstehen können, der nicht dorthin zügeln wolle.