Keine 20 Stunden vorher sass er an der Anfield Road und kommentierte das Champions-League-Spektakel FC Liverpool gegen FC Sevilla. Am Donnerstagabend stand Sascha Ruefer bereits auf der Bühne der Turnhalle seines Heimatortes Lüterkofen. Statt mit millionenschweren Balljongleuren hatte er es dort mit jenen zu tun, die selber mit den Millionen jonglieren.

Wobei man sich bei der Spar- und Leihkasse Bucheggberg (SLB) ausdrücklich distanziert vom Hasardeurentum der globalen Investmentbanker. Nicht in diesem Geldhaus. «Eine Bank wie das Land», lautet die Losung. Und das Land, nämlich der Bucheggberg, ist: skandalfrei, stressfrei. Behauptet jedenfalls Ruefer. «Wir machen hier kein Casino», doppelte später Bankchef Thomas Vogt nach.

Was hier wirklich zu reden gebe, sei der Tod des Aetigkofer Weihnachtsmarktes. Ja, er wird gern verniedlicht, der «Buechibärg». Doch ganz so provinziell geht es zwischen Lüterkofen, Messen und Schnottwil nicht zu. Schon gar nicht an diesem mondän aufgezogenen Wirtschaftsforum mit rotem Teppich und exquisiten Häppchen auf dreistöckigen Silber-Etageren.

«Verbrennt die Lehrbücher»

Statt auf lokale Weihnachtsmärkte zu blicken, analysierte Klaus Wellershoff «der Mike Shiva der Wirtschaft» (Zitat Ruefer), die globale Ökonomie. Und da präsentierte der langjährige UBS-Banker und heute schillernde Unternehmensberater positive Aussichten. Die Trendwachstumsraten seien für die Schweiz im langjährigen Vergleich mit Schwellenländern, vor allem aber mit anderen Industrienationen, stabil. Ob unter den 400 Gästen in der Turnhalle alle verstanden hatten, was Trendwachstumsraten sind?

Weiter sagte Wellershoff eine ordentlich wachsende Schweizer Konjunktur voraus. Auch den Euro, den der Analyst mit einem französischen Auto verglich («eine absolute Fehlkonstruktion, aber es fährt»), sieht er stabil bis erstarkend und in zwei Jahren wieder bei rund Fr. 1.30. Nun, Prognosen sind in diesem Metier etwa so sicher wie die Wettervorhersage im Schweizer Mittelland über eine Woche.

Vogt räumte selber ein, dass man die Ökonomie-Lehrbücher eigentlich alle verbrennen könnte, und Wellershoff gestand, dass man in der Wirtschaft enorm wenig wissen könne. «Aber das Wenige ist enorm wichtig.» Die Währungspolitik, das Steckenpferd der Volkswirtschafter, ist ein hochgradig spekulatives Betätigungsfeld. Auch die SLB ist davor nicht gefeit. Halt doch ein bisschen Casino im Bucheggberg.

Mit einer Million auf die Bank

Das offenbarte die folgende Diskussionsrunde unter der Moderation von Reto Lipp, hoch dekorierter SRF-Wirtschaftsjournalist. «Ich weiss es schlicht nicht», antwortete Thomas Vogt auf die Frage Lipps, ob die Inflation steigen wird. Weiter wurde über die Blockchain-Technologie gesprochen, die das Internet erneuern könnte. In der Blockchain werden Datenketten abgespeichert und dezentral, transparent und fälschungssicher ausgetauscht. Zum Beispiel auch Währungen, wie das Beispiel Bitcoin zeigt. Weil das Bankenwesen dadurch auf den Kopf gestellt werden könnte, will sich daran derzeit niemand die Finger verbrennen. Erst recht nicht im Bucheggberg. Das ist dann doch zu spekulativ. «Sehr interessant, aber Hände weg», lautete der Tenor.

Dafür wusste Anlageexperte Marco Fumasoli von der Investas AG Bern ganz genau, was er mit einer Million machen würde. «Auf die SLB bringen.» Das sei trotz Nullzinsen unter Umständen noch immer besser, als in Immobilien oder Aktien zu investieren. Bei der Spar- und Leihkasse Bucheggberg, da sprach er den Hundertschaften in der Turnhalle wohl aus dem Herzen, geht man im Zweifel lieber auf Nummer sicher, als alles auf eine Karte zu setzen.

«Kleiner Fehler mit verheerenden Folgen» Wie schnell sich die Welt verändern kann, wenn grosse Ziele durchkreuzt werden, zeigt die Geschichte von Daniel Albrecht. Die steile Karriere des früheren Spitzenskifahrers wurde mit dem fürchterlichen Sturz am Hahnenkamm-Zielsprung in Kitzbühel 2009 jäh beendet. Drei Wochen lag er im Koma. «Und dann war alles anders», so der Titel des Gesprächs mit Sascha Ruefer. Er schaue gerne in die Zukunft, setze sich hohe, beinahe unrealistische Ziele, um träumen zu können, sagte Albrecht. Immer schneller sei er auf den Ski unterwegs gewesen, und immer mehr musste er das Tempo kontrollieren. Als Abfahrer wisse man zwar, dass Unfälle möglich sind. Selber im Spital zu landen, daran denke aber niemand. Als Albrechts Sturz im Streif-Zielhang über den Bildschirm lief, ging ein Raunen durch die Turnhalle Lüterkofen. «Ein kleiner Fehler, aber mit verheerenden Folgen», kommentierte Albrecht. Verändert habe er sich deswegen nicht. Erst die Geburt seiner Tochter vor zehn Monaten habe ihn vorsichtiger werden lassen. Er wisse aber seit dem Unfall, dass nicht alles planbar ist. Die Parallelen zur Finanzwelt, sie lagen auf der Hand.

Sascha Ruefer interviewt Ex-Skifahrer Daniel Albrecht.

«Kleiner Fehler mit verheerenden Folgen» Wie schnell sich die Welt verändern kann, wenn grosse Ziele durchkreuzt werden, zeigt die Geschichte von Daniel Albrecht. Die steile Karriere des früheren Spitzenskifahrers wurde mit dem fürchterlichen Sturz am Hahnenkamm-Zielsprung in Kitzbühel 2009 jäh beendet. Drei Wochen lag er im Koma. «Und dann war alles anders», so der Titel des Gesprächs mit Sascha Ruefer. Er schaue gerne in die Zukunft, setze sich hohe, beinahe unrealistische Ziele, um träumen zu können, sagte Albrecht. Immer schneller sei er auf den Ski unterwegs gewesen, und immer mehr musste er das Tempo kontrollieren. Als Abfahrer wisse man zwar, dass Unfälle möglich sind. Selber im Spital zu landen, daran denke aber niemand. Als Albrechts Sturz im Streif-Zielhang über den Bildschirm lief, ging ein Raunen durch die Turnhalle Lüterkofen. «Ein kleiner Fehler, aber mit verheerenden Folgen», kommentierte Albrecht. Verändert habe er sich deswegen nicht. Erst die Geburt seiner Tochter vor zehn Monaten habe ihn vorsichtiger werden lassen. Er wisse aber seit dem Unfall, dass nicht alles planbar ist. Die Parallelen zur Finanzwelt, sie lagen auf der Hand.