Das Image der Gemeinde Gerlafingen könnte besser sein, denkt man. Hört man aber dem Planer zu, hat das Industriedorf Potenzial, eine vielgestaltige, überaus wohnenswerte Gemeinde zu werden – wenn sie denn sinnvoll weiterentwickelt würde. Martin Eggenberger vom Planteam S hatte die Aufgabe, dem Gemeinderat das Räumliche Leitbild vorzustellen. Es bildet die Grundlage für die Revision der Ortsplanung.

Der Druck ist gross. Investoren haben die Brachen Gerlafingens entdeckt. Das berichtete Bauverwalter Ewald Kaiser. Er nannte mehrere Hotspots wie beispielsweise das Bahnhofgebiet. Dort könne sich die BLS vorstellen, Bahnhofsareal zugunsten von Siedlungsgebiet abzutreten. «Es ist Zug im Kamin.» Die Leute würden warten und wollen aktiv werden. Er müsse jeweils vertrösten, denn eine Ortsplanungsrevision veranschlage zwei, bis drei Jahre. Werner Rutsch (FDP) wollte wissen, ob denn nun alles blockiert sei. «Sobald das Räumliche Leitbild abgesegnet ist, kann man auf einzelne Projekte, die die Leitsätze erfüllen, schon eingehen», so Kaiser.

Ein Dorf mit Rückgrat

Überraschend war, wo Planer Eggenberger den Gerlafinger Mut machte. Das Rückgrat der Gemeinde, auch geschichtlich betrachtet, sei die Strasse vom Stahlwerk bis zum Sackmooswald. Diese Ansicht ist nicht von der Hand zu weisen, insbesondere wenn in Zukunft die Nordumfahrung Gerlafingens realisiert werden könnte. Entlang der Hauptstrasse und der Kriegstettenstrasse ist ein Grossteil des lokalen Dienstleistungsangebots angesiedelt. Diese Konzentration markiere das Zentrum Gerlafingens. Das Rückgrat sollte gestärkt werden. Die Häuser entlang Bahnhof- , Haupt- und Kriegstettenstrasse sollten näher an die Strasse rücken und höher gebaut werden dürfen. Der Raum dazwischen würde damit klarer definiert, was dem Flaneur ein besseres Gefühl vermitteln würde.

Eggenberger erinnerte an die engen Gassen mit den hohen Häusern in Italiens Städten. «Mit mehr Nutzung erreicht man eine angenehmere Atmosphäre an der Hauptachse», ist er überzeugt. Das eigentliche Herz sei der Raum beim Coop und Kreisel. Dieser Raum könnte zu einem Platz ausgebaut werden.

Das Bahnhofgebiet soll prioritär entwickelt werden. «Dort haben wir eine grosse Chance, mit mehr Bebauung eine Qualitätssteigerung zu erhalten. Andernorts ist das nicht immer der Fall», so Eggenberger. Er könne sich einen Längsbau entlang der Schienen vorstellen, hinter dem Raum für Wohnnutzungen vorhanden ist.

Typisch für Gerlafingen seien relativ einheitliche Quartiere. So gibt es Einfamilienhausquartiere oder solche mit Mehrfamilienhäuser. Weiter finden sich Arbeitersiedlungen oder Quartiere für den gehobenen Bedarf (ehemalige Direktorenhäuser). In den beiden letztgenannten Quartieren gibt es viele Gebäude aus der Vergangenheit, die es zu bewahren gilt und die in neue Siedlungsstrukturen eingebunden werden sollen. Diese Zeugen der Vergangenheit seien die Schätze von heute.

Vom Gewerbe- zu Wohngebiet

Neben anderen wird auch das heutige Gewerbegebiet Zielmatten als Entwicklungsgebiet betrachtet. Dort verhängte der Gemeinderat eine Planungszone, um dem Gebiet ortsplanerisch eine neue Entwicklung verpassen zu können. Aktuell geht man von einer Dreitteilung des Gebiets aus, mit einem Übergang von reiner Wohnnutzung zu einer Mischnutzung und zu einem letztlich verkleinerten reinen Gewerbegebiet.

Ebenfalls in den Fokus der Überlegungen der Planer ist der nahe Sackmooswald geraten. Dieser liegt inmitten des Siedlungsgebietes, spiele als Naherholungsgebiet der Gemeinde aber keine grosse Rolle. Martin Eggenberger könnte sich gut vorstellen, den Wald in eine Art Park umzugestalten. Die Ausführungen des Planers wurden im Gemeinderat einstimmig positiv beurteilt. Es folgt nun eine Mitwirkungsphase für die Bevölkerung inklusive einem Informationsanlass.