«Wir verstehen die Aufregung nicht.» Franziska Rohner ist Präsidentin der SP Biberist. Die Partei will dieses Jahr ein Zelt an der Kilbi betreiben. «Wir werden Köfte mit Brot und Tzatziki sowie Getränke anbieten.» Der Vertrag sei in der Zwischenzeit unterschrieben und retourniert worden.

Gar nicht einverstanden damit ist die SVP Biberist. Sie hat am Montagabend einen dringlichen Auftrag im Gemeinderat eingereicht mit dem Titel «Der Verpolitisierung der Kilbi Einhalt gebieten.» Die Kilbi sei ein Traditionsanlass in Biberist, der sich grosser Beliebtheit erfreue und einen festen Platz im Dorfkalender habe. Die Kilbi werde, so steht es im dringlichen Auftrag «durch die Kilbi-Kommission in Kooperation mit Privaten organisiert und durchgeführt». Zudem werde die Kilbi durch die Präsenz der lokalen Vereine bereichert, welche mit ihren Ständen und Beizlis ihre Vereinskassen aufbessern können. «Die Kilbi ist nicht der richtige Ort, um als politische Partei Werbung zu machen», findet SVP-Gemeinderat Markus Dick. Man könne damit argumentieren, dass eine Partei auch ein Verein sei. «Aber das ist spitzfindig. Eine politische Partei und ein Turnverein sind nun wirklich nicht dasselbe.»

Doppelt profitieren?

Stossend ist für Dick zudem, dass die Parteien, die in Biberist im Gemeinderat vertreten sind, einen finanziellen Beitrag von der Gemeinde erhalten. Die Kilbi werde ebenfalls von der Gemeinde unterstützt, und nun wolle eine Partei sozusagen doppelt profitieren und an der Kilbi auch noch Geld verdienen, und damit die Einnahmen für alle anderen Vereine schmälern. Dick ist überzeigt, dass es Biberister gibt, die nicht mehr an die Kilbi kommen werden, wenn die SP tatsächlich ein Zelt betreiben wird.

Konrad Gisler ist Präsident der Kilbikommission. Er bestätigt, dass sich die SP dafür interessiert, ein Zelt zu betreiben. «Bisher war die Kilbi politisch neutral», so Gisler. Innerhalb der Kilbi-Kommission stand man der Anfrage der SP deshalb eher verhalten ablehnend gegenüber. «Dann haben wir die Anfrage aber schriftlich erhalten, mit dem Hinweis darauf, dass es kein Reglement gebe, dass die Teilnahme der SP verbiete.» Das sei tatsächlich so, erklärt Gisler. Man habe die Kilbi seit Jahrzehnten problemlos ohne schriftliches Reglement organisiert. Für Gisler ist klar, dass die Kommission dem Gesuch der SP entsprechen muss, wenn diese das unbedingt will, da es keine rechtliche Grundlage gebe, die ein «Nein» erkläre. «Ich habe der SP aber mitgeteilt, dass wir die anderen politischen Parteien über das Vorhaben informieren.» Gisler dementiert, dass der Vertrag für das Zelt bereits unterschrieben ist. «Wir haben am Montagabend den Mustervertrag unterschrieben zurückbekommen. Die Kommission hat ihn aber noch nicht gegengezeichnet.» Die Kilbikommission habe zudem deutlich gemacht, dass keinerlei politische Werbe- oder Wahlplakate aufgehängt werden dürfen.

Keine Plakate

«An diese Vorgaben werden wir uns natürlich halten», erklärt Franziska Rohner auf Anfrage. Immerhin findet die Kilbi rund sechs Wochen vor den National- und Ständeratswahlen statt, für die auch Mitglieder der SP Biberist kandidieren. Auch beim Kinderfest, das jeweils am Kilbisonntag durchgeführt wird, sei politische Werbung tabu, obwohl auch dort politische Parteien bei der Durchführung mithelfen.

Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann, selbst auch Mitglied der SP, will den dringlichen Auftrag bereits im nächsten Gemeinderat traktandieren. «Mir ist klar, dass die Kilbi nicht für politische Propaganda missbraucht werden soll.» Er ist allerdings der Meinung, dass es der SP wie jedem Verein in Biberist freistehe, an der Kilbi ein Zelt zu betreiben.

Nochmals überdenken?

«Die Kilbi ist da, um sich zu vergnügen. Die Menschen wollen sich unterhalten und verpflegen», erklärt Manuela Misteli (FDP) auf Anfrage. Bisher hätten sich die Parteien in Biberist in Form eines «Gentleman’s Agreement» daran gehalten, die Kilbi nicht als Werbeplattform zu nützen. «Wir finden es schade, dass wir nun über eine Reglementierung nachdenken müssen, in einer Zeit in der es sonst schon eine Flut von Reglementen gibt.» Die FDP würde es deshalb begrüssen, wenn die SP ihr Vorhaben nochmals überdenken und den Antrag ein Zelt zu betreiben, zurückziehen würde.

Vonseiten der CVP konnte leider kein Statement eingeholt werden.