Lohn-Ammannsegg

Darf die Gemeinde so wachsen, wie sie es wünscht?

Lohn-Ammannsegg will in der laufenden Ortsplanungsrevision den Seeacker einzonen?

Die Pläne der Ortsplanungsrevision sind gezeichnet. Nun kann die Bevölkerung mitwirken.

Prognosen, wie stark eine Gemeinde wachsen wird, klaffen oft weit auseinander. Fast jede Gemeinde will wachsen und ortet meist viel Potenzial. Der Kanton aber schränkt meist ein aufgrund der neuen Gesetze in der Raumplanung. Er kontengiert und setzt Schwerpunkte.
Für Lohn-Ammannsegg erwartet das Team, das die Ortsplanungsrevision bearbeitet, eine Einwohnerzahl von 3360 bis ins Jahr 2035, gestützt auf das 2012 von der Bevölkerung erarbeitete Räumliche Leitbild (1 Prozent Zuwachs jährlich). Der Kanton prognostiziert 2900 Einwohner. Ende 2018 zählte Lohn-Ammannsegg insgesamt 2817 Einwohnerinnen und Einwohner. In den letzten 15 Jahren betrug der Zuwachs gut 300 Personen.

«Die aktuelle Bautätigkeit überholt die Prognosen.»

Raumplanerin Selina Bleuel, die die Ortsplanungsrevision begleitet und zugleich in Lohn-Ammannsegg aufgewachsen ist, kann an der Medienorientierung Gründe aufzählen, die für die eigene hohe Prognose sprechen. «Lohn-Ammannsegg ist als Standort attraktiv, die Wohnqualität ist hoch, es sind gute öV-Verbindungen vorhanden. Die aktuelle Bautätigkeit überholt die kantonalen Prognosen.» Weiter sei die Nachfrage beispielsweise aus dem Bucheggberg vorhanden. Und nicht zuletzt betreibe die Gemeinde eine aktive Bodenpolitik, besitze Land und könne mit ihren unbebauten Flächen steuernd in die Wohnbautätigkeit eingreifen.

«Entwicklung nicht möglich ohne Seeacker»

Dennoch fragt sich, ob der Kanton ein Filetstück der aktuellen Revision genehmigen wird: die Einzonung der heutigen W2-Reservezone Seeacker. Dieses Landstück im Dorfteil Ammannsegg ist 11 229 Quadratmeter gross. Mit einem Gestaltungsplan sollen 34 Wohneinheiten darauf Platz finden. «Wir gehen davon aus, dass unsere geplante Entwicklung nicht möglich ist ohne diese Einzonung», erklärt Gemeindepräsident Markus Sieber. Aber der Kanton habe sich in der Vorprüfung skeptisch gezeigt und weitere Argumente gefordert. «Wir haben die Rückmeldung des Kantons ernst genommen und darauf reagiert», so Sieber. Immerhin würde die Einzonung nicht am Siedlungsrand des kompakten Dorfes erfolgen, sondern inmitten eines bestehenden Quartiers.

Um die eigene Prognose zu erreichen, soll aber auch verdichteter gebaut werden können. Dazu wurde eine Quartieranalyse in Auftrag gegeben. Auch wenn man sich nicht immer einig gewesen sei mit den Autoren des Fachberichtes, habe man Empfehlungen für die Zonenvorschriften aufgreifen können, so Bleuel. Verdichteter bauen werden die Grundbesitzer nun fast überall können, aber: «Wir können niemanden dazu zwingen.» Die bisherige W2-Zone soll in zwei Bereiche aufgeteilt werden. Im einen Bereich darf weniger dicht gebaut werden. Mehrfamilienhäuser sind dort beispielsweise nicht möglich. «Wir hatten ein paar unschöne Beispiele», sagt Sieber. Dafür wird andernorts neu eine W3-Zone definiert, die grössere Bauten zulässt.

In der Kernzone Lohn habe man die Vorschriften verschärft. Die beiden Hosteten dort gehören der Gemeinde und bleiben bestehen. Sie seien wichtig für den Charakter des Dorfbildes. Ein anderes Filetstück der Revision ist das Bahnhofgebiet. Hier wird die Wohnnutzung gefördert.
Die nun eingeläutete Mitwirkungsphase dauert bis Weihnachten. Am Montagabend wird ein Informationsanlass durchgeführt. Eine Ausstellung ist im Gemeindehaus eingerichtet, und Fragerunden sind am 14. November und am 4. Dezember vorgesehen. Die Behörden hoffen auf möglichst grosse Mitwirkung, damit die Probleme rechtzeitig erkannt werden können und Einsprachen in der Auflage im kommenden Jahr möglichst vermieden werden können.

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