Seit letzten Dezember produziert die Druckerei Herzog AG in Langendorf selbst Strom und verbraucht diesen tagsüber für den Betrieb ihrer Maschinen. 140 Panels wurden auf dem Dach installiert, die Gesamtleistung beträgt 42,7 kWp (Kilowatt Peak). Damit spart die Druckerei nicht nur bei den Stromkosten – sie hat auch neue Kunden gewonnen und zwar solche, die darauf achten, dass ihre Geschäftspartner sich ökologisch verhalten. «Es gibt sogar Firmen, die ihre Druckaufträge nur an Druckerei vergeben dürfen, die nachweislich etwas für die Umwelt tun. «Ein FSC-Zertifikat, wie wir es haben, ist dabei aber nicht genug.»

Die Partner des «KMU-Programm, Regionale Energie-Effizienz-Plattform Solothurn» fanden den Ansatz interessant und luden in die Druckerei ein, um das Projekt auch anderen Gewerblern vorzustellen. «Offenbar interessiert die Photovoltaik-Anlage», konstatierte Andreas Gasche (Kantonal-solothurnischer Gewerbeverband) bei der Begrüssung. «Normalerweise sehen wir uns bei diesen Anlässen Firmen und Produkte an, die uns dabei helfen, selbst energieeffizienter zu werden.» Dass mit umweltfreundlichem Verhalten neue Kunden gewonnen werden, sei ein neuer und interessanter Aspekt.

Mit der Zeit gehen

Die Druckerei Herzog gibt es seit 1967. Gegründet wurde sie durch Paul und Greti Herzog in Solothurn. Seit dem Jahr 2000 hat sie ihren Firmensitz in Langendorf an der Gewerbestrasse. 16 Personen arbeiten im Betrieb, davon sind drei Lehrlinge. «Neben den üblichen Aufträgen, die eine Druckerei ausführt, betreiben wir auch noch einen kleinen Schulverlag», erklärte Geschäftsleiter Christian Herzog. Deshalb würden noch weitere Personen im Hintergrund für die Druckerei arbeiten.

Familie Herzog versuchte immer, neue Technologien zu nutzen. 1974 wurde die erste Fotosatzanlage angeschafft, 1992 der erste Macintosh, 2009 die Fünffarbendruckmaschine, ab 2011 kam der Digitaldruck und 2013 eine Druckmaschine, die die Farbe mittels UV-Licht trocknet und härtet. «Seit 2010 können wir unsere Maschinen
zudem via Computer oder Natel überwachen.»

Neben der stetigen Modernisierung versuchte man im Familienbetrieb auch, Rohstoffe wiederzuverwerten, wie Christian Herzog erklärte. «Wir brachen in unserem Metier Papier und damit Rohstoffe, darum rezyklieren wir fast alles.» Selbstverständlich werde Altpapier gesammelt, aber auch Plastik werde separiert oder die Handschuhe, die man bei der Arbeit braucht. «Die Photovoltaikanlage passt deshalb gut zu unserer Firma.» Nach ersten Diskussionen habe man sich recht schnell dazu entschieden, in das «Sonnendach», wie Christian Herzog es gerne nennt, zu investieren. Verdienen könne man damit zwar nicht, so Herzog. Aber es sei interessant zu sehen, wie viel Strom man effektiv produziere und dass man ihn selbst verbrauchen könne.

Stromspitzen brechen

David Nydegger (Genos Energie AG) zeigte auf, wie man vorgeht, wenn man eine Anlage, wie diejenige in Langendorf plant und realisiert. Mit einer speziellen Software simuliere man die optimale Grösse. «Hier in Langendorf hätte das Dach noch etwas grösser sein dürfen», meinte Nydegger. Die Druckerei Herzog verbraucht den Strom, den sie produziert, zu 100 Prozent selbst. Es sei aber nicht so, dass man eine Anlage überdimensioniere, nur weil genug Platz für Solarpanels vorhanden sei.

Nydegger zeigte auch ganz konkrete Zahlen. «Die Zahlen sind echt, es sind aber nicht die Zahlen der Druckerei Herzog», meinte er. Die Beispielfirma zahlte pro Jahr 44 464 Franken Stromkosten. «Die Solaranlage ist interessant, weil man damit die teuren Stromspitzen brechen kann», so Nydegger. Und genau damit könne man Kosten sparen. Im aufgezeigten Beispiel sind es 15,8 Prozent. Damit amortisiere sich die Anlage in 12 Jahren.