Obergerlafingen

Damit sie die 14 Hunde behalten können: Husky-Narren räumen das Feld

Ein Abgang mit Nebengeräuschen: Pascale und Raymond Krause mit Husky-Rüde Forest. Die 13 anderen Hunde sind im Haus im Hintergrund.

Ein Abgang mit Nebengeräuschen: Pascale und Raymond Krause mit Husky-Rüde Forest. Die 13 anderen Hunde sind im Haus im Hintergrund.

Die Familie Krause aus Obergerlafingen müsste am 17. April 10 ihrer 14 Huskys abgeben, weil sie zu viele Hunde hat. So weit kommt es aber nicht: Nach 14 Jahren im Dorf zieht die Familie weg - nicht ohne Vorwürfe gegen die Baukommission zu erheben.

In neun Tagen läuft die Gnadenfrist ab. Dann werden 10 Huskys der Familie Krause abgeholt. «Beschlagnahmt», sagt Pascale Krause. Mit Rücksicht «auf die öffentliche Sicherheit» beantragt die Obergerlafinger Baukommission dem Oberamt, dass die überzähligen Hunde möglichst rasch abgeholt werden. Pascale Krause will sich nicht ausmalen, was dann mit ihren Hunden passiert. «Wahrscheinlich kommen sie in ein Tierheim.» Die beiden körperlich behinderten Huskys, so glaubt sie, werden eingeschläfert. Seit die Baukommission beschieden hat, dass in der Wohnzone nur vier Hunde pro Halter erlaubt sind, sind Krauses in Zugzwang. Die Kommission stützt sich dabei auf einen älteren Bundesgerichtsentscheid.

14 Hunde hält die Familie in ihrem Haus an der Waldstrasse. Derzeit sind es mit Welpen sogar 18 Vierbeiner. Beschwerden beim kantonalen Bau- und Justizdepartement gegen den Entscheid der Baukommission sowie beim kantonalen Verwaltungsgericht blieben ohne Erfolg. Schliesslich gelangten Krauses im Kampf um ihre Tiere ans Bundesgericht – ebenfalls vergeblich. Die Bundesrichter waren erst gar nicht auf die Beschwerde eingetreten.

Gerlafinger haben zu viele Hunde. Müssen 10 Huskys sterben?

Gerlafinger haben zu viele Hunde. Müssen 10 Huskys sterben? So berichtete «Tele M1» Ende Februar 2015.

Schon am 1. Mai wollen sie weg

Dass die Hunde am 17. April abgeholt werden – so weit wollen es die Husky-Narren nicht kommen lassen. Den Antwortbrief ans Oberamt haben sie aufgesetzt. Darin müssen sie schreiben, wie sie den Hundebestand auf höchstens 4 begrenzen wollen. Für Krauses ist klar: In Obergerlafingen haben sie nach 14 Jahren keine Zukunft mehr. Seit 4 Jahren halten sie Huskys. Angefangen hat es mit zwei Tieren, immer mehr kamen dazu. Vor zwei Jahren brach der Streit mit einem Nachbarn los, dem die Hunde ein Dorn im Auge seien. Nach verschiedenen Vorkommnissen erstatteten Krauses eine Anzeige, weil sie eine Gefährdung «für Mensch und Tier» befürchteten.

Auf der Suche nach einem neuen Wohnort waren sie jetzt erfolgreich: In Zollbrück BE hat die Familie mit vier Kindern ein neues Daheim in Aussicht. «Wir haben abgeklärt, ob die Haltung von 14 Hunden dort ein Problem darstellt», sagt Raymond Krause. «Es ist problemlos möglich.» Schon per 1. Mai will die Familie umziehen.

«Wir wären gerne hiergeblieben, uns ist es wohl», sagt Pascale Krause. Ihre Eltern wohnen in Gerlafingen. Eine Tochter kommt in die neunte Klasse, eine andere schliesst demnächst ihre Lehre ab. Für die Kinder sei ein Umzug in einen anderen Kanton derzeit nicht ideal.

Im Ausstand oder nicht?

Dass die Baukommission das Baugesuch für die Haltung ihrer Hunde abgelehnt hat, ist für Krauses nur schwer nachvollziehbar. Zudem werfen sie einem Kommissionsmitglied vor, der überdies ein direkter Nachbar Krauses ist, die Ausstandspflicht verletzt zu haben. Als die Baukommission das Gesuch behandelt habe, habe sich dieser zwar der Stimme enthalten. Doch den Raum habe er nicht verlassen. Dies habe der Baukommissionspräsident bei einem Augenschein einer Vertreterin des Bau- und Justizdepartements bestätigt. «So konnte er seine Kollegen beeinflussen.» Heikel ist, dass die Anzeige von Krauses auf eben jenen Nachbarn zielte, der in der Baubehörde sitzt.

Nun steht im Gemeindegesetz zwar nicht ausdrücklich, dass ein Behördenmitglied den Raum verlassen muss, wenn er in den Ausstand tritt. Gemäss André Grolimund, Chef im kantonalen Amt für Gemeinden, sei dies aber wörtlich so zu verstehen. «Wir instruieren die Behördenmitglieder auch entsprechend.» Dass eine Person im Ausstand bei der Behandlung eines Geschäfts im Raum bleibe, entspreche nicht den Empfehlungen des Amtes.

Baukommissionspräsident Urs Loosli will zum Fall keine Stellung nehmen. Er sagt aber, dass der Entscheid der Behörde einstimmig war. «Ob er im Raum war oder nicht, hatte auf die Entscheidfindung überhaupt keinen Einfluss. Die Faktenlage ist klar.» Da spreche das Bundesgericht eine deutliche Sprache.

Meistgesehen

Artboard 1