2007 war Halten letztmals von einem Hochwasser betroffen. Dabei wurden die Keller von drei Häusern im Mülimattquartier unter Wasser gesetzt. «Die restlichen Häuser konnten wir glücklicherweise schützen», erinnert sich Christoph Moser (Gemeinderat, Ressort Bau). Auch im Januar dieses Jahres stand die Oesch hoch. Wenige Zentimeter fehlten, dann wäre der Bach wieder über die Ufer getreten. 2019 soll die Hauptstrasse in Halten, über die Gemeindegrenzen weiterführend, bis hin zum Coop in Kriegstetten, saniert werden.

Herzstück des Bauprojektes ist die Oeschbrücke, die abgerissen und neu erstellt wird. Gleichzeitig werden auch bestehende Betonmauern im Bachbord abgerissen. Mit der Sanierung wollen die zuständigen kantonalen Behörden den Querschnitt der Oesch verbreitern und die Durchflusskapazität im Hochwasserfall um das drei- bis vierfache verbessern. Damit verdoppelt sich auch die Spannweite der neuen Brücke im Vergleich mit heute.

Verantwortung der Gemeinde

Ins Bauprojekt mit einbezogen wurde auch die Mülimattbrücke. Diese Brücke gehört in die Zuständigkeit der Gemeinde. Werden Massnahmen realisiert, sind diese deshalb auch durch die Gemeinde zu bezahlen. Vonseiten des Ingenieurbüros BSB+Partner wurden, angelehnt an das Strassenbauprojekt und in Zusammenarbeit mit dem Kanton, zwei Varianten vorgeschlagen. Variante 1: Aufweitung des Bachbettes ab der Oeschbrücke bis zu Gebäude Nr. 6 (Massnahmen auf einer Länge von 135 Metern) und Variante 2: Aufweitung des Bachbettes ab der Oeschbrücke bis zirka 25 Meter oberhalb der Mülimattbrücke (Massnahmen auf einer Länge von 77 Metern).

Bei beiden Varianten würde auf der rechten Seite in Fliessrichtung der Oesch eine neue Stützmauer direkt entlang der Kantonsstrasse erstellt. Zudem müsste die Mülimattbrücke in der Höhe und auch im Querschnitt angepasst werden. Die Kosten für die Gemeinde würden sich je nach Variante auf einen Betrag zwischen 454 000 bis 683 000 Franken belaufen.

Finanziell nicht tragbar

Der Gemeinderat Halten hat in der Zwischenzeit entschieden, vorderhand auf bauliche Hochwasserschutzmassnahmen bei der Mülimattbrücke zu verzichten. «Wir haben die Situation sorgfältig abgewogen», erklärt Gemeindepräsident Beat Gattlen. «Natürlich wollen wir nicht, dass die Haltner nasse Füsse bekommen.» Man habe deshalb Unterhalt und Pflege des Bachbordes der Oesch intensiviert. Zusätzlich werde die Bachsohle baldmöglichst ausgebaggert. «Damit wird der Durchfluss für die Oesch ebenfalls verbessert.» Die Massnahmen, die vonseiten des Kantons vorgeschlagen wurden, seien auf ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser ausgelegt.

Wenn man sich den Perimeter ansehe, den die Oesch bei den letzten Hochwassern hatte, dann sehe man, dass die Überschwemmungen jeweils wesentlich geringer waren. Christoph Moser bestätigt diese Ausführungen. 2007 habe man von einem Zehn-Jahres-Hochwasser gesprochen. Moser macht zudem darauf aufmerksam, dass Massnahmen in Halten voraussichtlich Auswirkungen in Kriegstetten nach sich ziehen würden. «Wird die Stützmauer wie projektiert gebaut, läuft das Wasser bei uns mit viel Tempo weiter, tritt dann aber vermutlich auf der Höhe des ehemaligen Kinderheimes über die Ufer.» Das könne nicht das Ziel sein. Sinnvoller wäre es, wenn das Wasser auf dem angrenzenden Landwirtschaftsland versickern könne.

«Die Kosten, die wir zu tragen hätten, wären zudem immens. Das würde rund 25 Steuerprozent ausmachen. Damit hätten wir den höchsten Steuerfuss im ganzen Kanton», erklärt Gattlen weiter. Die Mülimattbrücke habe noch eine Lebensdauer von rund 20 Jahren. Man wolle die Brücke deshalb sanft sanieren, was zwischen 20 000 bis 50 000 Franken kosten dürfte. Gleichzeitig soll die Brücke leicht angehoben werden.

Strasse verändert sich kaum

Mit dem Entscheid in Sachen Hochwasserschutz kann der Kanton nun das Strassensanierungsprojekt weiter vorantreiben. In den Grundzügen ist es vorbereitet. Über die Details wird der Gemeinderat Halten Ende Juni informiert. Sicher ist, dass der Strassenquerschnitt, wie er heute vorliegt, kaum verändert wird. Die Strasse werde tendenziell eher ein bisschen schmäler, so Peter Portmann (Amt für Verkehr und Tiefbau). Gerechnet wird mit einer Strassenbreite von 6,70 Metern und einem 2 Meter breiten Trottoir.

Nach der Sanierung soll der Querschnitt der Strasse homogener wirken, als das heute der Fall ist, wo es an diversen Orten Aufweitungen bis zu einer Breite von 9 Metern hat. Vorgesehen wäre, die Bushaltestelle «Käserei» um wenige Meter nach Osten zu verschieben und sie an die heutigen Vorgaben anzupassen. Damit wäre die Haltestelle neu beispielsweise auch behindertengerecht. Zusätzlich wäre, so Peter Portmann, die Verlängerung des bestehenden Trottoirs in Richtung Kriegstetten wünschenswert. «Das sind bisher erst Ideen. Bevor das Bauprojekt aufgelegt wird, werden wir mit Anstössern, betroffenen Grundeigentümern und der Gemeinde das direkte Gespräch suchen.»

Der Gemeinderat müsse sich zudem Gedanken darüber machen, ob die Gemeinde die Bauzeit nützen will, um gleichzeitig Leitungssanierungen auszuführen. Mit der Elektra, Swisscom, GAW und dem Zweckverband Wasserversorgung äusseres Wasseramt habe man bereits Kontakt aufgenommen, so Thomas Mühlethaler (Ingenieur, BSB+ Partner).

Mühlethaler rechnet mit einer Bauzeit von rund einem Jahr. In dieser Zeit muss der Verkehr umgeleitet werden, weil die Brücke nicht befahrbar ist. Für den Schwerverkehr müsse vermutlich eine andere Lösung, sprich eine grossräumige Umfahrung, gesucht werden. «Dafür können wir sozusagen im Schatten des Brückenneubaus mit den beiden Strassenstücken schnell vorwärtsmachen. Trotzdem werden alle viel Geduld brauchen», so Mühlethaler.

Denn 2019 wird auch die Hauptstrasse in Derendingen saniert. Und zurzeit sei das Wasseramt zusätzlich bereits betroffen von der Baustelle in Gerlafingen.