Flumenthal

Chef über erfolgreichen Gipser: «Die Medaille an der Berufs-WM hat er sich hart erarbeitet»

Martin Wyss freut sich über den Erfolg seines Mitarbeiters Loris Glauser.

Martin Wyss freut sich über den Erfolg seines Mitarbeiters Loris Glauser.

In der Firma Viktor Wyss AG in Flumenthal freut man sich über den Erfolg von Mitarbeiter Loris Glauser an den Berufsweltmeisterschaften in Kazan.

In den letzten acht Monaten drehte sich für Loris Glauser alles um die World Skills. Seit Anfang Jahr trainierte er intensiv. Auf die Unterstützung seines Betriebs konnte er zählen. «Viel gesehen haben wir ihn aber nicht», sagt Martin Wyss, Mitinhaber Viktor Wyss AG in Flumenthal. Zwischen Arbeitgeber und Teilnehmer gab es ein spezielles Abkommen. «Wenn er Zeit hatte, konnte er bei uns arbeiten», erklärt Wyss. Meistens war Loris aber im Betrieb seines Experten Rudolf Mösching in Gstaad. Dazu kamen Medientermine und Trainings mit der Mannschaft.

«Er ist sehr ehrgeizig und pflichtbewusst», beschreibt der Chef seinen Mitarbeiter, der seit August 2017 im Betrieb tätig ist. Seinen Plan habe er gnadenlos durchgezogen und bis zum Schluss hart trainiert. In der Woche vor dem Flug nach Kazan hatte er noch offizielles Training. «Und noch da hat er zuhause trainiert, um vielleicht noch die eine oder andere Minute rauszuholen», so Wyss. Der Zeitfaktor sei stets das Problem bei solchen Wettbewerben.

Überzeugendes Freestyle

Vier Tage widmete sich Loris Glauser seiner Aufgabe. In dieser Zeit musste eine Arbeit umgesetzt sowie ein Kurzwettbewerb und in den letzten beiden Stunden eine Freestyle-Aufgabe, die auf Kazans Wahrzeichen abgestimmt war, absolviert werden. Auf letztere konnte er sich in der Schweiz vorbereiten. «Die Giessform für die drei Türme hat er aus Silikon-Kautschuk gemacht und mitgenommen», erklärt Martin Wyss. Im Wettbewerb füllte er dann die Form mit Gips und setzte das Ganze zusammen. Dazu kam noch ein Sockel. «Die Zeit ist mega knapp», weiss Wyss. Das Ziel sei gewesen, das Trainierte umzusetzen und keine Fehler zu machen.

Loris selbst hatte mitten im Wettbewerb kein so gutes Gefühl. Am Schluss reichte es dennoch für den dritten Rang und das Podest. In der zweiten Hälfte musste es also viel besser gelaufen sein. Wyss glaubt, dass die Freestyle-Aufgabe Loris weit nach vorne brachte. Schon bei den Swiss Skills habe der 22-Jährige damit den Wettkampf entschieden.

«Positive Überraschung»

Während des Wettbewerbs hatte der Chef vor allem mit den Eltern Kontakt. Loris liess man in Ruhe, damit er sich komplett auf die World Skills konzentrieren konnte. «Der Vater war immer vorsichtig mit seiner Prognose und hatte die starken Russen, Chinesen und Koreaner im Blick», so Wyss. Die Bronzemedaille sei daher eine positive Überraschung. «Das hat er sich hart erarbeitet.»

Loris Glauser lernte zuerst Maler und machte danach die Ausbildung zum eidgenössisch-diplomierten Gipser-Trockenbauer EFZ als Zusatzlehre in einem Berner Betrieb. Diese dauert ein Jahr weniger als die normale Ausbildung. «Deshalb fehlt ihm gegenüber anderen ein Jahr Praxis», so Wyss. Loris habe daran gearbeitet, dieses Manko aufzuarbeiten.

Die Viktor Wyss AG stellte dem gelernten Maler und Gipser-Trockenbauer einen Arbeitsplatz zum Üben zur Verfügung. «Dort lernen wir auch mit unseren Lernenden für Prüfungen», so Martin Wyss.

Er schätz Glauser sehr. «Es macht mega Spass mit ihm.» Sein «welscher Touch» tue dem Betrieb gut. «Er ist immer fröhlich und aufgestellt und bringt eine gewisse Lockerheit mit.» Das bedeute aber nicht, dass er es weniger ernst nehme, betont der Geschäftsleiter. Dass er sich reinkniet, hat er an und vor den World Skills in Kazan eindrücklich bewiesen.  

Loris Glauser arbeitet an den WorldSkills 2019 in Kazan

Loris Glauser arbeitet an den WorldSkills 2019 in Kazan

Keine Roboter

Am Donnerstag fliegt Loris Glauser zurück in die Schweiz. Am Montag erwartet ihn sein Chef wieder im Betrieb. «Momentan ist die Hölle los und wir sind froh um jeden Arbeiter, den wir einsetzen können», so Wyss. Es tue dem Medaillengewinner sicher nicht schlecht, wieder einmal eine Baustelle zu sehen, witzelt er. Wenn Loris noch Erholung braucht, kann er das melden.

Martin Wyss ist stolz auf seinen erfolgreichen Mitarbeiter. Bessere Werbung für das Handwerk gebe es nicht. Ihn freue der Erfolg einerseits als Lehrbetrieb, andererseits als Mitglied im Zentralvorstand des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands. 

Dem Verband ist es wichtig, solch erfolgreiche Handwerker zu unterstützen. «Wir kämpfen stark für die Berufslehre und brauchen Leute wie Loris.» Im Kanton Solothurn würden pro Lehrjahr vier bis sechs Lehrlinge ausgebildet. Es sei wichtig, den Beruf weiterzuentwickeln. Es brauche Leute, die Weiterbildungen geben und Betriebe übernehmen könnten. «Denn Gipser kann man nicht durch Roboter ersetzen.»

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