Nächstes Jahr feiert die Kappelle St. Josef in Recherswil ihren 300. Geburtstag. Die Kapelle wurde von einem Fräulein Diessbach aus Bern gestiftet und etwa 1715 erbaut. Das damalige Glöcklein wurde mit dem Leiterwägeli von Zürich nach Recherswil transportiert. Man sieht der Kapelle das Alter nicht an. Dass dies so ist – und auch bleiben soll – ist unter anderem das Verdienst des Kultusvereins Recherswil-Obergerlafingen. Dieser Verein wurde eigens zur Erhaltung, Behütung und Bewahrung der Kapelle am 26. Januar 1928 in Recherswil gegründet. Kurz darauf, am 19. April 1928, wurde die Kapelle St. Josef schenkungsweise von der Gemeinde Recherswil an den Kultusverein abgetreten. Zu dieser Zeit organisierte der Verein unter anderem auch Familienabende.

Doch schon bald prägte der Zweite Weltkrieg das Vereinsleben. So wurden vom 11. April 1943 bis zum 21. Februar 1946 keine Vorstandssitzungen abgehalten, da sich alle Männer im Militär befanden.

Offen für die ganze Bevölkerung

Noch heute kümmert sich der Kultusverein mit viel Engagement um die Kapelle. Der Verein zählt knapp 100 Mitglieder, wovon rund 25 regelmässig an der Generalversammlung anwesend sind. Eigentlich eine stolze Zahl. Trotzdem hat die Präsidentin Christa Havelka Sorgen: «Uns fehlen in unseren Reihen einfach Mitglieder der jüngeren Generation.»

Obwohl die kleine Kapelle nur rund 25 Sitzplätze hat, darf sie sich immer wieder auch für spezielle Anlässe herausputzen. Hochzeiten fanden bereits darin statt, diverse Taufen und sogar eine goldene Hochzeit, wie Havelka erzählt. Ein wichtiger Tag ist auch der 19. März: Am Josefstag gibt es in der Kapelle immer eine Feier zu Ehren des Schutzheiligen. Gerne macht der Kultusverein auch beim Dorfadventskalender mit. Jeweils am 24. Dezember wird in der Kapelle eine Krippe aufgestellt, die danach bis 6. Januar tagsüber besichtigt werden kann. Anders als sonst oft üblich, werden die Besucher des Adventsfensters zwar nicht mit einem Umtrunk beglückt, sondern sie erhalten ein Licht, das sie auf dem Heimweg – und darüber hinaus – begleiten soll. Viele Dorfbewohner werden in diesem Jahr die Gelegenheit nutzen, um wieder mal einen Blick in die kleine Kapelle werfen zu können. In die frisch renovierte Kapelle.

Glocken läuten das neue Jahr ein

Das «Chappeli» erhielt unter der Leitung des Kultusverein-Kassiers Beat Jäggi-Hauser im Herbst ein sanftes Facelifting. Die Fassade wurde neu gestrichen, das Glockenseil ersetzt und der Umschwung leicht angepasst. Im Innern wurden die Wände und Decke neu gestrichen. Zudem wurden das Kruzifix sowie die Heiligenfiguren aufgefrischt. Besonders glücklich ist der Kultusverein über die neue Türe: Eine Eichentüre mit einer programmierbaren Schliessvorrichtung. «Die Kapelle ist tagsüber immer geöffnet. Dank der neuen Tür müssen wir vom Verein aber nun nicht mehr jeden Tag die Tür auf- und zuschliessen gehen», erklärt die Präsidentin Christa Havelka sichtlich erleichtert.

Der Kultusverein setzt sich mehrheitlich aus Senioren zusammen. Und so versucht man, den Aufwand so zu halten, dass es für alle noch Freude macht. Trotzdem wird aber noch wöchentlich die Glocke geläutet: immer anlässlich des Gottesdienstes, der jeweils donnerstags von 8.30 bis 9 Uhr stattfindet. In der Nacht von Silvester auf Neujahr um Mitternacht läutet zudem die Sakristanin Susanne Graber das neue Jahr ein. «Und gleichzeitig auch ihren Geburtstag», erzählt Christa Havelka.

Der Abschluss der Umbauarbeiten im Herbst wurde nicht gross zelebriert. Gefeiert wurde lediglich ein Einsegnungs-Gottesdienst. Hingegen das 300-Jahr-Jubiläum soll 2015 mit einem richtigen Fest gewürdigt werden. Wann genau dieses stattfinden soll, steht noch nicht fest.