Bucheggberg
«Buur on Tour»: das Gemüse-Abo für jedes Portemonnaie

Der Pöstler bringt Gemüse und Früchte direkt nach Hause? Ja, das geht. Möglich machts das Projekt «Buur on Tour». Auch fürs kleine Budget gibts so frisches Gemüse auf den Tisch.

Beatrice Kaufmann
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Nicole Stuber und Andre Ziegler füllen die Taschen mit der Frischware.

Nicole Stuber und Andre Ziegler füllen die Taschen mit der Frischware.

Beatrice Kaufmann

Hofladen, Schlafen im Stroh, Lama-Trekking – Landwirte müssen heute immer mehr vom traditionellen Kerngeschäft abrücken und viel Kreativität zeigen, damit sie über die Runden kommen. Das bestätigen auch Andre Ziegler und seine Partnerin Nicole Stuber aus Brunnenthal, die an einem neuen Projekt arbeiten. «Buur on Tour» heisst die Idee, die letzten Sommer von der Post lanciert wurde: ein Gemüse- und Früchte-Abo, das der Pöstler nach Hause bringt.

Auch fürs kleine Budget

«Gemüse-Abos gibt es ja eigentlich schon», erklärt Ziegler. Dort seien die Lebensmittel aber meistens bio-zertifiziert, was das Abo teurer mache. «Das Coole an «Buur on Tour» ist, dass sich damit auch Familien mit einem kleinen Budget frische und saisonale Ware leisten können», erklärt der Bauer. Und fügt im gleichen Zug sein Bedauern darüber an, dass man sich frisches Gemüse leisten können muss.

Während Andre Ziegler erzählt, hilft seine Freundin beim Einpacken. Auf einem langen Tisch stehen diverse Kisten mit Portionen an Gemüse, Äpfeln, Eiern und Kartoffeln. Die Ware packt Stuber in grosse Plastiktaschen, die mit dem Logo von «Buur on Tour» und den Adressen der Kunden versehen sind. Wir versuchen, sie mit unserem Gespräch nicht zu stark abzulenken, denn das Abpacken erfordert viel Konzentration. «Am Schluss die Tasche zu suchen, in der man den Salat vergessen hat, ist mühsam», erklärt Ziegler lachend. Als das kleine weisse Kästchen neben den Gemüsekisten Geräusche von sich gibt, wird schnell reagiert.

Stuber verschwindet für einen Moment und erscheint wenig später mit ihrer kleinen Tochter auf dem Arm, die gerade aufgewacht ist. Dass das Paar noch so jung ist, sieht Ziegler als Vorteil. Es erleichtere den Umgang mit neuen Medien, die so ein Angebot erst möglich machen. «Wie hätte man vor zwanzig Jahren mit den Kunden in Kontakt treten können?» Heute könne er allen gleichzeitig eine Mail schicken.

Tatsächlich erscheint die Administration auf Kunden- wie auf Lieferantenseite einfach. «Rudimentär» nennt es Ziegler. Via Homepage können die Kunden Ware, Bestellmenge und -daten auswählen. Das daure keine zwei Minuten. Ziegler sammelt die Bestellungen in einem Excel-Dokument, das er den anderen Betrieben – bei «Buur on Tour» wirken insgesamt sechs Höfe mit – weiterleitet. Am Donnerstag kann er die Ware abholen und auf seinem Hof abpacken. Am Freitagmorgen geht die Lieferung nach Solothurn zur Post, welche die Lebensmittel an die Kunden verteilt.

Post gab den Anstoss

Heute reichen die Paletten, auf denen die gepackten Taschen zwischengelagert werden, nicht aus. «Ein gutes Zeichen!», findet Ziegler, der hofft, dass die Kundenzahl von heute 25 sich im Laufe des Jahres vervielfacht. «Ob wir 30 oder 100 Taschen abpacken, macht keinen grossen Unterschied.» Anreize sieht Ziegler jedenfalls viele, etwa in der Frische der Lebensmittel: «Es kann sein, dass ein Salat am Donnerstagmorgen geerntet wird und am Freitagmorgen schon beim Kunden zu Hause ist.»

Weiter entfalle die Suche nach saisonalen Lebensmitteln im Laden, was auf der anderen Seite etwas Flexibilität beim Kunden erfordere: «Jetzt gabs zum Beispiel dreimal nacheinander Spinat.» Die Vielfalt sei je nach Jahreszeit auch die grösste Herausforderung für die Landwirte. Dafür muss die Ware nicht nach Hause getragen werden. Und die wiederverwendbare Tasche können die Kunden bequem an den Briefkasten hängen, wo sie vom Pöstler wieder abgeholt wird.

Trend zum Regionalen

Von der Zusammenarbeit profitiert aber nicht nur der Kunde, sondern auch Landwirte und Zulieferer: «Wir können unsere Lebensmittel verkaufen und die Post ihre Pöstler auslasten.» Dabei erhalten die Produzenten 80 Prozent des Verkaufspreises. Den Anstoss habe aber die Post gegeben: «Man wollte den Trend der Regionalität nutzen.» So hat Ziegler seine Kontakte als Präsident der Bucheggberger Bauern genutzt und andere Landwirte von der Idee überzeugen können.

Die Pilotphase dauerte von August bis Dezember. «Dann brauchten wir eine Pause, um die Administration umzustellen.» Die Bilanz wie auch die Kundenreaktionen seien positiv ausgefallen, weshalb das Angebot auf das ganze Jahr ausgedehnt wird. Just in diesen Wochen steht nun zusätzlich eine geografische Ausdehnung an: Während aktuell Solothurn, der Bucheggberg und einzelne Dörfer aus dem Wasseramt von «Buur on Tour» profitieren können, wird das Abo künftig auch nach Grenchen geliefert.