Die Auseinandersetzung um die Enteignung von Land für den Bau eines Trottoirs in Gerlafingen machte Schlagzeilen. Der Kanton will das Trottoir durchgehend gestalten. Noch klafft eine Lücke, weil ein ehemaliges Bauernhaus nahe an der Strasse steht.

Die Schätzungskommission legte den Landpreis des Landwirtschaftslandes auf 6 Franken fest. Nach einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht muss der Kanton nun den Geschwistern Verena und Rudolf Letzkus für die 120 Quadratmeter Land 30'000 Franken zahlen. Ihnen
gehört das Landstück vor dem nicht mehr bewohnten, aber im Hobbybetrieb genutzten Bauernhaus an der Kriegstettenstrasse.

Der Plan des Kantons

Der Plan des Kantons

Die Geschwister müssen aber nicht nur vor ihrem Haus Land abgeben. Einige Meter weiter östlich beansprucht der Kanton nochmals ein Landstück, diesmal von ihrer Hostet. Dies ärgert die Geschwister Rudolf und Verena Letzkus sowie deren Mann Markus Bur doppelt. Die Hostet war früher Bauland. Die Eltern der Geschwister Letzkus hätten dieses Land auszonen lassen, weil sie nicht wollten, dass das Land überbaut werde, erzählt Bur. Zwei Reihen mit alten Obstbäumen durchziehen das Landstück.

«Wir wollen gar nichts»

Der Kanton will nun eine Ausbuchtung für die Bushaltestelle bauen, die die bisher einige Meter entfernte Haltestelle auf der Fahrbahn ersetzt. Die Ausbuchtung erfordert Land von den Letzkus-Geschwistern und eingezontes Land vom anschliessenden Grundstück, wo die Sozialen Dienste der Gemeinde ihre Heimat haben. «Hier wollen sie 1 Are Landwirtschaftsland verbraten», ärgert sich Bur. Er ist der Meinung, Landwirtschaftsland sollte geschützt werden. «Einige Meter weiter östlich hat es noch genug Land vor dem Gebäude der Sozialen Dienste.»

Bur ärgert sich aber auch, dass zwei Bäume gefällt werden müssen. «Ein Baum trägt eine ganze seltene Sorte. Die gibt es nicht mehr. Dafür soll ein kleines Bäumlein gepflanzt werden.» Er habe sich erkundigt, wie viel die Hege eines Bäumchens koste. «Da müsse man gegen 1000 Franken in den nächsten sieben Jahre rechnen. Und sie wollen null Franken zahlen.»

Es gehe ihm nicht ums Geld. «Wir wollen eben gar nichts.» Wenn es sein muss, schenke er das Geld einem Kinderheim. «Es geht doch darum, dass man hier den Bürger wieder einmal für dumm verkaufen will. Wenn ich zum Verantwortlichen beim Amt ginge und ihm sage, dass ich nun zwei schöne grosse Apfelbäume in seinem Garten fällen werde, was meinen Sie, wie der reagieren würde.» Werden die Pläne umgesetzt, würde zudem die Zufahrt von der Kriegstettenstrasse her auf die Hostet problematisch, vermutet Bur.

«Verschieben ist nicht möglich»

Peter Portmann, Projektmanager beim Amt für Tiefbau und Verkehr, begründet die Lösung, wie sie umgesetzt werden soll, mit den Rahmenbedingungen. Die Ausbuchtungen für die Bushaltestellen gruppieren sich um den neuen Fussgängerstreifen zwischen der Sportfeldstrasse und der Grüttstrasse. «Grossräumig handelt es sich um die Verbindung zwischen dem Schulhaus und der Badi. Wir wollen eine sichere Querung für den Langsamverkehr erreichen», erklärt Portmann. Der Fussgängerstreifen liege auf der Wunschlinie der Fussgänger. «Das entspricht einer übergeordneten Rahmenbedingung.»

Der Fussgängerstreifen wird zusätzlich von den Buskunden benutzt und muss in Fahrtrichtung hinter den Bussen gezeichnet sein. «Auch das dient der Sicherung bei der Querung der Strasse.» Deshalb sei es gar nicht möglich, die 50 Meter langen Busausbuchtungen andernorts zu platzieren. Weil die Bushaltestelle im Bolacker auf der Fahrbahn ist, müsse hier eine Ausbuchtung folgen, damit die hinter dem Bus gestauten Fahrzeuge vorfahren können. «Mit der jetzigen Lage ist auch eine sichere Abbiegesituation mit schützenden Inseln für die beiden Nebenstrassen möglich.»