Bellach
Bürgerin sorgt sich um eingesperrten Hund - wann greift Kapo ein?

Ein Mann stellt seinen Wagen auf einen Firmenparkplatz in Bellach und kommt erst Stunden später zurück. Mit Besorgnis beobachtet eine Mitarbeiterin den Hund, den er zurücklässt. Sie benachrichtigt die Polizei, doch diese unternimmt nichts.

Noëlle Karpf
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Der Hund verbrachte rund sieben Stunden im Auto. (Symbolbild)

Der Hund verbrachte rund sieben Stunden im Auto. (Symbolbild)

Keystone/Luca Bruno

Ein Hund wird zurückgelassen im Auto und erstickt nach einigen Stunden fast, weil der Besitzer nicht zurückkommt und kein Fenster offen liess. Mehrere solcher Fälle gab es im vergangenen Sommer in der ganzen Schweiz.

Dies wird vor allem gefährlich für das Tier, weil sich das Auto in der prallen Hitze rasch in einen Ofen verwandelt und die Temperaturen über 40 Grad steigen können.

Im Winter ist dies zwar nicht der Fall – ist es aber trotzdem legitim den Hund im Auto eingesperrt zu lassen? Und das sieben Stunden lang? So ist es am Dienstag nämlich in Bellach passiert.

Morgens stellt ein Mann sein Wagen mit Pferde-Anhänger auf einen Firmenparkplatz – obwohl er weder zur Firma gehört noch ein Kunde ist. Der Lenker aus dem Kanton Neuenburg verlässt den Ort, im Auto bleibt sein Hund zurück.

Eine Mitarbeiterin der Firma, die den Parkplatz direkt im Blickfeld hat, wird aufmerksam auf den im Auto zurückgelassenen Hund. Gegen Mittag beginnt sie sich Sorgen zu machen, denn vom Besitzer ist weit und breit keine Spur.

Zu wem dieser Hund gehört, das weiss man weder in ihrer, noch in der benachbarten Firma.

«Die Scheiben im Auto begannen anzulaufen», erinnert sich die Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht genannt haben will. «Irgendwann begann sogar Wasser das Glas hinunterzulaufen.»

Da ihr Tiere selbst am Herzen liegen beschliesst sie, einen Polizisten, der an diesem Tag ihr Geschäft aufsucht, auf den Hund hinzuweisen.

«Können nichts unternehmen»

Als daraufhin nichts passiert, kontaktiert sie rund zwei Stunden später die Polizeistelle. Dort heisst es wiederrum, man könne nichts unternehmen. Es würde für den Hund aber nicht gefährlich werden – die Temperaturen im Auto könnten nicht auf 30 Grad ansteigen.

Aus Sorge um das Tier meldet sich die Mitarbeiterin danach bei ihrem Tierarzt. Dieser rät ihr, sich an das Veterinäramt zu wenden. Auch dort wird ihr gesagt, man könne nichts weiter tun. Die Polizei entscheide selbst, ob sie eingreift, oder nicht.

Sie verfüge zudem über spezielle Einsatzkräfte, die für solche Fälle zuständig sei. Einen Hund im Auto zurückzulassen, ist nicht verboten – beim Veterinäramt heisst es aber, nach sechs Stunden sei es für ein Tier aber «schon nicht mehr so toll».

«Nach diesen drei bis vier Stunden war ich also noch nicht so gestresst», erzählt die Mitarbeiterin. Etwas später verständigt sie die Kapo aber erneut, weil ihr immer unwohler wird. Sie ist sich nicht sicher, ob noch genügend Sauerstoff im Auto vorhanden ist.

Der Hund sei ausserdem unruhig geworden. Er habe gebellt und sich verteidigen wollen, wenn eine Person nahe am Auto vorbei ging.

«Ist das normal in unserem Land?»

Als die Polizei sie erneut beruhigt und sagt, sie würde nicht eingreifen, beginnt der Geduldsfaden der Tierliebhaberin langsam zu reissen. Sie erkundigt sich, ob das «in diesem Land» denn normal sei - einfach nichts zu tun.

Die Kapo bietet dann an, eine Streife vorbeizuschicken. «Ich dachte mir aber, wenn sie sowieso nichts tun, dann nützt auch eine Streife nichts», so die Mitarbeiterin.

Nach Angaben der Mitarbeiterin kehrt der Besitzer des Hundes am späten Nachmittag zu seinem Wagen zurück. «Er sprach aber nur Französisch – ich habe ihn dann mit meinem Schulfranzösisch zurechtgewiesen», erzählt sie.

Sie habe dem Mann gesagt, sie hätte die Polizei verständigt und ihn aufgefordert seinen Hund jetzt kurz ins Freie zu lassen. Dieser habe darauf «pas police, pas police» gestammelt und sei weggefahren. «Der hat sich wohl gedacht ‹jetzt haben sie mich!› und ist dann abgehauen», meint die Mitarbeiterin.

Anzeige nicht aufgenommen

Darauf meldet sie sich ein letztes Mal bei der Polizei – um Anzeige gegen den Mann zu erstatten, der den ganzen Tag verbotenerweise sein Auto auf dem Firmenparkplatz stehen und seinen Hund «sieben Stunden lang» im Auto warten liess. Die Anzeige hat die Polizei aber nicht aufgenommen.

Die Mitarbeiterin fragt sich nach wie vor, was der Besitzer aus dem Kanton Neuenburg hier wollte. «Das Ganze geht mir sehr nahe», sagt sie. Sie habe zu Hause nämlich selber Tiere.

Im Nachhinein meint sie ausserdem, sie hätte den Fall vielleicht besser gar nicht gemeldet. «Gehe ich den Beamten auf die Nerven, wenn ich solche Fälle melde? Soll ich in Zukunft warten bis ein Hund erstickt?», fragt sich die verständnislose Mitarbeiterin.

Ein Tier im Auto – das ist eigentlich nichts Verbotenes. Gibt es aber eine Grenze? Wann greift die Polizei ein?

Hund wirkte «munter»

Für den Hund habe am Dienstag keine Gefährdung bestanden, heisst es bei der Kantonspolizei Solothurn auf Anfrage. Ein Beamter der Stadtpolizei sei vor Ort gewesen. Laut Mediensprecherin Melanie Schmid habe dieser den Zustand des Hundes mit einem Blick ins Auto prüfen können. «Der Sauerstoff in einem Wagen reicht für mehrere Stunden aus», so Schmid.

Man habe den Kontakt mit der Melderin des Falles aufrechterhalten und sie dazu aufgefordert, die Situation weiterhin im Auge zu behalten. Am Nachmittag habe die Kapo dann eine Patrouille vorbeigeschickt. «Zu diesem Zeitpunkt stand das Fahrzeug aber nicht mehr auf dem Parkplatz,» sagt die Kapo-Mediensprecherin.

Ein Sommerproblem

Dass die Polizei ausrücken muss, um einen Hund aus einem Auto zu befreien, sei vor allem im Sommer der Fall. Ein Hund kann nicht schwitzen und fühlt sich «eher bei tieferen Temperaturen wohl».

Zu dieser Jahreszeit wird es also eher seltener kritisch. Und wer ist dafür zuständig, wenn es so weit kommt? «Den Zustand eines Hundes kann jeder Beamte überprüfen», so die Mediensprecherin.

Die Kapo verfügt aber über eine «Sondergruppe Tierschutz und Umwelt», die sich komplizierteren Fällen annehmen kann. Im Kanton gibt es ausserdem eine Fachexpertin für Hundewesen auf dem Veterinäramt.

War der Fall vom Dienstag zu banal? Hätte die Mitarbeiterin die Polizei besser nicht kontaktiert?

«Im Zweifelsfall soll man sicher bei uns melden, wenn man sich Sorgen um ein eingeschlossenes Tier macht», so die Melanie Schmid. Grundsätzlich sei es aber nicht verboten, den Hund im Auto zurückzulassen. Eingegriffen wird, wenn die Situation für den Hund im Auto gefährlich wird - dieser zum Beispiel im Sommer fast erstickt oder nicht mehr auf Aussenstehende reagiert.

Daher konnte die Kantonspolizei Solothurn auch nicht auf die Anzeige gegen den Lenker aus dem Kanton Neuenburg eingehen.