Trotz Corona
Bühne Burgäschi hält an ihren traditionellen Galakonzerten fest

Gundi Klemm
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Probenbesuch: Spielen und singen unter besonderen Vorzeichen.

Probenbesuch: Spielen und singen unter besonderen Vorzeichen.

Tom Ulrich

In Zeiten die diesen muss man sich etwas einfallen lassen. Die Bühne Burgäschi hat zwar auf die Aufführung ihrer Sommeroperette verzichtet und «Zur gold’nen Liebe» ins kommende Jahr verschoben. «Aber an unseren Galakonzerten jetzt im Dezember und Anfang Januar möchten wir unbedingt festhalten, damit Kulturszene und Musikliebhaber nicht noch mehr leiden», erklären Melanie Gehrig und ihr Ehemann Reimar Walthert.

Mit den entsprechenden Schutzkonzepten und dem vorgeschriebenen 30-köpfigen Publikum pro Konzert laden sie zu insgesamt sechs musikalischen Anlässen in die Alte Turnhalle Biberist und in den Saal des Romantik Hotel Sternen in Kriegstetten ein.

70 Minuten lang Perlen und Raritäten

Zusammengestellt haben sie ein 70-minütiges Programm mit musikalischen Perlen und Raritäten, wie sie Operettenkenner schätzen. «Wir sind auf Entdeckungsreise gegangen aber auch Hits wie ‹Gern hab ich
die Frau’n geküsst› oder ‹Adieu, mein kleiner Gardeoffizier› nicht verschmäht.» Tiefgründiges haben sie im «Rosenkavalier» entdeckt, der als Walzer in der «Pariser Fassung» für Salonorchester gespielt wird.

Aber nicht nur Operettenseligkeit halten sie bereit. Mit dem Auftritt von Daniel Andriescu (Klarinette) und Rade Mijatovic (Akkordeon) erklingt der zweite Walzer aus der 2. Jazz-Suite von Dmitrij Schostakowitsch. «Zum Glück hatten wir unser zwölfköpfiges Orchester schon vor Corona zusammengestellt», berichtet Dirigent Walthert.

Denn jetzt nur einzelne Musiker aus der wirklich notleidenden Zunft auszuwählen und andere damit nicht zu berücksichtigen, sei zu schmerzlich. Er wisse inzwischen von freischaffenden Musikern, die sich angesichts der finanziellen Durststrecke mit einem Berufswechsel befassen. Zwar seien alle Musikschaffenden Idealisten, aber etwas Geld für das tägliche Leben müsse eben auch vorhanden sein. Dennoch bleiben alle Mitwirkenden grosszügig und spielen mit reduzierter Gage jeweils zwei Konzerte für eines. Keinen Auftritt gibt es für den Chor. Die solistischen Partien singen Melanie Gehrig, Roger Bucher und Fabio de Giacomi.

Besser nur wenig als gar kein Publikum

«Um den Aufwand für diese Konzerte zu finanzieren, haben wir an verschiedenste Türen geklopft», erklärt das Ehepaar Gehrig Walthert die Unterstützung durch die eigene Gönnervereinigung, den Kanton Solothurn und weitere Spender. «Wir sind dankbar, dass unsere traditionellen Galakonzerte, wenn auch leider vor zahlenmässig kleinem Publikum, wenigstens stattfinden können. Besser als gar nichts», unterstreichen beide.

Mut schöpfen sie beim Ausblick in die Zukunft. Denn die Sommerproduktion «Zur gold’nen Liebe» von Ralph Benatzky im Juni 2021 beim Hornusserhaus Oekingen soll, wenn dann noch nötig, mit dem entsprechenden Hygienekonzept stattfinden. «Und wir haben wirklich jahrelange Erfahrung in Freilichtaufführungen, die uns diese zusätzliche Planung erleichtert.»

Für die weitere Zukunft der Bühne Burgäschi verströmt das Ehepaar Optimismus. «Wir befassen uns intensiv mit der Gattung Operette, sonst stirbt sie langsam aus.» Dies bedeute, dass Burgäschi alles daran setze, die grossen Kompositionen noch stärker «historisch informiert» aufzuführen. Auch die schauspielerischen und tänzerischen Aspekte sollen im Bühnenspiel mehr zur Geltung kommen. Zudem werde im engen Kreis diskutiert, ob nicht weitere Spielorte im Rahmen einer kleinen Tournee dazugewonnen werden könnten.

Hinweis

11. und 12. Dezember, 18 und 20 Uhr, Alte Turnhalle Biberist; 2. Januar, 14.30 und 17 Uhr in Kriegstetten. www.burgaeschi.ch