Schon seit Ende 2014 dürften Hubers nicht mehr in Rüttenen sein. So lange galt die Fristerstreckung, die von der Bürgergemeinde Solothurn, der Landbesitzerin, gewährt worden war. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht beschlossen, dass die jenische Familie nicht mehr an ihrem Domizil bleiben kann.

Weil aber die Suche nach einem anderen Standplatz harzte, bat der Kanton die Bürgergemeinde, mit der Räumung des Platzes zuzuwarten. 

Bisher fand sich aber kein alternativer Standplatz, wo Hubers hingezogen wären. Der vom Kanton vorgeschlagene Standplatz für Fahrende auf Gemeindegebiet Flumenthal nahe Deitingen erfüllte für Hubers nicht die minimalen Kriterien für Standplätze bezüglich Lärm, Sicherheit und Gesundheit.

Neue Frist steht

Jetzt muss die jenische Familie aber definitiv ihren Wohnort wechseln. «Am 12. Dezember 2015 hat die Familie den gerichtlichen Bescheid erhalten, dass sie bis am 4. Januar 2016 den Platz geräumt haben muss», teilt die Radgenossenschaft der Landstrasse, die Dachorganisation der Jenischen und Fahrenden in der Schweiz, mit. 

Bei der Bürgergemeinde ist man auf alles vorbereitet. «Wir stellen uns darauf ein, dass eine Zwangsräumung nötig wird», erklärt Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. Er hoffe wohl, dass es nicht soweit kommt, «aber wir rechnen mit allem». Die Bürgergemeinde will den letzten Schritt machen. Die Auseinandersetzung habe seit Jahren viel Energie gekostet, die Bürgergemeinde habe lange Geduld gezeigt und viele Gespräche geführt, so Wyniger.

Als neue Frist für den Wegzug legt das Amtsgericht im Urteil den 4. Januar 2016 fest. Ist das Land bis zum 15. Januar nicht geräumt, kommt das Oberamt ins Spiel und dann wäre eine Zwangsräumung mit Unterstützung der Polizei möglich.

«Ausgerechnet über Weihnachten und Neujahr»

Die Familie Huber ist konsterniert. Kommt es zur Zwangsräumung, «werden wir auf der Strasse stehen, denn wir wissen nicht wohin», so Charles Huber junior. Er sei auch verbittert, dass das Gericht so schnell gehandelt habe und der Familie Huber die Weihnachtstage belaste. «Wir sind ja die ganze Zeit am Räumen. Jetzt müssen wir uns die ganze Zeit mit diesem schweren Gedanken beschäftigen, dass wir bald auf der Strasse stehen. Und wie sollen wir in diesen Tagen etwas organisieren können?»

Unterstützung findet Familie Huber durch die Radgenossenschaft der Landstrasse, der Interessengemeinschaft des fahrendes Voles in der Schweiz. «Eine jenische Familie wird über Weihnachten weggewiesen», titelt die Radgenossenschaft eine Mitteilung. Die Radgenossenschaft protestiert gegen «dieses ungeheuerliche Vorgehen und gegen das unmenschliche Verhalten der Behörden, die ausgerechnet über die Weihnachtstage eine Familie ins Nichts stossen».

Er habe sich auch umgeschaut, berichtet Charles Huber junior und einen neuen Standort gesucht. «Aber wenn der Kanton es nicht schafft, wie soll ich das schaffen? Wir hoffen nun auf ein Provisorium vom Kanton.» (uby/ldu)