Mit einer Operette-Gala blickt die Bühne Burgäschi jeweils Ende Jahr nochmals zurück. Dazu rückt sie ausgewählte Leckerbissen vergangener Aufführungen nochmals ins Rampenlicht. Die bringt sie zu den Leuten hin in die Regionen, aus denen ihr Sommerpublikum kommt. Die letzte ist jeweils am 2. Januar des folgenden Jahres in der Thomaskirche Biberist-Gerlafingen. Die war auch diesmal komplett ausverkauft.

Moderator und Intendant Hermann Gehrig erreichte also viele Ohren. Als Kenner der Operette verriet er Details und vermittelte eine kurze Geschichte der Operette. Vermutlich wäre er am liebsten auch mit dem Programm der Historie gefolgt. Die künstlerischen Interessen überwogen aber. Die Ouvertüre war naturgemäss gesetzt.

Das Salonorchester meisterte jene des 1885 uraufgeführten «Zigeunerbaron» von Johann Strauss sicher. Erstaunlich welche Wirkung dieses «Taschenorchester» erzielte. Das ist der musikalischen Leitung, also Reimar Walthert zu verdanken. Er muss Stunden damit verbracht haben, alle die Original-Partituren auf die vorhandene, minimalste Besetzung zu reduzieren. Das ist schwierig und verlangt grosses Musikverständnis. Aber es ist ihm hervorragend gelungen.

Lob verdienen aber auch die Musikerinnen und Musiker. Noch exponierter als das Orchester waren die Solisten. Begeistert hat Melanie Gehrig Walthert. Sie bezauberte nicht nur mit ihrem eleganten – eine Spur kühlen – Sopran. Sie liess zur Freude des Publikums auch immer wieder ihr offensichtliches Show-Talent aufblitzen. Gefallen haben auch die beiden Sänger. Fabio De Giacomi stellte sich mit dem «Wolgalied» aus «Der Zarewitsch» vor. Gefallen hat auch sein Duett mit der Sopranistin aus der gleichen Operette. Erstaunlich wie perfekt die Stimmen von Melanie Gehrig und De Giacomi bei diesem Duett von Sonja und Alexej hier verflossen.

Aber auch der andere Sänger Roger Bucher kam zu einem Duett mit Melanie Gehrig. Das haben sie als Müsterchen schon mal aus dem «Grüezi» vom nächsten Sommer vorweggenommen. Aus dem Duett von Lilly und Franz aus dem «Sterngucker» entwickelte die musikalische Leitung einen fulminanten Schlussauftritt des ersten Teils. Da gaben alle vom Ensemble, auch der Chor ihr Ganzes.

Auch dieser Chor musste sich durchaus nicht mit Begleitung begnügen. Er bekam mit einem Beitrag aus der Operette «Wie einst im Mai» von Walter Kollo einen eigenen Auftritt. «Die Männer sind alle Verbrecher» sangen die Frauen des Chors. Stellenweise glänzte darüber der Sopran von Melanie Gehrig. Alle Gesangsstimmen waren auch wieder bei Clo-Clo im Einsatz. Mit dieser 1924 in Wien uraufgeführten Operette von Franz Lehar verabschiedete sich die singende Fraktion. Damit zeigte die Operettenbühne, dass sie erpicht darauf, und in der Lage ist, Vergessenes und Versunkenes wieder ans musikalische Tageslicht zu holen.

Natürlich ist auch bereits die Saison 2019 geplant. Im Sommer werden beim Weiler Gallishof «Himmelblaue Träume» von Robert Stolz wahr. Dieses auch «Grüezi» genannte Musikwerk bekam seinen Namen für die Uraufführung 1934 in Zürich. Es wird als nächstes Freilichtspiel aufgeführt. Einen kleinen Vorgeschmack daraus brachte das Ensemble schon an die Operetten Gala mit. Im ersten Teil sang Roger Bucher daraus „Ungeküsst sollst du nicht schlafen gehen“.

Auch die unbestritten süsseste Nummer des zweiten Teils stammte aus «Grüezi». Melanie Gehrig und Roger Bucher machten aus dem Duett «Was wär’ denn ich, wenn du nicht wärst» schon fast eine Bühnen-Szene. Ganz sinnbildlich wurde als Schlussmusik die Titelmusik von «Grüezi» gewählt. Natürlich gab es auch eine Zugabe. «Oft genügt ein Gläschen Sekt» wurde dem Publikum als Lebensweisheit mit auf den Weg gegeben. Da klang noch immer Melanie Gehrigs Stimme nach: «Wenn der schöne Traum kein Ende hätt».

Hermann Gehrig war zwar der Intendant und gleichzeitig der Moderator der Gala. Er ist aber auch der Gesamtleiter des Vereins Musik im Äusseren Wasseramt. Ihm ist das Ganze eigentlich zu verdanken. Mit Energie und Herzblut trieb er sein Kind in den letzten zehn Jahren erfolgreich voran. Dafür dankte ihm das Publikum stehend mit langem, herzlichem Applaus.