«Es gibt Werke, die alles beinhalten, was ein gutes musikalisches Bühnenstück ausmacht, aber einfach Pech haben», blickt Melanie Gehrig Walthert, künstlerische Leiterin der Bühne Burgäschi, in die Geschichte der 1933 in Berlin uraufgeführten Operette «Die Männer sind mal so».

Seither nie mehr aufgeführt, wurde dieses musikalische Schmuckstück im Bühnen-Repertoire vergessen. «Was heutzutage nicht auf ‹Youtube› ist, scheint nicht zu existieren», ergänzt ihr Ehemann Reimar Walthert als musikalischer Leiter der Bühne. Nicht getilgt in der Erinnerung sind Name und Lebenswerk von Walter Kollo (1878-1940), dem aus Ostpreussen stammenden Komponisten. Seine typischen Berliner Operetten sprühen vor Sprachwitz.

Wie aus dem eigenen Leben

Auf der Suche nach einem zum sommerlichen Aufführungsort Hornusserhaus Oekingen passenden Musiktheater wurde das Musikerpaar durch intensive Recherche fündig. Denn diese Komödie, in der es um ein Familienfest rund um die Taufe des kleinen Gustav geht, entsprach ihrem gegenwärtigen familiären Leben als frischgebackene Eltern.

Auch die lebendige Musik, die beide als «Disko-Melodien der Dreissiger» charakterisieren, gefiel ihnen sehr. Ihre Nachforschungen zeigten zudem, warum dieses unterhaltsame, textlich und musikalisch begeisternde Werk keine Chance zu weiteren Aufführungen erhielt. Der politische Machtwechsel 1933 in Deutschland hatte nämlich in der Folge jüdische Künstler wie den an der Komödie mitarbeitenden Librettisten Rideamus, Schöpfer vieler brillanter Operettentexte, mit Aufführungsverboten belegt. Auch die Bekanntheit von Walter Kollo, der neben schmissigen Operetten eine Fülle von geläufigen Evergreens wie «Es war in Schöneberg», «Immer an der Wand lang» oder «Unter’n Linden» schrieb, konnte dieses Schicksal nicht abwenden.

In ihrer Auseinandersetzung mit Inhalt und Musik von «Die Männer sind mal so» nahmen die beiden mit der Kollo-Enkelin in Berlin, Marguerite Kontakt auf. Übrigens: Der Name Kollo hat in der Musikwelt einen immer noch viel beachteten Klang durch ihren Bruder René Kollo, der als Sänger viele Jahre im Rampenlicht stand.

Mit interaktivem Publikum

Melanie Gehrig, die auch in dieser Kammeroperette als Sängerin mitwirkt, hat das gesamte Stück aus den zwanziger-/dreissiger Jahren frischfröhlich in die Gegenwart katapultiert. «Die Männer in unserer Inszenierung sind Traummänner, einfach perfekt», schmunzelt sie und meint deren vielfältige Fähigkeiten wie Kinderbetreuung oder Hauswirtschaft.

In ihrem neuen Konzept will sie auf unterhaltsame Weise das Publikum am realsatirischen, dreiaktigen Schwank beteiligen, damit es sich mit den handelnden Personen identifizieren kann. «Wir neun Mitspieler üben unsere Rollen bereits, um für die im April beginnenden Bühnenproben gerüstet zu sein», sagt Gehrig zu den Vorarbeiten, in die auch der Chor der Bühne einbezogen ist. Reimar Walthert hat sein Instrumentalensemble, das aus einem Streichquintett, Blechbläsern, Flöte, Klarinette und Schlagzeug besteht, schon fast komplett.

Operette «Die Männer sind mal so». Aufführungen vom 15. bis 24. Juni, Hornusserhaus Oekingen. www.burgaeschi.ch