Natur-Förderprojekt

Bucheggberger Naturschutzverein hilft bei kantonalem Natur-Förderprojekt

Gut gelaunt nach getaner Arbeit: Das Pflanzteam.

Gut gelaunt nach getaner Arbeit: Das Pflanzteam.

Bestände erheben und Lebensraum schaffen: Der Bucheggberger Naturschutzverein unterstützt den Kanton bei verschiedenen Massnahmen, gefährtete Schmetterlinge zu fördern.

Der Dunkle Moorbläuling (Maculinea nausithous), auch Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling genannt, ist eine in der Schweiz stark gefährdete Schmetterlingsart. Im Kanton Solothurn gehört sie zu den Arten, welche im Rahmen des Mehrjahresprogramms Natur und Landschaft Fördermassnahmen erhält. Das Tier hat eine Flügelspannweite von 35 bis 40 Millimetern. Die Flügeloberseite des Männchens ist dunkelblau gefärbt, die des Weibchens schwarzbraun. Die Unterseite ist bei beiden Geschlechtern zimtbraun, mit einer geschwungenen Reihe brauner, weiss umrandeter Punkte.

Der Grosse Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) seinerseits dient dem Grossen Moorbläuling nicht nur als Futterpflanze, sondern auch als Versteck für seinen Nachwuchs. Sie schlafen, balzen und paaren sich auch auf ihr. Die Blume gehört zu den Rosengewächsen, hat blutrote, eiförmig Blütenköpfe und wird bis zu einem Meter hoch. Sie gedeiht am besten an wechselfeuchten Stellen, bei Hochmooren und in Hochstaudenfluren.

Das Projekt im Bucheggberg

So weit die Vorstellung von Falter und Pflanze in dieser kleinen Geschichte. Der spektakulärere Teil folgt etwas später. Um den seltenen Moorbläuling zu erhalten, müssen die heutigen Bestände erhoben werden. Ein Naturkenner des Bucheggbergs konnte 2018 einige Falter am Biberenbach bei Gossliwil sowie einen einzelnen bei Gächliwil feststellen. Da die oben beschriebene Wirtspflanze in einem Teilbereich des Baches schon reichlich vorhanden ist, entschied das kantonale Amt für Raumplanung, die Population des Falters im oberen Teil des Baches mit Fördermassnahmen zu unterstützen. Dazu wurde mit dem das Land bewirtschaftenden Landwirt ein Vertrag abgeschlossen, der speziell auf die ökologischen Anforderungen von Falter und Pflanze angepasst ist.

Mit einer weiteren Massnahme sollte das Futterangebot für den Moorbläuling erweitert werden. Dazu wurden 200 Wiesenknöpfe gepflanzt. Unter der Leitung des Amts für Raumplanung wurde die Arbeit von Mitgliedern des Naturschutzvereins Bucheggberg an die Hand genommen. Die mit viel Pflanzerfahrung ausgestatteten Frauen und Männer des Vereins erledigten die Arbeit trotz Regenfall, oder gerade deswegen, sehr speditiv und mit viel Freude zum Projekt.

Ameisen als Ernährer der Schmetterlingsraupen

Wenn der weibliche Falter zur Flugzeit im Juli und August seine Eier in die bereits rot gefärbten Blüten der Pflanze gelegt hat und diese nach acht Tagen als Raupen schlüpfen, so ist ihre Körperfarbe noch gelblich weiss. Nachdem sie sich aber während zweier bis dreier Wochen durch den Wiesenknopf gefressen und drei Häutungen durchgemacht haben, sind sie rot wie die Pflanzenblüte. Womit sie natürlich gut getarnt sind. Nach dieser Phase legen sie ein seltsam anmutendes Verhalten an den Tag. Sie kriechen nämlich aus ihrem Versteck und lassen sich zu Boden fallen, wo sie sich wieder verstecken und warten. Hier tritt nun der dritte Akteur dieser Geschichte auf den Plan; die Rotgelbe Knotenameise (Myrmika rubra). Eigentlich ein Todfeind. Entdeckt sie die Raupe in ihrem Versteck am Boden, greift sie aber nicht an, sondern adoptiert sie gewissermassen und schleppt sie in das unterirdische Ameisennest. Die Raupe verdankt dieses seltsame Verhalten einem von ihr ausgeschiedenen Duft, der die Ameise besänftigt und an die Ausdünstung der eigenen Brut erinnert. Das ganze Unternehmen ist allerdings für den werdenden Schmetterling nicht ohne Risiko, besteht doch immer die Gefahr, dass eine andere Ameisenart oder auch ein Vogel sich der Raupe bedient.

Wohl gelitten im Ameisennest

Befindet sich eine Raupe einmal im Nest der Knotenameise, so hat sie ausgesorgt und kann sich an der Brut der Ameisen schadlos halten. Sie vertilgt bis zu 600 Ameisenlarven und überwintert im Ameisenbau. Die Ameisen werden weiterhin durch den speziellen Duft der Raupe besänftigt.

Die mittlerweile dicke und grosse Raupe bewegt sich im Frühjahr nun langsam in den oberen Bereich des Nestes. Einmal an der Erdoberfläche angekommen, setzt die Entwicklung zum Schmetterling (Metamorphose) an und er pumpt Luft und Flüssigkeit in seine Flügel, die sich dann strecken und aushärten.

Ab Ende Juni verlassen die Tiere dann endgültig das Nest und der beschriebene Zyklus beginnt von neuem. Nach sieben bis zehn Tagen geht das ereignisreiche, aber sehr kurze Schmetterlingsleben schon wieder zu Ende!

* Paul Storchenegger ist Co-Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Bucheggberg.

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