Kunst

Brückenpfeiler wird zu Kunstobjekt: Lüsslinger gewinnt Wettbewerb für Kunst an der Emme

Skizze des Kunstprojekts: Der Pfeilerstumpf in der Schwemmzone Rütti vor der Eisenbahnbrücke und dem Balmfluechöpfli.

Skizze des Kunstprojekts: Der Pfeilerstumpf in der Schwemmzone Rütti vor der Eisenbahnbrücke und dem Balmfluechöpfli.

Der in der Region aufgewachsene Jan Hostettler, Basel, hat den Wettbewerb für Kunst an der Emme gewonnen.

Zu einem grossen Bauwerk gehört Kunst am Bau. Wie soll diese Vorgabe bei einem Bauwerk wie dem Hochwasserschutzprojekt Emme realisiert werden? Eine Baupublikation hilft auf die Spur. Ausgeschrieben ist eine Kunstinstallation in der Emme. Dabei handelt es sich um die Rekonstruktion eines Brückenpfeilers.

Das federführende kantonale Amt für Umwelt hatte zu einem künstlerischen Ideenwettbewerb eingeladen. Fünf Kunstschaffende durften ihre Ideen und Projekte präsentieren. Gewonnen wurde der Wettbewerb von Jan Hostettler. Der gebürtige Lüsslinger mit Jahrgang 1988 lebt heute als Künstler in Basel.

In seinem Projekt «Pont en bon temps» arbeitet Hostettler mit bestehenden Materialien. So hat er bei der Eisenbahnbrücke der Bahn-2000-Linie, zwischen Luterbach und Derendingen, Teile der ersten Vorgängerbrücke aufgefunden. Im Rahmen des Hochwasserschutzprojektes sollen diese Teile abgerissen werden. Hostettler will diese abtragen und einige Meter flussaufwärts in der Aufweitung Rütti der Emme auf neuen Fundamenten aufbauen.
Der Erhalt und die Verschiebung der Pfeilerstümpfe seien die eigentliche künstlerische Intervention. Es gehe ihm dabei um das Eingreifen in Abläufe und um den Umgang mit dem Bestehenden. «Ich will nicht etwas Neues und Fremdes in das komplexe Gefüge der gestalteten Flusslandschaft setzen, sondern durch den Erhalt der Pfeiler die Vielschichtigkeit betonen und erhalten.»

Ist Kunst an der Emme «Kunst am Bau»?

Das Kunstprojekt an der Emme war auch schon Gegenstand einer Anfrage im Kantonsparlament. Bei Projekten für kantonseigene Bauten reserviert der Kanton einen Teil des Baukredits für den künstlerischen Schmuck des jeweiligen Gebäudes. Das ist in einer Verordnung so vorgeschrieben. Eher unüblich ist allerdings, dass die Bestimmungen über «Kunst am Bau» nun auch bei einem Projekt wie der Emme-Renaturierung zum Tragen kommen. Das werde zwar auch nicht die Regel werden, aber man behalte sich das für Einzelfälle weiterhin vor, erklärte damals der Regierungsrat zur Anfrage aus dem Parlament.

Spaziergänger und Sammler

Die Anfrage betraf das Thema Kunst am Bau und nicht Hostettlers Projekt. Seine Arbeit, so Hostettler in der Beschreibung, biete die Möglichkeit, mit der Geschichte und Komplexität des Ortes konfrontiert zu werden.

Hostettler ist ein forschender Spaziergänger und Sammler von scheinbar Nebensächlichem. Geboren in Rüttenen und aufgewachsen in Lüsslingen und Langendorf besuchte er die Schulen in Solothurn. Heute lebt er in Basel und arbeitet in seinem Atelier in der ehemaligen Kirche des Klosters Klingental in Basel. Hostettler bewegt sich in den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation und in konzeptuellen Ansätzen. Bekannt wurde er etwa mit seiner achtmonatigen Reise zu Fuss nach Istanbul.

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