Gesetz im Gehölz
Braucht es eine Anmeldung für einen Spielnachmittag im Wald?

Eine Waldbesitzerin aus dem Wasseramt verlangt eine Anmeldung für einen Spielnachmittag mit Kindern – die Organisatorin ist irritiert. Laut Gesetz ist das Betreten von Wald jedermann gestattet. In welchem Fall braucht es also eine Bewilligung?

Christof Ramser
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Der Wald ist für alle da. Eine Organisatorin von Spielnachmittagen mit Kindern sieht dieses Grundrecht infrage gestellt.

Der Wald ist für alle da. Eine Organisatorin von Spielnachmittagen mit Kindern sieht dieses Grundrecht infrage gestellt.

Sandra Ardizzone

Bisher war es für die Frau selbstverständlich. Seit 12 Jahren besucht sie mit Kindergruppen den Wald. Sei es für Spielnachmittage, zum Bräteln, oder einfach um sich mit den Kleinen an der frischen Luft zu bewegen und sich auszutoben. Der Wald bietet Jung und Alt den idealen Rahmen, um sich zu vergnügen oder zu erholen.

Bisher sei das nie ein Problem gewesen, schildert die Frau aus der Region, die namentlich nicht genannt werden will. Sie ging vom uneingeschränkten Zutrittsrecht für die Kindergruppen aus.

Zumindest, solange beim Spiel zwischen Bäumen und Büschen nichts verändert und sofern Pflanzen und Tiere nicht beschädigt werden. Sie habe den Wald stets in jenem Zustand zurückgelassen, in dem er vorgefunden wurde.

Kürzlich wurde sie von einer Bürgergemeinde im Wasseramt eines Besseren belehrt. Geplant war, auf einer provisorischen Bahn Minigolf zu spielen. Die Waldbesitzerin wollte wissen, in welchem Waldstück die Kindergruppe spielen werde, und verlangte eine Anmeldung.

Am Ende sei der Spielanlass im Wald zwar «bewilligt» worden, jedoch mit dem Hinweis, dass für das nächste Mal eine Anmeldung notwendig sei. Die Frau, die den Kindern aus dem kleinen Dorf einen abwechslungsreichen Tag ermöglichen wollte, ist ratlos.

Wenn Junge etwas freiwillig machen wollen und ihnen Steine in den Weg gelegt würden, sei das nicht in Ordnung. Schliesslich sei der Wald doch ein öffentlicher Raum.

Abhängig von der Grösse

Ganz so einfach ist es nicht. Das schweizerische Zivilgesetzbuch schreibt zwar seit über 100 Jahren fest, dass das Betreten von Wald im ortsüblichen Umfang jedermann gestattet ist. Auch dürfe der Eigentümer den Wald nicht ohne weiteres einzäunen, sagt Kreisförster Ueli Stebler vom kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei.

Wie der Wald von Gruppen genutzt werden dürfe, sei stets eine Frage der Auslegung. Stebler erinnert daran: «Der Wald gehört immer jemandem.» Gemäss dem Verband der Waldeigentümer und Bürgergemeinden BWSO gehören im Kanton Solothurn nur rund 20 Prozent des Waldes privaten Eigentümern.

75 Prozent sind im Besitz von Bürger- und Einheitsgemeinden, 5 Prozent gehören dem Kanton.

Einen Spielnachmittag im Wald beim Forstbetrieb anzumelden, sei sinnvoll, sagt Geri Kaufmann, Geschäftsführer des BWSO. Die Fachleute können auf Gefahren wie totes Holz oder auf besonders geeignete Spielplätze hinweisen. Denn die Haftungsfrage nach einem Unfall oder Beschädigungen sei ein heikler Punkt.

Meldepflichtig sind solche Anlässe indes nicht. Gemäss kantonaler Waldverordnung müssen nur Orientierungsläufe und ähnliche Veranstaltungen mit 100 bis 250 Teilnehmern gemeldet werden sowie Veranstaltungen ab 250 Teilnehmern, sofern diese ausschliesslich auf Waldstrassen oder Wanderwegen stattfinden. «Spontane Anlässe, etwa von Spielgruppen, sind aber überhaupt kein Problem und immer möglich», sagt Kaufmann.

Spiel in einem anderen Wald

Bewilligungspflichtig sind laut Ueli Stebler organisierte Anlässe. «Wenn kein kommerzieller Zweck vorliegt, etwa bei einem Waldgang, ist sicher keine Bewilligung nötig. Es ist eine Frage des Augenmasses.» Es sei ihm klar, dass manche Kindergärtner oder Lehrerinnen den Wald ohne Bewilligung nutzen.

Eine Anmeldung im eingangs erwähnten Fall wäre aber sicher sinnvoll gewesen, findet der Förster, nicht zuletzt wegen der Haftungsfrage. Nicht bewilligungspflichtig sei etwa ein Training von Orientierungsläufern. Ein OL-Anlass mit Hunderten von Teilnehmern dagegen schon. Bewilligungen erteilt im Übrigen nur die kantonale Amtsstelle.

Es ist also gar nicht so einfach, mit einer Kindergruppe uneingeschränkt im Wald zu spielen. Die Organisatorin des Spielnachmittags ist jedenfalls irritiert. Es sei ihr eine Lehre gewesen. Ihre Anlässe will sie künftig in einer anderen Gegend durchführen.

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