Wir müssen einfach besser sein.» So simpel das tönt, so entscheidend ist es, damit viele Firmen in der Region mit vergleichsweise hohen Produktionskosten im globalen Wettbewerb überleben können. Für Markus Borer, Chef der Borer Chemie AG, ist es mit ein Hauptgrund, warum das Familienunternehmen dieser Tage ihr 50-jähriges Bestehen feiern kann.

Der promovierte Chemiker erläutert sein «Credo» an einem Beispiel. Die Zuchwiler Firma ist als Produzentin von hochwertigen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln standortbedingt mit höheren Kosten als die ausländische Konkurrenz konfrontiert. Borer ist der einzige rein schweizerische Hersteller solcher Produkte, die Wettbewerber sind regionale Hersteller, aber auch multinationale Konzerne.

«Rein preislich wären wir nicht konkurrenzfähig», sagt Borer. Der Mehrpreis müsse einen Mehrwert generieren, etwa bei der Wirksamkeit. «Um den gleichen Reinigungseffekt zu erreichen, muss der Anwender von unserem teureren Produkt weniger einsetzen als mit einem günstigeren Konkurrenzprodukt.» 

Das bedinge stetige Innovation. «Im betriebseigenen Technikum entwickeln wir in Zusammenarbeit mit den Kunden und den Herstellern von Reinigungsanlagen Verfahren und Techniken zur bestmöglichen Anwendung unserer Produkte», meint der Firmenchef.

Es handle sich um speziell entwickelte Produkte. «Wir sind ein Nischenplayer.» Das allein genügt aber nicht, auch die Herstellkosten sind möglichst tief zu halten. Auf dem Rundgang wird klar, was gemeint ist.

Der ganze Herstellungsprozess ist vollständig computerisiert. Die in Tanks gelagerten Rohstoffe werden «nach geheimer Rezeptur» gemischt, und über unzählige Rohrleitungen gelangen die Fertigprodukte in 32 Tanks mit je 5000 Liter Fassungsvermögen.

Die Produkte werden auf vollautomatischen Anlagen in die unterschiedlichsten Gebinde abgefüllt, etikettiert und versandbereit gemacht. Das erkläre auch, warum von den 80 in Zuchwil beschäftigten Mitarbeitenden nur rund 25 in der Produktion tätig sind. Das Schwergewicht liege in der Forschung und Entwicklung.

Die 1965 gegründete Firma ist mit einem Exportanteil von 80 Prozent global ausgerichtet. Der Vertrieb erfolgt über Vertretungen in 67 Ländern, im Heimmarkt über eine eigene Verkaufsorganisation. In China wurde 2008 eine eigene Tochterfirma gegründet.

Die 16 Angestellten in Schanghai sind für Verkauf und Vertrieb in China verantwortlich. Hauptmärkte sind Europa, Nordamerika und Asien. Der Umsatz von rund 25 Millionen Franken wird mit Entwicklung, Produktion und Verkauf von über 160 Produkten erwirtschaftet. Jährlich sind es rund 4000 Tonnen Reinigungs- und Desinfektionsmittel.

Grösster Umsatzträger ist mit 50 Prozent der Bereich Medical oder Spitalhygiene, wie der Unternehmer ausführt. Die entwickelten und produzierten Reinigungs- und Desinfektionsmittel kommen bei der manuellen und maschinellen Aufbereitung von chirurgischen Instrumenten und bei der Desinfektion von Händen und Flächen zum Einsatz. Kunden sind primär Spitäler.

Dazu gehört etwa das Bürgerspital Solothurn, aber nicht nur. «In Australien und in Deutschland sind wir die Nummer 2», sagt Borer stolz. Der Bereich Industrie steuert 35 Prozent an den Gesamtumsatz bei. Hier liefern die Zuchwiler Produkte und Verfahren für die Reinigung von Präzisionsmetallteilen.

Die Mittel für die Entfettungs- und Feinreinigungsprozesse (Entfernung von Polierpasten und Öl) kommen bei der Werkzeugbeschichtung, bei der Optikglasherstellung, bei der Uhrenproduktion, in der Photovoltaik sowie im Herstellprozess von Bildschirmen und Implantaten zur Anwendung.

Life Sciences als dritter Bereich umfasst die Einsatzgebiete im Labor für die Glasreinigung und in der Pharma- und Kosmetikindustrie bei der Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe, Arzneimittel oder Kosmetika.

Der Frankenschock im Januar hat die Herausforderung nochmals vergrössert. Deshalb erstaunt es nicht, wenn der Firmenchef sagt, man sei im laufenden Jahr gut unterwegs, obwohl der Umsatz stagniert.

«Das ist angesichts der externen Einflüsse respektabel.» Es sei bislang gelungen, die schwierige Phase ohne Personalabbau und ohne Kurzarbeit durchzustehen. Es sei aber klar, dass die Firma mittelfristig auf den Wachstumspfad zurückkehren müsse.

Es gelte, die internen Prozesse noch effizienter zu gestalten und den Verkauf zu intensivieren. Dazu soll eine Konzentration der Märkte und auch der Produkte beitragen. Markus Borer glaubt, dass es zusammen mit der gesamten Belegschaft gelingen wird, den Standort langfristig halten zu können. Das sei das höchste Ziel. «Der schnelle Gewinn ist nicht mein Ding. Mir ist das Schaffen einer nachhaltigen Zukunft wichtig.»