Beim ersten Durchgang am Samstag stellen sich auf der einen Seite die Schützen ohne Visier auf, auf der anderen Seite diejenigen mit Visier. Jeder hat pro Runde, der sogenannten «Passe», fünf Pfeile zur Verfügung, gesamthaft gibt es bei diesem Turnier zwölf Passen.

Die Körperbeherrschung ist beim Bogenschiessen das A und O und somit auch das Mentale. Wer einen Bogen mit Visier bedient, hat fünf kleine Zielscheiben vor sich, wobei in jeder ein Pfeil stecken muss.

Die Schützen ohne Visier haben zwar mehrere Zielscheiben vor sich, können aber alle Pfeile auf eine einzige schiessen, dazu sind diese Scheiben auch grösser. Die Entfernung beträgt mehr als 18 Meter und für eine Passe darf man höchstens vier Minuten Zeit aufwenden.

Beide CH-Verbände vertreten

Bisher wurde das Adventsturnier in der Turnhalle des Sportzentrums jeweils unter dem Verband Swiss Archery durchgeführt. In diesem Jahr waren beide Schweizer Verbände vertreten: Am Samstag konnte unter dem Verband FAAS (Field Archery Association Switzerland) geschossen werden, am Sonntag unter Swiss Archery.

«Immer mehr Schützen beantragen bei FAAS eine Lizenz», erklärte Andreas Baumberger, Vizepräsident und Trainer des Verein Bogenschützen Solothurn den Entscheid, das Turnier für beide Verbände zu öffnen.

Der Verein organisiert jährlich diesen Anlass. Es gibt Schützen, die bei beiden Verbänden eine Lizenz beantragen – und somit an beiden Turniertagen teilgenommen haben. Hat man keine zwei Lizenzen, kann man aber dennoch bei Turnieren des jeweils anderen Verbands partizipieren, einfach als Gast.

Bei Swiss Archery stehen die Zielscheiben im Vordergrund, wobei der FAAS-Verband sich auf die Instinktdisziplin konzentriert. In dieser Disziplin wird meist Outdoor geschossen, nicht selten in der Natur.

Ganze Familien machen mit

Das Bogenschiessen begeistert alle Generationen und Geschlechter. «Es ist fast die einzige Sportart, in der die ganze Familie mitmachen kann», so Baumberger. Nicht selten würden Familien gemeinsam an ein Turnier reisen und dabei alle mitmachen, von Grosseltern, Eltern bis zu den Kindern.

Zwischen 250 und 300 Teilnehmende waren am Turnier in Zuchwil. Darunter Junioren und Gäste aus dem angrenzenden Ausland. Schüler mussten auf Hälfte der Distanz schiessen. Beim Verband FAAS kann das Resultat mit Punkten von anderen Turnieren kumuliert werden.

Doch im Unterschied zu anderen Sportarten gibt es sonst keine Saisonranglisten und es geht auch nicht um Auf- und Abstieg. Nichtsdestotrotz ist der Eifer an Turnieren gross, denn es bestehen interne Rivalkämpfe. Auch ist das Ziel, neue Rekorde zu erzielen.

Das Adventsturnier findet jeweils Mitte November statt. Eigentlich war ursprünglich geplant, die Halle im Dezember zu reservieren, aber diese war zu der Zeit nicht zu bekommen, wie Baumberger erklärt.

Ruhe und draussen in der Natur

Für Baumberger, der seit 1992 schiesst, ist das Spannende an dieser Sportart die Ruhe, die einen dabei ergreift, und die man zum Schiessen braucht. Sein Vereinskollege Harry Misteli verbindet damit den Ausgleich zum Alltag, er widmet sich der Instinktdisziplin.

«Man stellt in der Natur Tierattrappen auf und schiesst auf sie. Das Licht ist nicht konstant wie in der Halle, der Boden uneben und dazu kommt noch die Witterung.» Ein junger Schütze, der mit Visier schiesst, kam durch Hollywoodstreifen zum Schiesssport.

«Man muss den Körper perfekt beherrschen. Es ist spannend, am Körpergefühl zu feilen, dabei die ideale Körperhaltung zu finden und zu versuchen, diese wiederholt zu erreichen.»

Manche Schützen begannen auch wegen körperlicher Beschwerden mit Bogenschiessen und konnten diese so kurieren.

Die Jugendliche Fiona Z’Rotz aus Nidwalden hat einen Compound Bogen und schiesst seit drei Jahren. «Mir gefällt das Hightech, das Schiessen ist aufregend und die Leute sind cool.»