«Der Sommer steht vor der Tür. Der Garten entfaltet seine Blütenpracht. Doch nicht nur die Natur verändert sich, auch bei Sonderegger Floristik Gärtnerei steht eine Neuausrichtung an.» Mit diesen Worten informierten Simone und Anton Sonderegger im April ihre Kundschaft über die Schliessung der Floristikabteilung und des Pflanzencenters per 30. Juni.

«Am 30. haben wir den Schlüssel umgedreht. Am Tag darauf haben wir mit dem Ausräumen begonnen und schon am 3. Juli begann der Umbau des bisherigen Blumenladens.» Gleichzeitig wurde auch die alte Webseite durch die neue ersetzt. «Ich liebe meinen Beruf, und es tut schon etwas weh, alles umzukrempeln. Aber wir sind überzeugt, dass wir das richtige tun», meint Anton Sonderegger im Gespräch. Pro Tag schliesse zurzeit ein Blumenladen in der Schweiz, so Sonderegger. «Wir haben aufgehört, bevor es uns schlecht ging.»

Umsatz ging stetig zurück

Vor rund 15 Jahren haben Simone und Anton Sonderegger das Geschäftshaus umgebaut und den Blumenladen vergrössert. Lange habe der Laden gute Zahlen geschrieben, aber in den letzten drei, vier Jahren ging der Umsatz immer mehr zurück. Die gleiche Tendenz zeige sich beim Pflanzenverkauf in der Gärtnerei. «Vor 30 Jahren haben wir Pflanzen und Schnittblumen noch selbst produziert. In den letzten Jahren kauften wir das Meiste an der Blumenbörse oder beim Grosshändler ein.» Die Preise seien stetig gesunken und damit auch die Marchen.

«Gleichzeitig sind die Kosten gleich hoch geblieben», so Sonderegger. Weniger Umsatz ergab sich auch im Bereich der sogenannten Trauerfloristik, bei den Dekorationen für grosse Festessen oder dem Blumenschmuck für Hochzeiten. Auch wer zu Besuch gehe, bringe seltener Blumen mit, als das früher Brauch war. Da konnte auch die treue Stammkundschaft der Gärtnerei nicht mehr viel ändern.

Gleichzeitig hat sich die Arbeit in der Gärtnerei Sonderegger verändert. «Wir wurden immer mehr zum Dienstleistungsbetrieb, der die Arbeit vor Ort bei den Kunden leistet.» Stichworte sind dabei Terrassenbegrünung, Gartenservice, Gartenpflege, Gartengestaltung, Pflanzenvermietung und die Überwinterung von Kübelpflanzen. «Mit diesen Geschäftsbereichen konnten wir den Umsatzrückgang kompensieren.» Und in diesen Bereichen wird künftig weitergearbeitet.

Schon immer ein Ladengeschäft

Das Haus an der Weissensteinstrasse 36 in Langendorf ist eines der ältesten im Dorf. Seit 80 Jahren ist die bisherige Gärtnerei in den Händen der Familie Sonderegger. Auf alten Fotos erkennt man, dass an dieser Stelle schon immer ein Laden betrieben wurde. Für Sonderegger ist klar, dass der Detailhandel noch mehr unter Druck kommt. «Früher kamen die Kunden in den Dorfladen.» Heute gehe man eher in die grossen Zentren, die alles anbieten. Der Verdrängungswettbewerb gehe zulasten der kleinen Betriebe. Parallel dazu nehme auch der Onlinehandel weiter zu. «Und die Veränderung geht rasend schnell.»

Verändern oder untergehen

Simone und Anton Sonderegger war klar: «Entweder wir verändern uns, oder wir gehen unter.» Da die Infrastruktur in Langendorf optimal sei und auch das Klima unter dem Personal stimme, haben sie sich entschlossen, sich zu bewegen. «Wir können die Gewächshäuser weiterhin nutzen. Die Pflanzen, die wir noch haben, können wir ebenfalls einsetzen.»

Der bisherige Blumenladen wird nun umgebaut für den Privatgebrauch. In einem der Gewächshäuser entsteht ein Showroom, in dem demonstriert wird, wie beispielsweise die Tröpfchenbewässerung funktioniert, aber auch die Vielfalt an Pflanzengefässen aufgezeigt wird. Der Raum kann zudem für kleinere Anlässe oder Geschäftsessen gemietet werden.

Das Personal sei mit der Umstellung von 13 auf acht Personen geschrumpft. Eine langjährige Angestellte sei letzten Herbst pensioniert worden. Die beiden Lehrlinge hätten im Sommer abgeschlossen und eine neue Stelle gefunden. Auch die beiden Floristinnen, die lange Jahre in Langendorf gearbeitet haben, fanden eine neue Anstellung. «Beide blieben bis zum Schluss, obwohl wir ihnen frei gestellt haben, dass sie früher gehen können, wenn sie einen neuen Job finden.» Bedauerlich sei, dass mit der Neuausrichtung keine Lehrlinge mehr ausgebildet werden könnten.

Ende August sollte der Umbau fertig sein. Dann wird sich die Firma Sonderegger Pflanzen und Gärten auf ihre neuen Aufgaben konzentrieren. So steht in der kalten Jahreszeit schon bald der Transport der vielen Kübelpflanzen an, die in den Gewächshäusern in Langendorf überwintern. «Gut 1000 Pflanzen sind es in der Zwischenzeit.» Die Pflanzen werden nicht nur abgeholt und im Frühling wieder gebracht. Sie werden während des Winters auch gepflegt und fachgerecht geschnitten.