Biberist
BLS-Gleise werden ausgebaut – in die Umgebung wird aber nicht investiert?

Die BLS will die Gleisanlagen von Biberist bis nach Gerlafingen auf Doppelspur ausbauen.

Rahel Meier
Merken
Drucken
Teilen
Wer am Bahnhof Ost aus dem Zug aussteigt, erhält einen tristen Eindruck von der Gemeinde Biberist.

Wer am Bahnhof Ost aus dem Zug aussteigt, erhält einen tristen Eindruck von der Gemeinde Biberist.

Hanspeter Bärtschi

Schon im Jahr 2020 soll der Bahnhof Ost in Biberist umgebaut werden. Die BLS (ursprünglich Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, heute nur noch kurz Lötschbergbahn) will zwischen Biberist und Gerlafingen eine Doppelspur realisieren und die Gleise für den Privat- und den Güterverkehr entflechten.

Ausserdem müssen alle Bahnhöfe bis 2023 behindertenkonform sein. Peter Bobak, der vonseiten der BLS für den Umbau in Biberist, Gerlafingen und auch in Wiler zuständig ist, informierte im Gemeinderat Biberist über das Projekt. Dabei zeigte sich, dass dieses schon relativ weit vorgeschritten ist.

Künstliche Aufregung oder unkorrektes Verhalten?

Für ein kurzes politisches Geplänkel sorgte der Stand der SP Biberist, der während der Eröffnungsfeierlichkeiten für die alte Turnhalle aufgestellt wurde. Markus Dick (SVP) war «entsetzt» und empfand es als «skandalös», dass ein Anlass der Gemeinde für Wahlpropagandazwecke missbraucht worden sei. Er wollte deshalb wissen, ob der Stand der SP bewilligt wurde, wer den Antrag dafür eingereicht hatte, wann, für welchen genauen Standort, und ob der Gemeindepräsident darüber informiert wurde. Weiter bezweifelte Dick, dass politische Werbung auf dem Schulareal zulässig ist.
Gemeindepräsident Martin Blaser erklärte, dass alles rechtens sei. Die Gesuche für den Anlass seien am 21. März vom Parteipräsidenten der SP eingereicht und vom Bauverwalter genehmigt worden. Das Reglement für die Benutzung von gemeindeeigenen Räumen und Anlagen schliesse eine Benutzung und Bewilligung für politische Anlässe nicht aus.

Dick zeigte sich enttäuscht darüber, dass die anderen Parteien nichts zu dieser Aktion der SP sagen würden.

Er machte klar, dass die SVP aus diesem Grund nicht am überparteilichen Anlass auf dem Gustav Eisenhammer-Platz teilgenommen habe. Vonseiten der FDP kam die Rüge, dass es schön gewesen wäre, hätte die SP die anderen Parteien auch eingeladen mitzumachen, gerade weil man bereits einen gemeinsamen Anlass erfolgreich durchgeführt hat. (rm)

Rund 60 Prozent des Umsatzes macht die BLS in Biberist und Gerlafingen mit dem Personen- und dem Transitgüterverkehr. Der Güterverkehr der Stahl Gerlafingen AG macht 25 Prozent aus, die Hiag nützt den Gütertransport ebenfalls. «Die Gleisanlagen sind nicht mehr zeitgemäss», so Bobak. So würden die Weichen noch alle von Hand bedient. Nach dem Umbau werde alles ferngesteuert und die Gleise seien besser auf die hohen Tonnagen im Gütervekehr ausgerichtet.

Das heisst auch, dass der Schalter verschwinden und es nur noch einen Billettautomaten geben wird. Die heutigen Perrons für den Personenverkehr seien zu wenig hoch und zu wenig lang. Die BLS investiert laut Bobak gegen 30 Mio. Franken in die Sanierung der Anlage. Das Geld fliesst zu 100 Prozent in die bahnbetrieblichen Anlagen. Für die nicht bahnbetrieblichen Anlagen, den Bahnhofplatz beispielsweise , ist kein Geld vorgesehen.

Das erstaunte und frustrierte einige Gemeinderäte dann doch. «Eigentlich müsste es doch im Sinn der BLS sein, den Bahnhof attraktiver zu gestalten. Heute sieht er wirklich schlecht aus», meinte etwa Tobias Weiss (SP). «Aber ich habe das Gefühl, dass es bei diesem Projekt nur um die Bahninfrastruktur geht.»

Markus Dick (SVP) erklärte, dass gerade dieser Teil Biberists unterentwickelt sei, und man das Areal grossflächiger ansehen und etwas Gutes daraus machen müsste. «Offenbar will die BLS einfach nur schnell durchfahren können.» Bemängelt wurde auch der Fahrplan. Wer nach Solothurn fahre oder von Solothurn aus die BLS nützen wolle, habe schlechte Verbindungen. Auch seien die Barrieren der BLS verhältnismässig länger geschlossen, als die anderer Linien.

Im Nachgang zur Präsentation erteilte der Gemeinderat der Bau- und Werkkommission den Auftrag aufzulisten, was man sich von der BLS wünsche. Diese möchte das Projekt schon in einem Jahr auflegen. «Viel Zeit bleibt uns nicht», so der Tenor im Gemeinderat.

Verein für Tagesstrukturen

Im Weiteren hat der Rat

- dem Antrag der Schulleitung zugestimmt, dass ab dem kommenden Schuljahr der Einzelunterricht an der Musikschule bei Bedarf von 25 auf 40 Minuten verlängert werden kann;

- zur Kenntnis genommen, dass die vom Gemeinderat bewilligten individuellen Sonderprämien von insgesamt 20 000 Franken im April verteilt und ausbezahlt wurden. Profitieren konnten Mitarbeitende, die wegen Personalengpässen in der Finanzverwaltung, der Bauverwaltung und im Werkhof Mehrleistungen erbringen mussten;

- zur Kenntnis genommen, dass Per Just und Silvio Bertini per Ende der Legislatur als Verwaltungsräte der EV Energieversorgung Biberist demissioniert haben. (rm)

Die Arbeitsgruppe Tagesstrukturen hat dem Gemeinderat beantragt, dass ein Verein gegründet werden soll, unter dessen Dach alle Angebote zusammengefasst werden. Dazu würden dann der Kinder- und Schülerhort gehören, der Mittagstisch, die Spielgruppen und die Aufgabenbetreuung. Dem Vereinsvorstand soll auch die Schulleitung angehören, der Sozialdienst und Vertreter des Gemeinderates.

Im Februar 2018 müsste der Gemeinderat dann einen Leistungsauftrag mit dem Verein abschliessen. Dann kann dieser seine Arbeit mit Beginn des neuen Schuljahres aufnehmen. Der Gemeinderat stimmte diesen Anträgen einstimmig zu.