Rüttenen
Blick zurück und in die Zukunft: Erstmals ist ein Nicht-Studer mit an der Spitze der Malerei-Gipserei

Trotz Corona war es ein gutes Jahr für das Rüttener Unternehmen. Einzig ihre Jubiläumsfeier musste abgesagt werden. Stattdessen habe man beschlossen das Geld zu spenden.

Lucilia Mendes
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Florian Hedinger und Gilbert Studer arbeiten zusammen.

Florian Hedinger und Gilbert Studer arbeiten zusammen.

Hanspeter Bärtschi

Die Malerei-Gipserei Studer AG in Rüttenen ist seit 85 Jahren in Händen der Rüttener Familie Studer. Und zwar drei Generationen lang, nun ist erstmals ein Nicht-Studer mit an der Spitze des Unternehmens: Florian Hedinger leitet seit 1. Januar 2020 den Bereich Gipserei. Gilbert Studer, der nächstes Jahr nicht mehr für das Amt des Gemeindepräsidenten von Rüttenen kandidieren wird, steht Hedinger noch ein paar Jahre lang zur Seite: «Meine Familie ist froh, dass die Nachfolge geregelt ist.» Hedinger verstehe die Geschäftsphilosophie und wisse sie auch gut nach aussen zu tragen.

«Wir haben uns für eine Materialspende entschieden»

Auch sonst ist es für das Rüttener Unternehmen ein gutes Jahr – trotz Corona. Die Auftragslage sei durchgehend gut gewesen. Einzig etwas schmerzt: Eigentlich hätte man diesen Sommer mit einem Tag der offenen Tür das 85-Jahr-Jubiläum feiern – und sich so bei der Kundschaft für die jahrelang Treue bedanken wollen. Doch so ein Fest sei leider nicht möglich gewesen.

Man habe darum beschlossen, das für das Fest budgetierte Geld zu spenden. Doch wem? Als das Unternehmen von der Seilbahn Weissenstein AG den Auftrag erhalten habe, das Material für den Ausbau des Seilbahnbeizlis zu liefern, sei der Fall klar gewesen: «Wir haben uns für eine Materialspende entschieden.» Die Seilbahn und der Hausberg seien ein schönes Symbol für die Region – und sowohl er als bestimmt auch die vielen Kunden hätten einen Bezug zum Weissenstein, erklärt Studer, während er in seinem Garten auf einem alten Sesseli sitzt und Richtung Jura schaut.

Das alte Handwerk bleibt weiterhin gefragt

Das Handwerk des Malers und Gipsers habe sich in den 85 Jahren natürlich schon verändert. Wobei, ganz stimme das nicht. Gerade bei Restaurationen und Renovationen sei das alte Handwerk immer noch sehr gefragt. Verändert hätten sich eher die Ansprüche der Kunden: «Viele informieren sich im Vorfeld im Internet, sammeln Ideen und kommen dann mit genauen Vorstellungen zu uns», erzählt Hedinger. Das sei heutzutage wohl die grösste Herausforderung.

Man müsse immer up to date sein und den Markt gut kennen – und dazu müssen man eben das Handwerk bestens verstehen und an den Kunden weitergeben können. Auch das Thema Nachhaltigkeit müsse man im Griff haben. «Beratung ist heute ein ganz wichtiger Bestandteil. Früher war es eher so, dass der Kunde dem Fachmann alles überliess, heute ist viel mehr Überzeugungsarbeit und Fachwissen nötig.»

Das Unternehmen hat viele Privatkunden

Die Handschrift des Traditionsunternehmens ist vielerorts zu sehen. So durfte das Rüttener Unternehmen beim Umbau der «La Couronne» in Solothurn tatkräftig mithelfen und auch die Umgestaltung der Cocktailbar zum Türk oder auch der Fischerstube in Altreu seien schöne Aufträge gewesen. Vor allem sei man aber dankbar, am Jurasüdfuss so viele Privatkunden zu haben. Somit stehe bei der Weiterführung der Geschäftstätigkeiten unter der Leitung des neuen Chefs vor allem eines im Zentrum: «Der Kunde soll keine Änderung merken. Seine Zufriedenheit ist uns weiterhin am wichtigsten.»

«Der Beruf des Gipsers wird häufig unterschätzt»

Florian Hedinger kennt die Kundschaft – und auch die 25 Mitarbeiter sehr gut. Ist er doch bereits seit 2012 im Unternehmen. Begonnen hat er als normaler Angestellter, danach habe er sich vom Vorarbeiter über den Polier bis nun zur Geschäftsleitung hochgearbeitet. Im Frühling hat er zudem die Ausbildung zum Stuckateur-Meister abgeschlossen – als einer der besten von schweizweit sechs Absolventen. Und genau in dem Bereich sieht er auch Potenzial: «Der Beruf des Gipsers wird häufig unterschätzt. Mir sind die Lehrlingsförderung und eine Aufbesserung des Images ein grosses Anliegen.»